Energie

Kunden motzen kaum über die Benzinpreise

An der Tankstelle am Dünweg 55 sind die hohen Preise von weitem sichtbar. Foto: Doro Siewert
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An der Tankstelle am Dünweg 55 sind die hohen Preise von weitem sichtbar.

Mehr Ärger machen den Tankstellen aber Masken-Verweigerer.

Von Ursula Hellmann

„Musst du nicht noch tanken, Karl?“ – „Du hast recht, aber ich fahre erst um kurz nach 21 Uhr. Dann spare ich bei 50 Liter immerhin zwei Euro!“ Es sieht so aus, als würden solche Gespräche auch in Burscheid und Umgebung in letzter Zeit häufiger geführt. Im vorigen Jahr gab es nur wenige Autofahrer, die den Empfehlungen im Internet folgten und ihren Tank dann nachfüllen ließen, wenn die Kostenkurve des Treibstoffs in absteigende Richtung ging. Jetzt aber wird die Online-Kontrollmöglichkeit sehr viel intensiver beobachtet und genutzt.

Die Mitarbeiter in den Tankstellen bleiben gelassen

Wie ist nun die Lage an der Benzinpreis-Front? Die Menschen vor und hinter der Tankstellentheke betrifft es mit heftiger Wucht. Was hören und erleben die Bediensteten in den langen Stunden als Kassierer und Kassiererinnen?

Die Tankstelle Buntenbach in Witzhelden gibt es schon seit über 50 Jahren. Da ist Aufregung nicht das große Thema. Wie es von oberster Stelle weitergehe, lasse zwar keinen Jubel aufkommen, habe aber mit dem guten Verhältnis zu ihren Stamm- und Gast-Kunden nichts zu tun.

Erstaunlich gelassen bleiben auch Betreiber und Angestellte in der Aral-Tankstelle am Dünweg. „Bis jetzt ist es noch nicht vorgekommen, dass Kunden ihren Frust auf die Benzinpreise auf laute Art an unserem Personal abreagiert hätten. Da machen uns die aggressiven Masken-Verweigerer schon mehr Ärger“, sagt uns ein Angestellter, der aber namentlich nicht genannt werden möchte. „Auch die Frage, wann dieser Zustand endlich vorbei sei, haben wir noch nicht gehört.“

Die Reaktion der Autofahrer äußere sich aber in anderer Weise: Selbst in den Wochen der Herbstferien hatte der fast stündlich wechselnde Literpreis zu einem deutlich erhöhten Umsatz geführt. Der Grund könne daher nur die Sorge vor einem weiteren Explodieren der Preise sein. „Vielleicht tragen auch die Berichte aus Großbritannien dazu bei, ein ähnliches Desaster zu befürchten“, vermutet der Tankstellenmitarbeiter.

Trotzdem empfinden Tankstellenleiter wie auch Tankstellenbeschäftigte das hiesige Murren als nicht angebracht. „Schließlich ist es für uns hier noch ein Luxusproblem verglichen mit der Situation in den meisten europäischen Staaten.“ Zwei Straßen weiter war für die freundliche Kassiererin in der Shell-Station dieser Vormittag ein Vormittag wie alle anderen. Sie fragt die Damen und Herren vor ihrer Theke nach der ADAC-Karte, einige Cent weniger werden dann bezahlt - dann wünscht sie jedem einen schönen Tag und wendet sich dem nächsten Kunden zu.

Dass der Ansturm unterschiedlich stark ist, macht ihr nichts aus. „Wer zeitlich dazu in der Lage ist, nutzt halt die ruhigeren und darum oft auch preiswerteren Stunden aus“, sagt sie, die ebenfalls nicht namentlich genannt werden will. „Sobald der Computer eine erhöhte Kundenzahl registriert, rutscht die letzte Zahl der Eurosumme auf der Preisanzeige zwei oder drei Strich höher.“

Das sei zwar vor vielen Monaten übersichtlicher und nur zweimal am Tag die Regel gewesen - heute reagiere eben der Computer in sehr viel kürzeren Abständen. Die Hoffnung auf eine Rückkehr zu alten, günstigeren Benzintarifen habe auch sie nicht.

Spritpreise

„Steuern machen den größten Anteil am Spritpreis aus“, schreibt der ADAC. Bei Benzin beispielsweise liege der Energiesteuersatz bei 65,45 Cent je Liter. Neben den Steuern beeinflussten Marktkräfte die Kraftstoffpreise. Das beginne beim globalen Rohstoffhandel, der sich abhängig von Konjunktur, politischer Lage oder Jahreszeit bewege. Auch der aktuelle Dollarkurs habe erhebliche Auswirkungen: „Öl wird weltweit fast ausschließlich in der US-amerikanischen Währung gehandelt.“ Steige also der Dollarkurs im Verhältnis zum Euro, stiegen oft auch die Preise an der Zapfsäule.

Gleichzeitig bewege der Wettbewerb zwischen den Tankstellenbetreibern – in Deutschland etwa Aral, Shell, Jet oder die freien Tankstellen – den Spritpreis. Damit hätten auch die Verbraucher einen gewissen Einfluss auf das Preisgefüge: indem sie nämlich stets die günstigste Zapfsäule ansteuerten.

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