Krankenpflegekräfte fordern bessere Bezahlung

Jana Schmidt und Kndim Osmani lieben ihren Job – eigentlich. Die beiden Krankenpfleger am Städtischen Klinikum appellieren an die Politik, die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern und ihre Arbeit fairer zu entlohnen. Foto: Christian Beier
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Jana Schmidt und Kndim Osmani lieben ihren Job – eigentlich. Die beiden Krankenpfleger am Städtischen Klinikum appellieren an die Politik, die Arbeitsbedingungen in der Pflege zu verbessern und ihre Arbeit fairer zu entlohnen. Foto: Christian Beier

Zwei Beschäftigte des Klinikums in Solingen berichten von ihrem Alltag während der Corona-Krise

Von Kristin Dowe

In den vergangenen Wochen und Monaten haben Jana Schmidt (25) und Kndim Osmani (31) viele warme Worte gehört. Die beiden sind Gesundheits- und Krankenpfleger auf der Intensivstation des Städtischen Klinikums in Solingen. In der Corona-Krise haben andere ihnen immer wieder anerkennend für ihren Einsatz auf die Schulter geklopft, Politiker bezeichneten ihre Arbeit gar als „systemrelevant“. Jana Schmidt kann sich ein wenig Sarkasmus kaum verkneifen, als sie sich an die Bilder von applaudierenden Menschen auf dem Balkon erinnert: „Das war halt nett. Allerdings haben wir auch vorher schon gearbeitet.“

„Wir sind die Nummer gegen Kummer.“

Jana Schmidt, Krankenpflegerin

Denn über Wertschätzung hinaus wünschen sich die beiden vor allem eine aus ihrer Sicht fairere Entlohnung ihrer Arbeit. „Ich finde es von der Politik eine Frechheit, dass wir keinen Bonus für unsere Leistungen während der Krise erhalten haben, obwohl wir ständig Kontakt mit den Erkrankten haben. In Alteneinrichtungen gab es dagegen eine Prämie. Das finde ich ungerecht“, ärgert sich Kndim Osmani.

Zwar hat Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) inzwischen Pläne vorgestellt, dass auch Krankenpflegekräfte eine Bonuszahlung erhalten sollen, doch sollen nach einem Vorschlag der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) und dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) höchstens 100 000 Beschäftigte davon profitieren. Kritik an dem Konzept äußert die Gewerkschaft Verdi: „Zwar begrüßen wir, dass Krankenpflegekräfte nun nicht ganz leer ausgehen sollen, aber wir halten es für falsch, dass andere Berufsgruppen wie etwa Reinigungskräfte während der Corona-Krise gar nicht bedacht werden“, sagt Gewerkschaftssekretärin Ina Oberländer.

Unmut darüber regt sich auch bei Jana Schmidt, denn die ohnehin bereits starke Arbeitsbelastung in der Krankenpflege sei durch die Pandemie weiter gestiegen: „Wenn ich an die Zeit des Lockdowns zurückdenke, waren wir nicht nur Krankenpfleger, sondern auch Seelsorger. Denn die Angehörigen wenden sich mit ihren Problemen, die ich menschlich gut nachvollziehen kann, immer zuerst an uns. Wir sind quasi die Nummer gegen Kummer.“

Auch unabhängig von der Corona-Krise werde ihre Arbeit finanziell nicht genügend anerkannt. „Viele verlassen deshalb die Pflege und machen etwas anderes“, sagt Kndim Osmani. Was er schade fände, denn trotz aller Probleme arbeite er gerne in seinem Job. „Wenn wir im Alltag das umsetzen könnten, was wir gelernt haben, wäre das ein toller Beruf“, so Osmani. Allein die schwierigen Arbeitsbedingungen führten bei den Beschäftigten immer wieder zu Frust. So gebe es Tage, an denen sich eine Pflegekraft um fünf Patienten gleichzeitig kümmern müsse. Abhängig von deren gesundheitlichem Zustand seien manchmal zwei Patienten schon zu viel, ergänzt Jana Schmidt. Um so wichtiger sei eine Erhöhung des Personalschlüssels. Zudem nähmen bürokratische Pflichten viel Zeit in Anspruch, da jeder Arbeitsschritt dokumentiert werden müsse.

Manchmal sei es frustrierend, Patienten aufgrund der strukturellen Bedingungen nicht ausreichend gerecht werden zu können, sagt Jana Schmidt. „Manchmal nehme ich mir fest vor, einer Patientin die Haare zu waschen und freue mich dann richtig darauf. Denn als Frau weiß ich, wie unwohl man sich fühlt, wenn man solche ganz normalen Pflegerituale nicht mehr machen kann. Oft passt so etwas aber trotzdem nicht in meinen Zeitplan. Das finde ich dann richtig schlimm.“ Belastend sei auch immer wieder, wenn ein Patient plötzlich verstirbt. „So etwas nehme ich schon mit nach Hause“, gibt Jana Schmidt zu.

Auch wünschen sich beide eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die gerade für Beschäftigte im Schichtdienst oft eine Herausforderung sei. Schmidt: „Es wäre zum Beispiel super, wenn es einen Betriebskindergarten gäbe, so dass Angestellte mit Kindern sich um die Betreuung keine Sorgen machen müssen.“ Kndim Osmani fügt süffisant hinzu: „Die Politiker sollten einfach mal ein Praktikum bei uns machen!“

Prämie

Laut Plänen der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) und dem Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen (GKV) sollen bald auch Krankenpflegekräfte in Kliniken bis zu 1000 Euro Prämien erhalten, die von Corona besonders betroffen sind. Die Länder können die Prämie aufstocken.

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