Interview

„Kultur ist nicht an Grenzen gebunden“

Jasmin Dorner verantwortet das gemeinsame Kulturmanagement für Burscheid und Wermelskirchen.
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Jasmin Dorner verantwortet das gemeinsame Kulturmanagement für Burscheid und Wermelskirchen.
  • VonNadja Lehmann
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Interview mit Kulturmanagerin Jasmin Dorner

Frau Dorner, Ihr Ziel ist die Erstellung eines Interkommunalen Kulturentwicklungsplans. Dabei brauchen Sie Unterstützung. Noch bis zum heutigen 15. Juli können Künstler, Kulturschaffende und Bürger Fragebögen ausfüllen, online oder auf Postkarten, die ausliegen. Wie ist der bisherige Rücklauf? Und wer darf mitmachen?

Jasmin Dorner: An der Befragung, entweder online oder über die ausgelegten Postkarten, dürfen sich alle Bürgerinnen und Bürger beteiligen. Den Kulturschaffenden sowie den Künstlerinnen und Künstlern stehen online Fragebögen zur Verfügung, die inhaltlich umfangreicher sind, da sie beispielsweise Fragen zur Arbeit und Struktur beinhalten. Bisher konnte ich rund 100 Rückläufe der Bürgerinnen und Bürger verzeichnen. Eine genaue Zahl kann aber erst nach dem 15. Juli genannt werden, da die Postkarten an verschiedenen Orten ausliegen. Auch von Künstlerinnen und Künstlern sowie den Kulturschaffenden habe ich schon einige Fragebögen zurückerhalten und freue mich auf alle weiteren.

Welches Ziel verfolgen Sie mit der Befragung? Welche Erkenntnisse erhoffen Sie sich?

Dorner: Mir geht es bei der Befragung der Bürgerinnen und Bürger in erster Linie darum, zu erfahren, welche Kulturangebote gerne genutzt werden und ob es Wünsche für die Kultur gibt. Gleichzeitig möchte ich auf den Kulturentwicklungsprozess aufmerksam machen. Die Befragung der Künstlerinnen und Künstler sowie der Kulturschaffenden ist Teil der Bestandsaufnahme, die für den Kulturentwicklungsplan essenziell ist. Es soll dargestellt werden, welche kulturellen Angebote es in beiden Städten gibt, um so die Kulturlandschaften möglichst genau abzubilden. Durch die Befragung und die Bestandsaufnahme erhoffe ich mir, dass Themenfelder sichtbar werden, um diese im weiteren Prozess zu bearbeiten und zu diskutieren. Das Ziel soll auch eine Unterstützung der Kulturschaffenden in diesen Bereichen sein.

Welche Fragen sind Ihnen besonders wichtig – und damit auch die Beantwortung?

Dorner: Besonders interessant sind die Angaben der Wünsche. Hieran wird deutlich, welches Angebot den Menschen in den Kulturlandschaften der beiden Städte fehlt. So kann geschaut werden, wie und ob Burscheid und Wermelskirchen gemeinsam diese Leerstellen füllen können – in Kooperation und unter Nutzung möglicher Synergien.

Die Antworten sollen in einen gemeinsamen Kulturentwicklungsplan münden. Was kann man sich darunter vorstellen?

Dorner: Die Befragungen sind Teil der bereits erwähnten Bestandsaufnahme und somit des Kulturentwicklungsprozesses. Neben den Antworten der Befragungen fließen auch die demografischen Gegebenheiten und Entwicklungen mit ein. Durch die Bestandsaufnahme werden Themenfelder sichtbar, die im weiteren Planungsprozess in den Fokus genommen werden. Am Ende steht die Erarbeitung des Kulturentwicklungsplanes an. Dieser beinhaltet Handlungsempfehlungen und Maßnahmen, die durch den Prozess entstanden sind. Ziel ist es, die Kulturlandschaften in Burscheid und Wermelskirchen zu unterstützen.

Was folgt als nächster Schritt? Haben Sie einen Zeitplan?

Dorner: Der nächste Schritt wird die Auswertung der gesammelten Daten sein, um die beschriebenen Themenfelder definieren zu können. Die Themenfelder werden bei der Auftaktveranstaltung am 19. Oktober – zu der alle Interessierten eingeladen sind – vor- und zur Diskussion gestellt. Für den gesamten Prozess gibt es einen Zeitplan. Dieser beinhaltet insgesamt vier Veranstaltungen. Im Anschluss steht dann die Ausarbeitung des interkommunalen Kulturentwicklungsplanes an. Der Zeitplan und alle weiteren Informationen können abgerufen werden unter: www.kulturverbunden.net

Gibt es andere Städte, die einen ähnlichen Prozess angestoßen haben oder vielleicht sogar schon hinter sich haben? Haben Sie dorthin Kontakt?

Dorner: Neben verschiedenen Städten in Deutschland gibt es auch in NRW Städte, die einen ähnlichen Prozess bereits durchgeführt haben. Zu nennen sind hier zum Beispiel die Städte Kierspe, Halver, Meinerzhagen und Schalksmühle, die sich zu der Region „Oben an der Volme“ zusammengetan und einen gemeinsamen Kulturentwicklungsplan erarbeitet haben. Mit diesen habe ich mich bereits ausgetauscht. Auch stehe ich in Kontakt zu anderen Städten, die Kulturentwicklungspläne durchgeführt haben oder durchführen und auch zum Landschaftsverband Westfalen-Lippe, der verschiedene Kulturentwicklungsprozesse mit betreut hat. Diese Kontakte sind für meine Arbeit sehr hilfreich; von den Erfahrungen der anderen Städte kann ich profitieren.

Sie haben inzwischen die beiden Kulturlandschaften noch besser kennengelernt. Wie würden Sie beide charakterisieren?

Dorner: Beide Kulturlandschaften sind sehr vielfältig, was schon alleine durch die gefüllten und bunten Veranstaltungskalender der Städte sichtbar wird. Natürlich gibt es aufgrund der Größe der Städte Unterschiede: Während es in Wermelskirchen mehr Veranstaltende mit einer eigenen Spielstätte gibt, sind es in Burscheid häufiger Veranstaltungen, die in vereinseigenen oder angemieteten Räumen oder im öffentlichen Raum stattfinden.

Wo sind bereits jetzt Gemeinsamkeiten und mögliche Synergien erkennbar, wo sind beide Städte noch weit auseinander?

Dorner: Ich glaube, dass es normal ist, dass Städte verschiedene Kulturlandschaften aufweisen. Das ist schon alleine durch die Größe und andere Gegebenheiten bedingt, weshalb ein Vergleich der Kulturlandschaften schwierig ist. Synergien sind auf jeden Fall hinsichtlich der ehrenamtlichen Tätigkeiten erkennbar. Aber auch im Bereich der kulturellen Bildung sehe ich viel Potenzial, bestehende Strukturen zu nutzen und verschiedene Akteurinnen und Akteure sinnvoll miteinander zu vernetzen. In beiden Städten gibt es eine breite musikalische Landschaft. Auch in diesem Bereich ist es meiner Meinung nach sinnvoll, Synergien zu nutzen.

Kennen sich die Kulturschaffenden beider Städte, sprechen sie miteinander? Oder hat man bislang eher nebeneinander her gearbeitet? Wie ist Ihr Eindruck?

Dorner: Mein Eindruck ist, dass es vereinzelt bereits Kontakte zwischen den Kulturschaffenden beider Städte gibt. Es wurde sich bereits ausgetauscht und auch gegenseitig besucht; erschwert wurde der Austausch allerdings durch die Pandemie. Der Austausch könnte sicherlich noch intensiver und zielführender erfolgen. Auch dafür halte ich den interkommunalen Kulturentwicklungsprozess für sinnvoll.

Welche Möglichkeiten hat die Stadt Burscheid, Kulturschaffenden zu helfen?

Dorner: Die Stadt Burscheid unterstützt im Rahmen ihrer personellen und finanziellen Möglichkeiten die Kulturschaffenden durch Hilfestellungen bei der Durchführung von Veranstaltungen im öffentlichen Raum. Zudem informiert sie über bestehende Fördermöglichkeiten. Bei Fragen können sich die Kulturschaffenden an die Mitarbeitenden der Verwaltung wenden. Die Stadt schafft darüber hinaus Verbindungen zwischen den verschiedenen Akteurinnen und Akteuren und ermöglicht mit dem digitalen Veranstaltungskalender auf ihrer Webseite eine Transparenz in der Kultur- und Veranstaltungslandschaft. Dieser ist auch Grundlage für das halbjährlich erscheinende Kultur-Kaleidoskop.

Im ersten gemeinsamen Kulturausschuss beider Städte haben Sie gesagt, Sie hätten einen weiteren Kulturbegriff. Was haben Sie damit gemeint und was bedeutet Kultur Ihnen persönlich?

Dorner: An dieser Stelle muss ich etwas wissenschaftlich werden, da mein Verständnis des Kulturbegriffs auf meinem Hintergrund als Kulturanthropologin beruht. Mit einem weiteren, bzw. mit dem erweiterten Kulturbegriff, meine ich – im Gegensatz zum engen Kulturbegriff – nicht nur die Hochkultur, sondern auch die alltagskulturelle Lebenswelt der Menschen. Zudem vertrete ich einen offenen Kulturbegriff. Das heißt, dass Kultur als etwas Prozesshaftes betrachtet wird, nicht starr und nicht an Grenzen gebunden ist. Jedoch muss zwischen Kunst und Kultur unterschieden werden: Kunst ist immer Kultur, aber Kultur nicht immer Kunst. Hier kann als Beispiel ein Industriemuseum genannt werden, das seinen Fokus auf die Industriegeschichte richtet. Es ist Teil unserer Kultur, aber es stellt keinen künstlerischen Anspruch dar. Für mich persönlich schafft Kultur Möglichkeiten der Identifikation, des Austausches, aber auch des Lernens.

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