Umbau

Kramerhaus: Architekt stellt Bauantrag

Die Stadt hat das Kramerhaus 2020 gekauft.
+
Die Stadt hat das Kramerhaus 2020 gekauft.
  • VonNadja Lehmann
    schließen

Umbau bis Ende 2023 geplant – Tri-Café und erweiterte Stadtbücherei ziehen ein.

Burscheid. Schon aus Neugier sieht Michael Corts immer wieder mal am einstigen Kramerhaus vorbei. Denn dort soll irgendwann das Tri-Café einziehen, in dem sich Corts als Vorstandsmitglied engagiert. „Unser Standort hier ist ja nicht so glücklich“, sagt der 67-Jährige mit Blick auf die derzeitige Verankerung des Tri-Cafés in der Bürgermeister-Schmidt-Straße 25. Das Haus liegt zwar durchaus idyllisch, aber eben doch etwas abseits des Innenstadtkerns. „Laufkundschaft haben wir nicht.“ Dabei will das Tri-Café Begegnungsort sein und hat dies auch in seinem Namen aufgenommen. „Der verstorbene Bürgermeister Caplan hat sich immer sehr für uns eingesetzt“, erinnert sich Corts. Als sich die Frage gestellt habe, wer ins Kramerhaus einzieht, „da waren wir wohl die Richtigen.“ Doch derzeit sehe es so aus, als geschehe im Kramerhaus baulich gar nicht so viel: „Jedenfalls wirkt es auf einen Laien so.“

Ein Eindruck, den Bürgermeister Dirk Runge auch gleich geraderückt. „Der Architekt ist dabei, die Baugenehmigung zu beantragen“, berichtet er. „Derzeit sind wir dabei, eine Verschmelzung der Flurstücke des Kramerhauses und der Bücherei zu erwirken. Danach wird der Bauantrag mit einem Brandschutzkonzept durch das Architekturbüro Heinz gestellt. Nach der erteilten Genehmigung wird eine Ausführungsplanung von mindestens acht Monaten eingeplant.“ Nicht vergessen dürfe man dabei allerdings die derzeitige wirtschaftliche Situation, die Änderungen im Zeitplan mit sich bringen könne: „Eine grobe Zeitschiene zum Abschluss der Arbeiten ist, dass wir Ende 2023 mit dem kompletten Umbau fertig sind“, skizziert der Bürgermeister. Bei dem geplanten Umbau habe man sich eng mit den Nutzern abgestimmt. Denn einziehen soll nicht nur das Tri-Café, auch die benachbarte Stadtbücherei wächst gewissermaßen ins Kramerhaus hinüber und vergrößert sich.

Ebenso wie das Tri-Café will sich auch die Stadtbücherei stärker als Begegnungsort etablieren. Als Ort des Dialogs und nicht mehr allein des stillen Schmökerns in einem Buch.

Das Stichwort dazu lautet „Dritter Ort“. Hinter dem „Dritten Ort“ verbirgt sich eine inhaltliche Ausrichtung der Stadtbibliotheken, die nicht nur Burscheids Einrichtung am Marktplatz betrifft, sondern bundesweit eine Rolle spielt. Der „Dritte Ort“ soll sich quasi für die Menschen als selbstverständliche Anlaufstelle neben dem eigenen Zuhause und der Arbeitsstätte verankern. Burscheid stellt dafür in besonderer Weise die Weichen, indem die Stadt das einstige Kramerhaus, das direkt neben der Stadtbücherei liegt, gekauft hat und damit der Stadtbücherei diese neue Rolle ermöglicht.

Der Blick ins Innere des alten Hauses direkt am Marktplatz: Entkernt wurde bereits.

Burscheid wandelt da selbstbewusst auf den Spuren großer skandinavischer Bibliotheken: In Skandinavien wurden die Bibliotheken noch deutlich früher als hierzulande neu interpretiert und dies mit spektakulären Neubauten wie in Oslo und Helsinki auch optisch unterstrichen.

Die inhaltliche Realisierung unterstützt zudem das EU-Förderprogramm Leader. Mit der Erweiterung ins Kramerhaus soll ein multifunktionaler Raum entstehen. Ein Ort für Workshops, Lesungen, Experimente und Lernflächen. Und noch eine weitere Idee fürs Portfolio der Bücherei kam hinzu: der „Raum der 100 Experimente“ – angelehnt an die „Makerspace“-Angebote von Bibliotheken wie in Köln und Wittlich. Beispiele, mit denen sich die Vorsitzende des Fördervereins Stadtbibliothek, Eva Scholand, Büchereileiterin Yulia Farbischewski und Kulturamtsleiterin Renate Bergfelder-Weiss bereits 2020 beschäftigten.

Auch in der finnischen Hauptstadt hat man einen „Makerspace“ umgesetzt, in dem Nähmaschinen stehen, 3D-Drucker und Laser-Cutter, in dem Kurse zur Robotik und im Computer Coding (Programmierung) stattfinden. „Wir wollen Werkzeug und Material zur Verfügung stellen. Einen Raum für Groß und Klein schaffen, um etwas ausprobieren zu können“: So hatte es Yulia Farbischewski Anfang 2021 angekündigt. MINT-Kästen wie Robotik-Bausätze sollen zum Einsatz kommen – wie auch ein 3D-Drucker. „Wir können uns auch vorstellen, eine Overlook-Nähmaschine aufzustellen“, hatte Farbischewski erklärt.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Oktoberfest kehrt nach Burscheid zurück
Oktoberfest kehrt nach Burscheid zurück
Oktoberfest kehrt nach Burscheid zurück
Eric Hausherr: „Da sind kreative Ideen gefragt“
Eric Hausherr: „Da sind kreative Ideen gefragt“
Eric Hausherr: „Da sind kreative Ideen gefragt“
Spurensuche rund um Altenberg
Spurensuche rund um Altenberg
Spurensuche rund um Altenberg
Künstler forscht nach dem Sinn des Seins
Künstler forscht nach dem Sinn des Seins
Künstler forscht nach dem Sinn des Seins

Kommentare