Bürgermeisterwahl

„Kommunale Selbstverwaltung ist das höchste Gut“

„Es ist genug zu tun“, sagt Bürgermeisterkandidat Dirk Runge über die Zukunft Burscheids. Archivfoto: Nadja Lehmann
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„Es ist genug zu tun“, sagt Bürgermeisterkandidat Dirk Runge über die Zukunft Burscheids

Interview mit Bürgermeisterkandidat Dirk Runge, Teil 2.

Das Gespräch führte Nadja Lehmann

Sie haben bei Ihren Besuchen bei SPD, BfB und CDU betont, dass eine solide Finanzpolitik Ihnen wichtig ist. Warum und welche Schwerpunkte haben noch Priorität? Was ist für Burscheids Zukunft wichtig?

Dirk Runge: An oberster Stelle steht für mich eine solide und verantwortungsvolle Finanzpolitik. Wir müssen es schaffen, auch in den nächsten Jahren mit den vorhandenen Mitteln sorgsam und sparsam umzugehen. Es macht überhaupt keinen Sinn, über den eigenen Verhältnissen zu leben beziehungsweise zu wirtschaften. Nur so können wir unsere Eigenständigkeit und Unabhängigkeit bewahren. Die kommunale Selbstverwaltung ist das höchste Gut! Davon abgesehen ist es auch eine Frage der Generationengerechtigkeit! Ich möchte nicht, dass die künftigen Bürgerinnen und Bürger unserer Stadt die Lasten aus der heutigen Zeit zu tragen haben. Im Integrierten Entwicklungs- und Handelskonzept (IEHK) stehen extrem wichtige Entscheidungen und viel Arbeit an. Ich werde sie an dieser Stelle nur stakkatomäßig aufzählen: Entwicklung der Montanusstraße, Haus der Kulturen umbauen, den Luchtenbergpark aufwerten, das Ziegelei-Gelände entwickeln, den Einzelhandelsstandort in Hilgen etablieren.

Teil 1 des Interviews mit Dirk Runge

„Meine Frau und meine Kinder geben mir Kraft, Zuversicht und Mut. Sie stehen an erster Stelle und sind für mich unglaublich wichtig!“

Burscheid muss weiter digitalisiert werden. Im Schulbereich ist das mittlerweile ganz gut gelungen. Aber auch die Verwaltung muss weiter digitalisiert werden, damit noch mehr Dienstleistungen vollständig digital abgewickelt werden können. Punktuell sind schon einige Teilbereiche umgesetzt. Rechnungen werden im Rathaus zum Beispiel nur noch digital abgewickelt, in der Personalwirtschaft findet die Zeiterfassung und die Gehaltsabrechnung nur noch im Netz statt, Grabstellen werden bald digital verwaltet werden, das Ratsinformationssystem hat sich etabliert. Dennoch müssen wir damit beginnen, sämtliche städtische Dokumente zu digitalisieren. Nur dann sind umfängliche und vollständige Onlinedienste möglich.

Die unglaubliche Hochwasserkatastrophe im Sommer hat uns gezeigt, dass auch wir Maßnahmen ergreifen müssen, um den Klimawandel zu unterstützen und voranzutreiben. Hierfür müssen wir bei uns selbst beginnen und unser eigenes Handeln permanent auch an den Klimawirkungen messen und überprüfen. So müssen zum Beispiel Bebauungspläne künftig auch immer klimarelevante Regelungen beinhalten. Daneben gibt es natürlich eine Vielzahl von konkreten Projekten, die umgesetzt oder initiiert werden müssen. Die Schulsportanlage Im Hagen wartet förmlich darauf, modernisiert zu werden. Für die offene Ganztagsschule ist der Rechtsanspruch auf einen Platz bereits normiert. Im Ordnungsamtsbereich will ich schauen, ob es uns gelingt, einen Ordnungsdienst einzuführen. Es ist also genug zu tun!

Sie konnten sich bei den Bürgerinnen und Bürgern nur eingeschränkt bekannt machen. Große Wahlveranstaltungen gab es ja nicht. Ist das etwas, was Sie dann auch nach der Wahl noch fortsetzen werden: sich zeigen? Herr Caplan war ja praktisch überall. . .

Runge: Selbstverständlich werde ich an allen mir möglichen Terminen, Festen, Feiern, Jubiläen und ähnlichen Veranstaltungen teilnehmen. Ich freue mich darauf!

Sie sind gebürtiger Solinger, leben in Köln. Was bedeutet Ihnen Burscheid? Was mögen Sie an der Stadt? Was nicht?

Runge: Burscheid liegt unglaublich reizvoll! Man ist aus dem Grünen heraus sehr schnell in den Metropolen unseres Landes. Die direkte Nähe zu den Großstädten bei dem zugleich schnellen Zugang zur Natur macht Burscheid und Hilgen zu einem attraktiven Standort. Nach Köln brauche ich bei einer guten Verkehrslage nur dreißig Minuten. In Düsseldorf ist man in vierzig Minuten und in Dortmund ist man auch in einer dreiviertel Stunde. Und trotzdem lebt man im Grünen und hat die Natur vor der Haustür. Sehr beeindruckend ist das unglaubliche ehrenamtliche Engagement in unserer Stadt. Das ist sicherlich auch darauf zurückzuführen, dass sich die Vereine und Institutionen in unserer Stadt schon in der Vergangenheit selbst helfen mussten.

Die Stadt kann ja schon seit Jahrzehnten keine Zuschüsse oder Ähnliches leisten. Dies führt dazu, dass sich die Vereine mit einem unglaublichen Engagement und Einsatz selbst helfen mussten und dies auch in vorbildlicher Weise getan haben. Ein weiteres wesentliches Alleinstellungsmerkmal unserer Stadt ist zudem der große Fundus kultureller Angebote, insbesondere musikalischer Art. Das Einzige, was ich an Burscheid nicht mag, ist der fehlende Schienenverkehr. Für mich ist das unglaublich, dass eine Stadt, die nur dreißig Minuten von einer Millionenstadt entfernt liegt, keine Schienenanbindung hat.

Ist es wichtig, über den Tellerrand zu gucken? Zum Beispiel mehr Schnittstellen mit Wermelskirchen zu suchen? Oder anderen Städten?

Runge: Das ist vielleicht das Gute daran, dass ich nicht hier lebe. Zwangsläufig gucke ich auch über den Tellerrand und lerne Dinge vielleicht auch etwas anders zu sehen. Ich bin ein Fan der interkommunalen Zusammenarbeit. Gerade sind wir wieder dabei, im Personalbereich gemeinsam mit Wermelskirchen eine Zusammenarbeit vorzubereiten. Mal sehen, ob es klappt.

Woraus schöpfen Sie Kraft und Mut? Gerade in diesen Zeiten - mit Corona und Krieg in der Ukraine. . .

Runge: Meine Frau und meine Kinder geben mir Kraft, Zuversicht und Mut. Sie stehen an erster Stelle und sind für mich unglaublich wichtig!

Wahl

Am Sonntag wählen die Burscheiderinnen und Burscheider einen neuen Bürgermeister. Bei der Bürgermeisterwahl sind alle Deutschen und Staatsangehörigen der Mitgliedsstaaten der Europäischen Gemeinschaft, die am Wahltag das 16. Lebensjahr vollendet haben und mindestens seit dem 16. Tag vor der Wahl (4. März) in Burscheid mit Hauptwohnsitz gemeldet sind, wahlberechtigt.

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