Kunstwerke aus Zirbenholz sind seine Leidenschaft

Horst Rinne hat es das Zirbenholz mit seinem speziellen Duft angetan. Seit seinem Ruhestand betreibt er sein Hobby noch intensiver. Foto: Michael Corts
+
Horst Rinne hat es das Zirbenholz mit seinem speziellen Duft angetan. Seit seinem Ruhestand betreibt er sein Hobby noch intensiver.

Handwerk am Kämpchen – Horst Rinne hat eine eigene Holzwerkstatt

Von Michael Corts

Schon die kräftigen, spruchverzierten Balken des Hofportals lassen ahnen: Hier werden keine dünnen Bretter gebohrt. In der kleinen Ortschaft Kämpchen, begrenzt von Autobahn und Bundesstraße, in der Hofschaft der Familie Rinne ist bodenständige Handwerkskunst zu Hause. Geschnitzte Tafeln, eine kleine Ausstellungsvitrine und das Hinweisschild „zur Zirbenstube“ laden den zufälligen Passanten oder vertrauten Besucher ein, näher zu treten. Horst und Else, beide der Altersgruppe der zuerst Impfberechtigten zugehörig, freuen sich über Gäste; auch wenn zur Zeit die Türe zum heimeligen, schützend überdachten, gepflasterten Innenhof nicht so oft für Besucher aufgeht.

Hinter dem 100-jährigen bergischen Fachwerkensem-ble der Straßenfront öffnet sich ein Kleinod der Holzkunst und Gemütlichkeit. In keiner Ecke, an keinem Dachbalken oder hölzernem Vorsprung fehlt Horst Rinnes schnitzende Spur. Vorbei an einem natur- und maßstabsgetreu gearbeiteten Modell des urgroßväterlichen Gefachhauses führt Rinne den Besucher zu seiner Werkstatt. Der Weg dorthin, durch einen kleinen Garten, entlang diverser Schuppen und Remisen, den halboffenen Sommersitz „Prummenhötte“ passierend, endet im Hobelspäne dekorierten Reich der Werkzeuge und Maschinen.

Hier, wo es nach ätheri-schem Holzöl und ein wenig nach Gestern duftet, entsteht Wunderschönes aus Zirbenholz. Dabei ist die Liebe zu dieser Hochgebirgskiefer bei Horst Rinne erst spät entstanden. Angefangen hat seine Lust zur Holzbearbeitung mit Krippen- und Pyramidenbau. Denn als der gelernte Maschinenbauer beruflich für eine Straßenbaufirma längere Zeit in die östlichen Bundesländer musste, nahm er seine Frau kurzerhand mit in die Region Erzgebirge. „Was die hier können, kann ich auch“ sagte er sich, und begann Weihnachtskrippen und sich über Kerzen drehende Holzlichtergestelle zu erstellen. Figuren aus dem Südtiroler Grödnertal lieferte er gleich dazu, denn es sprach sich rum, dass am „Kämpchen“ eine kleine aber feine Holzsägewerkstatt Kunsthandwerkliches produziert.

Ehefrau Else hilft beim lasieren und beizen

Mit dem Ruhestand wurde maschinell aufgerüstet. Die erste Drechselbank nahm Einzug. Diverse Schleif-, Fräs- und Hobelmaschinen, Band- und Kreissägen folgten. „Horst war fast nur noch in der Werkstatt“ erinnert sich Ehefrau Else. Nicht ohne zwinkernd zu ergänzen, dass Sie aber auch jederzeit Zutritt hatte. „Sauber machen muss er da aber selber. Ich helfe lieber beim lasieren und beizen“. Dass dafür auch Hilfe gut tat, war verständlich. Denn aus dem Holzhobby war schon eine richtige Manufaktur entstanden. „Einmal vor Weihnachten haben wir 60 Nikoläuse gedrechselt“ sagt Horst Rinne und beschreibt, dass bei Adventsausstellungen im Hof und Verkäufen auf Bauern- und Weihnachtsmärkten, in Burg und Burscheids Lam-bertsmühle sich die Men-schen an den schönen Dingen aus seiner Kunstwerkstatt erfreuten.

Dann zog der Duft der Zirbelkiefer ein in die Räume am Kämpchen. Vielleicht in Form der Wiege für den ersten Enkel. Oder durch den Kaufladen mit dem Kasperltheater auf der Rückseite. Oder mit den bei allen Kindern beliebten Tierfiguren. „So genau lässt sich das nicht mehr sagen. Jedenfalls gefiel mir das angenehm riechende, recht leichte und gut zu schnitzende Zirbenholz so gut, dass ich jetzt nur noch damit arbeite“ sagt Horst Rinne heute. Zum Beweis nimmt er eines seiner scharfen Schnitzeisen und verziert den Deckel einer nach eigenem Entwurf gefertigten Brotkiste. Traditionelle Formen, überwiegend aus dem bayerischen Raum, dienen ihm als Ideenvorlage.

Ein kleiner Ausstellungs-raum neben dem Lichthof am Eingang wurde zur Zirbenstube und beherbergt eine sammelsurische Fülle an Produkten aus diesem Alpenbaum, der bis zu 800 Jahre alt werden kann. Lampen, Figuren, Schalen sind dort zu finden. Duf-tende Säckchen mit gehobelten Spänen. Fläschen mit dem kostbaren und auch naturheilkundlich angewendeten Zirbenöl. Dieses ätherische Öl wird auch zur Funktion des Zirbenlüfters benötigt.

Horst Rinne entdeckte den innovativen Raumlüfter mit antibakteriellen und Raumfeuchte ausgleichenden Eigenschaften in einem Hotel in Österreich. Er entwarf seine eigenen Modelle, auf Wunsch ver-sehen mit Wasserreservoir und Ventilator und gefüllt mit frischen Zirbenspänen.

Die Arbeit mit Holz scheint Gesundheit und Humor zu konservieren. Horst und Ilse Rinne arbeiten und lachen zusammen. Wenn es bei usseligem Wetters in der Werkstatt zu ungemütlich ist, schmeckt ihnen und dem Besucher der Kaffee mit Bergischen Zwieback im überdachten Innenhof. Und sie freuen sich schon auf die sommerlichen Abende in der „Prummenhötte“.

Kontakt

Wer Hölzernes liebt und sich für die Kunstwerke interessiert, kann sich auch nach telefonischer Absprache mit Horst Rinne in seiner Werkstatt und der „Zirbenstube“ umsehen. Kontakt: Tel. (0 21 74) 82 65.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Chempark: Explosion beschäftigt Burscheid
Chempark: Explosion beschäftigt Burscheid
Chempark: Explosion beschäftigt Burscheid
Impfen ohne Termin im Kreisgebiet
Impfen ohne Termin im Kreisgebiet

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare