Im Gespräch

Jasmin Dorner: „Kultur ist auch ein Ort der politischen Bildung“

Jasmin Dorner ist Kulturmanagerin von Burscheid und Wermelskirchen. Archivfoto: Nadja Lehmann
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Jasmin Dorner ist Kulturmanagerin von Burscheid und Wermelskirchen.

Interview mit Jasmin Dorner, Kulturmanagerin für Burscheid und Wermelskirchen.

Von Stephan Eppinger

Sie sind seit Juni als Kulturmanagerin für Burscheid und Wermelskirchen im Einsatz – wie fällt Ihre erste Zwischenbilanz aus?

Jasmin Dorner: Die letzten sieben Monate waren für mich sehr spannend. Ich konnte die vielfältige Kulturszene in Burscheid und Wermelskirchen kennenlernen, viele Akteure und Akteurinnen persönlich und auch direkt bei Kulturveranstaltungen treffen. Gleichzeitig hatte ich die Gelegenheit bei dem Kultursommer in beiden Städten mitzuwirken und so einen guten Einblick in die Kulturarbeit der Städte zu erhalten. Zudem konnte ich die ersten Grundlagen für den geplanten interkommunalen Kulturentwicklungsplan erarbeiten. Und ich freue mich schon darauf, diesen Prozess im neuen Jahr weiter voranzutreiben.

Was hat Sie an der Burscheider Kulturszene besonders beeindruckt, wo gibt es noch offene Baustellen bzw. Potenzial zur Optimierung?

Dorner: Beeindruckt hat mich vor allem das Engagement der Kulturschaffenden in beiden Städten. Dieses ist geprägt durch viel ehrenamtliche Arbeit und einen großen Ideenreichtum. Die bereits erwähnte Vielfältigkeit ist nur durch dieses Engagement möglich. Potenzial zur Optimierung sehe ich bei der Vernetzung zwischen den Kulturschaffenden und dem Bereich der kulturellen Bildung. Hier können noch mehr Netzwerke geschaffen werden. Durch gemeinsame Projekte können beide Seiten profitieren. Zudem sehe ich einen größeren Austausch zwischen den Kulturschaffenden aus Burscheid und Wermelskirchen als einen optimierenden Baustein für die regionale Kulturlandschaft.

Wir sind aktuell mitten in der vierten Corona-Welle und auch die neue Virusvariante bereitet Sorgen. Wie sind in dieser Situation die Aussichten für die Burscheider Kultur im Jahr 2022?

Dorner: Leider ist der weitere Verlauf der Pandemie nicht vorherzusagen. Nichtsdestotrotz haben alle Kulturschaffenden sorgfältig Hygienekonzepte erarbeitet, welche das Durchführen von Veranstaltungen ermöglicht. Gleichzeitig gibt es verschiedene Förderprogramme des Landes und auch des Bundes, die Akteurinnen und Akteure bei ihrer Arbeit unterstützen. Leider sind diese teilweise nicht für alle Kulturschaffenden von Vorteil, da sie zum Beispiel, aufgrund einer Bagatellgrenze, nicht für kleine Kulturveranstalter greifen. Ich hoffe hier auf eine entsprechende Anpassung der Programme. Ich bin aber im Großen und Ganzen zuversichtlich, dass die Veranstaltungen im kommenden Jahr stattfinden können.

Welche kulturellen Höhepunkte können Kulturinteressierte im kommenden Jahr in Burscheid erwarten?

Dorner: Das Veranstaltungsprogramm in Burscheid wird 2022 wieder sehr bunt. Die Musicalische Academie zu Burscheid wird am 30. Januar das aus 2021 verschobene Klavierkonzert (Ludwig van Beethoven, Klavierkonzert Nr. 4 G-Dur Op. 58) mit dem Solisten Boris Radulovic nachholen. Dabei wird der generalüberholte Steinway-Flügel zum Einsatz kommen und der neue Dirigent Nicolai Dembowski wird sich dem Publikum vorstellen. Darüber hinaus wird es auch wieder von der evangelischen Kirche musikalische Highlights geben. Auch der Orchesterverein Hilgen wird 2022 sein Serenadenkonzert durchführen. Zudem wird nach langer Zeit der ein oder andere Chor wieder sein Können unter Beweis stellen. Der Verein Bergisch Live wird mit dem Altstadtfest und dem Fest Internationales Burscheid für ein buntes Programm in der Innenstadt sorgen. Auch der Kulturverein wird im Badehaus ein vielfältiges Programm bieten – von Ausstellungen über Konzerte bis hin zu zwei besonderen Theateraufführungen. Zudem lädt die Lambertsmühle mit der Musikschule zu einem musikalischen Backfest ein. Das Kulturbüro der Stadt bietet auch 2022 im Rahmen der Kinder-Kultur-Reihe ein schönes Programm für Familien mit Kindern an.

