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Künstler begibt sich auf Forschungsreise

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Christian „Ordinario“ Benner stellt bis 28. Oktober im Kulturbadehaus aus.
  • VonNadja Lehmann
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Christian „Ordinario“ Benner stellt bis 28. Oktober im Kulturbadehaus aus.

Von Nadja Lehmann

Christian Ordinario Benner hat zwei Seiten. Eine abenteuerlustige, experimentierfreudige Seite zum einen. Eine, die alles wagt und das Risiko nicht scheut. Aber zum anderen gibt es da auch diese klar strukturierte analytische Seite. Jene, mit der er genau erklären kann, warum er etwas so und nicht anders macht. Kaum etwas könnte also besser zu dem 32-Jährigen passen, als der prozesshafte Weg, den er eingeschlagen hat. Ein mutiger und kompromissloser Weg; aber einer, bei dem Benner jeden Schritt exakt definiert und die Kontrolle behält. Und wenn der studierte Architekt Häuser baut, dann sind es ganz andere als gemeinhin üblich. Es sind Häuser im Geiste, Häuser, die man nicht bewohnen kann, und der Name der Ausstellung ist Programm: „Schattenhaus“. Bis zum 28. Oktober zeigt Christian Benner seine Arbeiten. Eröffnung ist heute Abend um 19.30 Uhr im Kulturbadehaus, Gastgeber ist der Kulturverein.

Zeichnungen bilden den Auftakt seiner Ausstellung

„Den Zugang bekomme ich über die Zeichnung“, sagt Benner. Als solcher versteht er sich selbst; die von 2009 bis 2011 absolvierte Ausbildung bildet das Fundament des gebürtigen Kölners. Seine Zeichnungen bilden denn auch den Auftakt seiner Ausstellung, die alle drei Phasen seiner künstlerischen Annäherung dokumentiert. „Ich habe schon als Kind Comics gezeichnet. Dann wurden die Zeichnungen immer abstrakter“, sagt Benner und blickt auf die rechte Wand des Kulturbadehauses, an der die streng schwarz-weiß gehaltenen Tusche-Tinte-Zeichnungen hängen. Ganz freie Formen hat er in ihnen festgehalten und sich dabei von der philippinischen Heimat seiner Mutter inspirieren lassen, von Bootsformen und Hühnerköpfen. „Da isst man schon seltsame Sachen“, verrät er und lacht.

Das freie Assoziieren führt zu Phase 2 und eine Wandfläche weiter. Auf einem kleinen Podest stehen sechs weiße aus Kunstharz gegossene Skulpturen wie in die Dreidimensionalität hinüber gewachsene Zeichnungen. Es sind Formen, in denen jeder Betrachter etwas anderes erkennen mag. Makellos glatt sind sie, wirken wie kleine technische Apparaturen, deren Aufgabe unklar bleibt. „Ich mag die Architektur, die keinen Zweck verfolgt, die sich allein durch ihr Sein legitimiert“, sagt Christian Benner. Und so träumt der Architekt, der in Berlin studiert hat, folgerichtig auch nicht davon, ein Haus zu bauen. Sondern Formen. Das handwerkliche Können, das ihm seine Ausbildung vermittelt hat, nimmt er dabei mit: das Wissen um die Maserung eines Holzes, das Bauen von Modellen, die Verwendung verschiedener Materialien.

Die kleinen Kunstharz–Figuren leiten hinüber zu Phase 3. Dort, auf der linken Seite des Kulturbadehauses, hängen die Schattenbilder. Mittels Lichtpausverfahren belichtet Benner mit einer 600 Watt starken Lampe seine zuvor geschaffenen Formen, die nun in der Blaupause auf ganz neue Weise sichtbar werden: in aquarellhafter verwischter Weichheit.

„Mir wurde im Studium irgendwann klar, dass ich da gar nicht hinwollte. Dass ich kein klassischer Architekt bin. Ich brauche nicht das Haus, in dem die Treppe drinsteht. Immer wenn ich an Architektur dachte, kam ein Haus raus, das es schon gab. Stattdessen werde ich immer bildhauerscher“, sagt Benner über sich selbst.

Die Zeichnung bildet jedoch seinen Ursprung. „Da fühle ich mich am sichersten. Aber von dort bewege ich mich auch gerne auch wieder weg“, sagt Christian Benner. Dieses Sich-Wegbewegen nennt der 32-Jährige seine Suche und Reise: „Ich wollte offen bleiben.“ Und auch wenn er sein Glück nicht „im Ausbau eines Dachgeschosses“ finde, bereut er sein Architekturstudium nicht: „Ich hätte das alles nicht herausgefunden, wenn ich nicht Architektur studiert hätte.“ Wichtige Impulse verdanke er auch seinem Lehrer an der Düsseldorfer Kunstakademie, Karl-Heinz Petzinka; dort macht er seinen Master in der Baukunstklasse.

Er liebt es, wenn sich Betrachter seiner Werke viel Zeit nehmen

„Kunst hat viel mit Glück zu tun.“Christian Ordinario Benner

Überhaupt: „Kunst hat viel mit Glück zu tun“, sagt er. Glück insofern, in welchem Umfeld man sich bewege, welchen Leuten man begegne, welche Impulse man erhalte. Festlegen will er sich dabei nicht und sich nicht einengen lassen: „Ich schaue, welche Möglichkeiten kommen.“ Glück bedeutet es ihm auch, wenn sich die Betrachter seiner Arbeiten Zeit nehmen, sich einlassen, sich versenken. Den Weg verfolgen, den Christian Ordinario Benner selbst genommen hat. Das „Ordinario“ ist übrigens kein Künstlername, sondern der Familienname seiner Mutter. Eine Reminiszenz an die zwei Seiten des Christian Benner: die abenteuerlustige und die analytische, die Kölner und die philippinische Seite.

Inmitten des Kulturbadehauses schwingt eine Skulptur aus Birkenholz, leicht und frei wie ein Vogel. Sie lädt ein zu Ruhe und Betrachtung, aber auch dazu, sich mitzubewegen und innerlich auf Reisen zu gehen. Wie der Künstler selbst.

Christian Benner steht vor seinen Zeichnungen (oben), in der Mitte schwingt sein Readymade aus Birkenholz (unten rechts). Alles mündet in die Blaupausen-Schattenbilder.

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