Plastiken

Künstler forscht nach dem Sinn des Seins

„Vorsicht Kunst Heilt Seele“ steht im Atelier in Löh auf den Hängekarten hinter Heinz-Peter Knoop. Es könnte Leitmotiv seines Schaffens sein. Fotos: Nadja Lehmann
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„Vorsicht Kunst Heilt Seele“ steht im Atelier in Löh auf den Hängekarten hinter Heinz-Peter Knoop. Es könnte Leitmotiv seines Schaffens sein.
  • VonNadja Lehmann
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Wenn Covid-19 nicht wäre, würde Bildhauer Heinz-Peter Knoop jetzt im Kulturbadehaus ausstellen.

Burscheid. Heinz-Peter Knoop ist ein Suchender. Einer, der mehr wissen will, der nach dem Sinn des Lebens fragt und ihn auch einfordert. Einer, der zwar gut in der Einsamkeit des Ateliers allein sein kann. Einer aber auch, der nicht nur im skulpturalen Themenkomplex nach dem „Gegenüber“ fragt, sondern es im Austausch auch braucht. Viele seiner Plastiken spiegeln das wider: Die Mutter, die ihr Kind im Arm hält. Zwei weiche Formen, in denen die beiden Menschen in äußerste Abstraktion aufgelöst sind und dennoch Innigkeit und Nähe spürbar und erfahrbar sind. Ebenso wie bei der Skulptur, in der sich stachelartige Spitzen begegnen – und im letzten Moment doch demütig voreinander das Haupt senken. Im ersten Entwurf hätten sie sich noch hocherhoben gegenübergestanden, erzählt Knoop. „Das erschien mir aber zu aggressiv.“ Harmonie sei ihm wichtig, bekennt der Künstler.

Wer Heinz-Peter Knoop in seinem Refugium in Löh besucht, der spürt die innere Ruhe und Balance, die der 73-Jährige ausstrahlt. Ein Gleichgewicht und In-Sich-Ruhen, das auch seine Werke auszeichnet. Friedlich wirken sie, abgerundet im wahrsten Sinne des Wortes, der Natur abgeschaut. „Man könnte sie nach draußen stellen, und sie wären kein Fremdkörper“, findet der Künstler selbst. Für ihn, der aus der Natur schöpft und „im Wald“ aufgewachsen ist, ein Qualitätssiegel. Aggressive Kanten und aufplatzende Schnittstellen kann Knoop zwar auch, aber die runde harmonische Linie dominiert. Es sind Werke, die den Betrachter einladen, sich zu nähern und die zur Berührung verführen: Unter den Fingern fühlt sich das mattierte Lindenholz seidenweich, die geschwungene Kurve zart an.

Es sind Betrachtungen und haptische Erfahrungen, die sich derzeit auf Knoops Atelier beschränken. Eigentlich hätte er jetzt im Kulturbadehaus ausstellen sollen. Covid-19 durchkreuzte alle Pläne. Aber nicht die Kreativität. Auf der Werkbank liegt schon der erste Entwurf für den Sinneswald Leichlingen, Stichwort „Würde“. Im Modell biegen sich zwei Bäume zueinander hin, auch sie suchend nach einem Gegenüber und Harmonie.

Knoops Plastiken bestehen aus organischen Formen und strahlen etwas Friedliches aus.

„Zuerst kommt mir bei mir aber immer der Text“, sagt Heinz-Peter Knoop. Ein paar Zeilen, die seinen inneren Antrieb markieren, die das Fundament schaffen für Skizze und später die Skulptur. „Dabei war ich in Deutsch nie besonders gut“, wundert sich Knoop mit einem Lächeln selbst ein bisschen.

Den ganz geraden Weg hat der gebürtige Solinger ohnehin nie genommen, wenn er auch die Affinität zu Kunst und der Hände Arbeit früh entdeckte. „Als Kind habe ich einen Anzug für meinen Teddy genäht“, verrät er. Unfall an der Nähmaschine inklusive, als die Nadel im Finger landete: Ein lebenslanger Respekt vor allen Maschinen sei ihm daher geblieben.

