Kommissarin Bella ermittelt auf vier Pfoten

Diensthundeführer Dirk Grabowsky (56) und seine Malinois-Hündin Bella (3) sind ein eingespieltes Team. Bella gehört dem Land NRW, für den Polizeihauptkommissar ist sie aber ein Familienmitglied. Denn Bella lebt auch bei ihm. Foto: Roland Keusch
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Diensthundeführer Dirk Grabowsky (56) und seine Malinois-Hündin Bella (3) sind ein eingespieltes Team. Bella gehört dem Land NRW, für den Polizeihauptkommissar ist sie aber ein Familienmitglied. Denn Bella lebt auch bei ihm.

Diensthunde der Polizei kommen zum Einsatz, wenn Gewaltpotenzial besteht

Von Melissa Wienzek

Schnell wie ein Kugelblitz springt Bella in den Polizeiwagen. Sie kann ihren nächsten Einsatz kaum erwarten, zittert sogar vor freudiger Anspannung. Und dabei ist sie gerade mal drei Jahre alt. . . Bella ist einer von elf Diensthunden, die die bergische Polizei für das Städtedreieck vorhält. Die Kommissarin auf vier Pfoten kommt immer dann zum Einsatz, wenn Gewaltpotenzial besteht. Zum Beispiel bei Tumulten, bei häuslicher Gewalt, bei Fußballspielen oder Demonstrationen. Dann ist der Malinois voll in seinem Element als Schutzhund, beobachtet die Menschen um ihn herum genau und wartet auf die Anweisungen seines Diensthundeführers. „Manchmal reicht die bloße Anwesenheit des Hundes schon aus, um die Wogen zu glätten“, erklärt Polizeihauptkommissar Dirk Grabowsky (56), Trainer der Diensthundeführerstaffel. Diese ist auf dem Gelände der Bereitschaftspolizei in Wuppertal-Lichtscheid untergebracht und erhält regelmäßig Einsatzanfragen, die zum Teil auch über das Städtedreieck hinausgehen. Denn die Polizei NRW verfügt über circa 300 Diensthunde, die als Schutz- und Spezialhunde dezentral in den 47 Kreispolizeibehörden vorgehalten werden – zum Beispiel in Köln, Bonn, Düsseldorf.

Natürlich gibt es auch unter den Diensthunden Experten: Bellas Kollege ist zum Beispiel ein Personen- und Rauschgiftspürhund. „Bella kann selbst Tatwerkzeuge, Beute oder Gegenstände mit menschlicher Witterung erschnüffeln“, sagt Grabowsky. „Es ist ein toller Job, ich lebe darin und dafür. Wir können gemeinsam unsere Hilfe in die polizeiliche Arbeit einbringen. Aber er erfordert Hingabe und Disziplin.“

Bella ist seine Partnerin auf vier Pfoten. Obwohl der Belgische Schäferhund aus der landeseigenen Zucht der Polizei rein rechtlich Eigentum des Landes NRW ist, ist sie für den Polizeibeamten ein Familienmitglied. Denn Bella begleitet den Hauptkommissar jeden Tag zur Arbeit und fährt danach wieder mit ihm nach Hause. Dieses sei sogar extra auf die Bedürfnisse des Diensthundes abgestimmt worden, erzählt Grabowsky, der bereits seit über 20 Jahren Diensthunde und ihre Führer ausbildet. Zum Beispiel auf einem großen Freigelände, einem Auslauf und einer großen Holzhütte. „Mir ist immer wichtig: Alles für den Hund.“ Was auch das private Umfeld eines Diensthundeführers mittragen muss. Denn Polizist und Hund sind immer zusammen.

„Diensthunde sind Hochleistungssportler.“

Dirk Grabowsky, Hauptkommissar

Bella ist Dirk Grabowskys vierter Diensthund. Er bekam sie, als sie fünf Monate alt war. „Sie führt alles gerne und druckvoll aus und ist vom Leistungsbild her sehr attraktiv“, sagt der Diensthundeführer über seine Partnerin an der Leine. Das Land stattet den Diensthundeführer mit allen wesentlichen Materialien aus und überweist ein monatliches Futtergeld. „Im Grunde ist der Diensthund wie ein Haus- und Hofhund zu führen, aber mit mehr professioneller Aufsicht. Sie müssen überall Augen haben.“ Ein Malinois der Polizei könne nicht unbeobachtet im Urlaub frei am Strand laufen. Spaziergänge im Wald macht Grabowsky dann, wenn sonst kaum jemand unterwegs ist. Denn hier ist auch immer Training angesagt, und Bella muss sich dabei gut konzentrieren können. „Es braucht nur einen Fingerschnipp, dann ist Bella schon da. Es muss gesichert sein, dass der Hund pariert.“ Gerade bei unterschiedlichen Einsatzlagen. Hierbei tragen die Hunde zum Teil Beißkörbe aus Leder. Meist könne das polizeiliche Ziel aber ohne aktiven Einsatz erreicht werden.

Hunde wie Bella brauche die Polizei. „Der Wechseldienst ist für Mensch und Tier belastend, daher braucht man einen hochmotivierten und lernfreudigen Hund, der dieses Leben mitträgt“, erklärt der Polizeihauptkommissar. Bella tut das. „Sie muss aber trainiert und beschäftigt werden. Diensthunde sind Hochleistungssportler.“ Wer Höchstleistung bringt, muss sich natürlich auch ausruhen. Dafür hat die Staffel draußen große Hundezwinger, in denen die Belgischen Schäferhunde pausieren können, wenn sie gerade nicht im Einsatz sind oder trainieren.

Denn tägliches Training ist Pflicht bei den Polizisten auf vier Pfoten. Spielerisch werden die Übungen aufkonditioniert, der Trainer setzt dabei den Klicker ein. Auf ein „Platz!“ und den ausgeführten Befehl folgt ein Klick, und Dirk Grabowsky löst die Situation auf. Bella weiß, dass sie richtig gehandelt hat. Wenn dann noch ihr Ball zum Einsatz kommt, ist die Hündin vollends glücklich. Dann rollt sie sich gern auf den Rücken und kaut genüsslich auf dem Noppenball herum. „Wichtig ist, dass die Hunde grundsätzlich ein neutrales Verhalten zeigen“, erklärt Grabowksy. Jeder Diensthundeführer muss die Lerntheorien beachten, damit es im Team mit dem Hund funktioniert. „Die Einsätze sind dann unser Erfolg aus dem Training“, sagt Grabowksy. Sollte dabei einmal etwas Kritisches auffallen – die Polizei macht sich hierbei auch mediale Technik zunutze –, werde das Problem sofort bearbeitet.

Die Gesundheit der Tiere stehe an erster Stelle, betont der Trainer. Alle Hunde würden engmaschig durch Tierärzte kontrolliert. Wer fit ist, kann bis zu zehn Jahre im Dienst bleiben. „Zeigt der Hund auch nur die kleinsten Anzeichen, dass es ihm nicht gut geht, wird er aus dem aktiven Dienst bis zur Genesung rausgenommen.“ Die Senioren dürfen dann bei ihren Führern bleiben. Schließlich sind sie jahrelang zu einer Einheit zusammengewachsen.

Video: rga.de

Ausbildung

Die Diensthunde der Polizei stammen größtenteils aus der landeseigenen Zucht. Es werden Belgische Schäferhunde/Malinois eingesetzt. Das Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei NRW ist für die Aus- und Fortbildung der Diensthunde und -führer zuständig. Dort werden jährlich etwa 60 bis 75 Hunde und Führer ausgebildet.

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