Nach der Pandemie

Kultur in Burscheid: Viele Zuschauer kehren nicht zurück

Die große Fragebogen-Kiste gibt den Weg vor: Kulturvereinsvorsitzende Jelle von Dryander traut dem Interkommunalen Kulturmanagement eine Menge zu. Bis vor kurzem wurden Interessierte und Kulturschaffende dazu um ihre Meinung gebeten.
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Die große Fragebogen-Kiste gibt den Weg vor: Kulturvereinsvorsitzende Jelle von Dryander traut dem Interkommunalen Kulturmanagement eine Menge zu. Bis vor kurzem wurden Interessierte und Kulturschaffende dazu um ihre Meinung gebeten.
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Jelle von Dryander wirbt für Qualität – und den gemeinsamen Weg mit Wermelskirchen.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Gerade erst hat Jelle von Dryander in Venedig im traditionsreichen Theater „La Fenice“ gesessen. Ein Jazzkonzert der Extra-Klasse, mit renommierten Interpreten. Und das Theater? War gerade mal zu zwei Dritteln gefüllt. Eine Entwicklung, die die Vorsitzende des Burscheider Kulturvereins nicht nur in Venedig, sondern auch vor der eigenen Haustür beobachtet. „Die Großen haben genauso Schwierigkeiten wie wir. Die Menschen sind bei Veranstaltungen immer noch vorsichtig. Und sie haben in den langen Monaten der Pandemie die Kultur ein Stück weit vergessen.“

Dabei legt diese mit aller Kraft wieder los. Auch und gerade im Kulturbadehaus. Denn Förderprogramme gebe es genug, sagt von Dryander. Das ist Fluch und Segen zugleich. „Wir beschäftigen uns derzeit weniger damit, welcher Künstler und welches Programm zu uns passen könnte, sondern füllen Anträge aus“, sagt von Dryander und bezieht Geschäftsführerin Vera Leweke in das Prozedere mit ein. „Auf die Zuschüsse sind wir angewiesen. Denn das, was wir unseren Künstlern und Künstlerinnen zahlen wollen, spielen wir nicht ein.“

So konnte das Kulturbadehaus in der Pandemie nicht vermietet werden. „Das hat ein großes Loch in die Kasse gerissen.“ Und es kommen zu wenige Zuschauer, zu viele bleiben zuhause. Wo früher um die 80 Leute ins Kulturbadehaus strömten, seien es heute 30. „Eigentlich gar nicht so schlecht, wenn ich dieselben Entwicklungen in Berlin und Venedig sehe“, sagt Jelle von Dryander. Und dennoch Anlass zur Sorge: „Wir kriegen eine Gesellschaft, die kulturfern ist.“ Ihre Hoffnung: Die Kultur im wahrsten Sinne des Wortes auf die große Bühne zu heben und sie als Staatsziel zu verankern.

Die lebhafte Vorsitzende des Kulturvereins ist aber keine, die sich allzu lange bei düsteren Befürchtungen aufhält. Lieber packt sie mit ihrem Team an und hat es auch während der Pandemie getan. Sobald die Corona-Schutzverordnung es erlaubte, war der Kulturverein zur Stelle, lud unter dem Titel „Freibad“ zu Open-Air-Veranstaltungen ein. Gerade erst bat man zum Kinovergnügen, zu Filmen von und mit Buster Keaton sowie der Augsburger Puppenkiste. „Da waren mehr Erwachsene dabei“, sagt Jelle von Dryander augenzwinkernd.

Saison im Kulturbadehaus legt MItte August so richtig los

Und mit dem Ende der Sommerferien geht es nun richtig in die Saison. So wird ab Mitte August Christian „Ordinario“ Benner im Kulturbadehaus seine Arbeiten ausstellen. Im September startet die Klavierreihe, bei der mit dem Programm „Entschuldigung, Welt“ Marcus Sauer am 11. September den Auftakt macht und das Publikum mit Liederkabarett unterhält. Damit zeigt das Kulturbadehaus zugleich Flagge beim Tag des offenen Denkmals, der in diesem Jahr auf Kreisebene Burscheid im Fokus hat und bei dem Sauers Auftritt den Schlusspunkt eines langen und spannenden Tages voller Veranstaltungen markiert.

Es sind kraftvolle Signale der Kultur, dass sie wieder bereit ist. Auch in der Provinz. Von Dryander verbindet Hoffnung aber auch mit zwei Baumaßnahmen des Integrierten Entwicklungs– und Handlungskonzepts von denen allerdings nicht klar ist, in welchem Umfang sie angesichts deutlicher Kostensteigerungen und einer gedeckelten Förderung realisiert werden können: die Umgestaltung des Geländes am Kulturbadehaus sowie der Umbau des Haus der Kunst. „Ein Aushängeschild“, sagt von Dryander über letzteres. Keine Konkurrenz zum kleinen Kulturbadehaus, sondern im Gegenteil wichtige Ergänzung, in die sich der Kulturverein gerne eingliedern möchte. „Agenturen schätzen es sehr, wenn eine Kommune ein großes und ein kleines Haus hat“, sagt von Dryander. Wichtig ist es ihr, an beiden Spielstätten „die Qualität hochzuhalten“: Sie wirbt für eine Professionalisierung der Kultur, die nicht allein von Ehrenamtlichen gestemmt werden könne und dürfe. „Ich möchte auch nicht mehr ewig Plakate aufhängen“, bekennt die 62-Jährige offen, die seit 2011 Vorsitzende ist. „Und wir machen das ja alle neben unserer Berufstätigkeit.“

Auch Alleingängen erteilt von Dryander eine Absage. Sie hat früh schon nach Kooperationspartnern gesucht: wie dem Kleinen Theater Bad Godesberg oder dem Erholungshaus Leverkusen. Corona zerriss viele Gesprächsfäden und erste Annäherungen. „Diese Dinge sind sensibel“, sagt von Dryander.

Auch die einstige Initiative „Gemeinsame Sache“, bei der bergische Kultureinrichtungen ein gemeinsames Abo anboten, rutschte durch die Pandemie ins Aus. „Sehr schade. Das war ein Erfolg, den man wiederbeleben müsste“, sagt von Dryander. Schon da zogen Wermelskirchens Katt und der Kulturverein an einem Strang: In Neuauflage soll es in noch formellerer Weise wieder so sein, indem das Interkommunale Kulturmanagement beide Städte einbindet. Kulturmanagerin Jasmin Dorner hat gerade die Wünsche der Bürger und der Kulturschaffenden beider Städte dank eines Fragebogens abgeklopft – mit gutem Rücklauf, wie von Dryander bestätigt – und wird den Kulturentwicklungsplan gestalten, der Wermelskirchen und Burscheid einen gemeinsamen Weg weist. „Wir wollen uns bewegen, und wir wollen diese Kooperation schon lange“, sagt Jelle von Dryander.

Eine wichtige Rolle spielt dabei abermals das neue Haus der Kunst, das nach seinem Umbau im Idealfall rund 600 Zuschauern Platz bieten könnte und multifunktional eingesetzt werden soll. „Die Wermelskirchener werden es nur annehmen, wenn es auch ihr Haus der Kunst ist“, betont von Dryander. „Dafür aber müssen wir dieses Haus dann auch professionell bespielen.“

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