Die in Solingen-Meigen gelegene, durchaus fortschrittliche Volksschule ermutigte ihn in seinem Tun, es gab guten Werks- und Kunstunterricht. Knoop entdeckte die Kunstgeschichte, entdeckte vor allem Leonardo da Vinci und Vincent van Gogh, die ihn bis heute begleiten. „Ich arbeite wie Leonardo gern interdisziplinär. Technische Probleme interessieren mich ebenso wie künstlerische. Und van Goghs Darstellung vom Leben und Fließen ist überwältigend. Er hat die Wucht des Lebens eingefangen und gebändigt.“

„Ich kann ein paar Tage lang schludern und nichts tun. Aber dann muss ich wieder ins Atelier.“

Heinz-Peter Knoop

Darum auch habe er bei den Eltern gebettelt und gefleht, erinnert Knoop sich: Besuch der Kunstschule mit 14. „Meine wichtigste Ausbildung“, sagt er rückblickend. Ebenso, wie er im Nachhinein seinen knallharten Ausbildern in der Lehre Respekt zollt: „Die haben mich fit gemacht. Fürs Leben und für die Selbstständigkeit.“ Die Lehre als Graveur war dem Deal mit den Eltern geschuldet: Kunstschule ja, aber nur mit solider Ausbildung.

Den Meister hängte Knoop gleich dran. „Mit dem Titel gab es ein Existenzgründungsdarlehen.“ Denn: Sein eigentliches Ziel hatte er nicht aus den Augen verloren: Künstler zu sein. Bildhauer!

Und doch nahm er noch mal eine weitere Kurve und absolvierte einen Studiengang zum Designer. Im Atelier in Löh sind die Ergebnisse des jahrzehntelangen Schaffens zu sehen: Eine Schere, die sich geschmeidig in die Hand des Friseurs schmiegt. Ein miteinander verzahntes Essbesteck, das sich die argentinischen Gauchos an den Sattel hängen konnten. Messer und Gabel mit organisch geschwungenen Linien. Und: Auszeichnungen überall an den Wänden. „Ich hab´s auch gern gemacht“, sagt der 73-jährige.

Aber das Zentrum, das Herzstück seines Schaffens war immer das Atelier. Es aus Altersgründen irgendwann aufgeben? Das kann sich Knoop nicht vorstellen. Noch immer sprudeln die Ideen ohne Ende. Noch immer ist er ein Suchender, der Spinoza und Leibniz liest und ihnen in seiner Werkreihe „Sunaden“ (eine Kombination aus „Subjekt“ und dem philosophisch geprägten Begriff „Monade“) nahezukommen sucht. „Ich möchte die Seele des Seins finden“, sagt Knoop über sich selbst.

Bei dieser Sinnsuche hilft ihm auch sein Tai Chi, jene Achtsamkeit, in die er sich seit 25 Jahren versenkt. Und das Reisen. Mehrfach war er, auch berufsbedingt, in China. Hat Skandinavien bereist und hätte sich in Norwegen ein Leben in einer der einsamen roten Hütten vorstellen können. Den 70. Geburtstag hat er in Paris gefeiert. „Es ist unendlich wichtig, mit anderen Leuten und Kulturen in Kontakt zu treten.“

Eine Welt, in die er dann schlussendlich auch seine Plastiken entlässt. Und in das Urteil der anderen. „Jeder kann etwas ganz anderes in ihnen sehen. Etwas, das mit meiner Intention gar nichts zu tun hat.“ Eine Freiheit, die Knoop immer wieder aufs Neue begeistert. Und motiviert. „Ich kann ein paar Tage lang schludern und nichts machen. Aber dann muss ich wieder ins Atelier. Es ist ein innerer Drang.“

Hintergrund

Musik: Auch dafür hat Heinz-Peter Knoop ein Faible. Als er zwölf Jahre alt war, bekam er eine Gitarre geschenkt und spielte viele Jahre in einer Band. Weil ihm das geschriebene Wort so wichtig ist, textete er die Lieder dazu selbst.

Entwurf für den Sinneswald Leichlingen: Zuerst kommt der Text, dann die Skizze. Und erst dann ein Modell.

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