Wie läuft das Zusammenspiel zwischen privaten Akteuren und der Stadt?

Dorner: Das Zusammenspiel zwischen den privaten Akteurinnen und Akteuren und der Stadt läuft sehr gut. Zweimal jährlich treffen sich die Kulturschaffenden zum Kulturtisch, zu welchem seit über zehn Jahren das Kulturbüro der Stadt in enger Zusammenarbeit mit dem Kulturverein einlädt. So haben wir einen guten Einblick in die Belange der Kulturschaffenden. Zudem ermöglicht die Stadt mit dem digitalen Veranstaltungskalender auf Ihrer Webseite eine Koordinierung der Veranstaltungen und hat ein Auge darauf, dass sich Veranstaltungstermine möglichst nicht überschneiden.

„Kultur lässt sich in vielen verschiedenen Ebenen denken.“

Jasmin Dorner, Kulturmanagerin

Wie kann die Stadt Kulturschaffende und Veranstalter im Kulturbereich unterstützen?

Dorner: Die Stadt steht den Kulturschaffenden beratend zur Seite. Zum Beispiel in Bezug auf Fördermöglichkeiten oder auf die Beantragung von notwendigen Genehmigungen. Die Stadt ist immer auch Ansprechpartnerin und Vermittlerin und unterstützt verschiedene Projekte, wie zum Beispiel das Serenadenkonzert, das Altstadtfest, Kunst im Schaufenster, Kunst im Rathaus oder den Beethoventag.

Welche Aufgabe haben Sie hier als Kulturmanagerin?

Dorner: Meine Hauptaufgabe ist die Erstellung eines interkommunalen Kulturentwicklungsplans. Diesen werde ich als ergebnisoffenen Beteiligungsprozess anlegen. Begleitend berate ich auf Wunsch die Kulturschaffenden in Förderangelegenheiten und versuche, Anregungen zu geben, aber auch Kontakte für gemeinsame Projekte herzustellen.

Wie herausfordernd ist es, Kulturmanagerin für zwei Städte in der Region zu sein?

Dorner: Die größte Herausforderung für mich war es, da ich selbst nicht aus der Region komme, mir einen Überblick über die Kulturlandschaft der beiden Städte zu verschaffen. Ich entdecke noch regelmäßig etwas Neues. Die Herausforderung bezüglich der beiden Städte liegt vor allem darin, nachzuvollziehen, welche interkommunalen Strukturen und Netzwerke bereits bestehen, da diese nicht immer offensichtlich sind. Der Kultursommer 2021 in beiden Städten hat mir zum Beispiel gute Gelegenheit zum besseren Kennenlernen geboten.

Wie sieht derzeit Ihr Berufsalltag aus?

Dorner: Mein derzeitiger Berufsalltag ist sehr abwechslungsreich. Zum einen lerne ich die kommunalen Verwaltungsstrukturen kennen, zum anderen treffe ich mich mit den verschiedenen Kulturakteur:innen. Zugleich bin ich auch im Austausch mit Vertretern anderer Kommunen, die ein ähnliches Verfahren verfolgen oder verfolgt haben. Gleichzeitig halte ich mich durch die Teilnahme an Informationsveranstaltungen oder Netzwerktreffen auch immer auf dem aktuellsten Stand bezüglich der Kulturentwicklung und der Kulturförderung.

Gibt es Synergien für Burscheid und Wermelskirchen?

Dorner: Synergieeffekte lassen sich auf jeden Fall durch das große ehrenamtliche Engagement in beiden Städten erreichen. Dieses ist eine große Chance für Netzwerkarbeit, Austausch und gemeinsame Projekte.

Wie wichtig ist Kultur als Liveerlebnis in Krisenzeiten?

Dorner: Kultur lässt sich in vielen verschiedenen Ebenen denken. Sie ist nicht nur ein Freizeitvertreib. Sie ist auch Ort der kulturellen und politischen Bildung und lässt uns ein Gemeinschaftsgefühl erleben. Kultur spiegelt die Wertvorstellungen und erlernten Verhaltensweisen einer Gesellschaft wieder. Die Kunst als Teilbereich kann diese Vorstellungen und Normen hinterfragen. Sie regt zum Nachdenken und zum Reflektieren an. Deshalb spielen gerade in Krisenzeiten Kulturveranstaltungen als Live-Erlebnis eine Rolle, da diese verschiedenen Ebenen helfen, eine Krise zu überstehen.

Wie sieht es mit dem Nachwuchs in der Kulturszene und dessen Förderung in Burscheid aus?

Dorner: Nicht nur in Burscheid hat die Vereinswelt ein Nachwuchsproblem. Dieses gibt es auch im Kulturbereich. Deshalb ist mir die Vernetzung zwischen den Kulturschaffenden und dem Bereich der kulturellen Bildung wichtig: Diese schafft Anreize, sich weiter in und mit diesem Bereich aktiv zu beschäftigen und betätigen.

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