Umweltausschuss

Klimacheck muss weiter entwickelt werden

Die Stadthäuser Montanusstraße (hier in der Bauphase) haben zu wenig Grün, kritisiert Manfred Lindenau vom BUND.
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Die Stadthäuser Montanusstraße (hier in der Bauphase) haben zu wenig Grün, kritisiert Manfred Lindenau vom BUND.
  • VonNadja Lehmann
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Im Umweltausschuss ging es um die Vereinbarkeit von Bauvorhaben und innerstädtischem Grün – Kritik vom BUND.

Burscheid. Manfred Lindenau hat sich die neuen Burscheider Bauprojekte genau angesehen. Viel zu wenig Grün weisen sie in seinen Augen auf. Als Vertreter des Bund für Umwelt und Naturschutz ist Lindenau deshalb am Dienstagabend in den Umweltausschuss zur Einwohnerfragestunde gekommen, um ein Umdenken anzumahnen. Als Negativbeispiele nennt er Benninghausen Nord, Am Bornheimer Bach und insbesondere die beiden neuen Stadthäuser an der Montanusstraße.

„Es wäre möglich, dort zu begrünen“, sagt er. Stattdessen seien auf einem Grundstück Stellflächen angelegt, die keinerlei Grün aufwiesen: „Am Rathausparkplatz wurde das früher doch sehr gut gelöst. Dort stehen Bäume.“ Auch auf der zweiten Fläche sei die Pflanzung von heimischen Gehölzen wie Hartriegel oder Ilex gut umsetzbar. „Es hat wohl bloß keiner dran gedacht“, bedauert Lindenau und wendet sich an die Stadtverwaltung, die er gleichzeitig lobt und tadelt: „Es gibt hier viele schöne Worte und viel Wissen. Es handelt sich also um kein Wissens-, sondern um ein Handlungsdefizit.“

Gleichwohl will Lindenau die Hoffnung nicht aufgeben: Schließlich will die Stadtverwaltung, was im nächsten Tagesordnungspunkt aufgegriffen wird, den sogenannten Klimacheck weiter verfolgen. Dabei klopft die Verwaltung Beschlussvorlagen für Ausschüsse und Stadtrat auf klimatechnische Auswirkungen ab. Im vergangenen Jahr hatte der Umweltausschuss die Verwaltung beauftragt, dazu eine erweiterte Testreihe aufzusetzen, die die Fachbereiche Stadtplanung und Gebäudemanagement betraf. „Das erfüllt mich mit Hoffnung“, sagt Lindenau in der Ausschusssitzung.

Der Beigeordnete Marc Baack greift in seiner Antwort die Montanusstraße auf: Im Bebauungsplan, der dafür zu grob sei, würden keine Baumstandorte festgelegt. Möglichkeiten dafür aber gebe es immer noch: „Das wird dann Sache der Ausbauplanung sein. Und die werden wir hier vorlegen.“ Mit dem Investor, der an der Montanusstraße den Gebäudekomplex aus Vollsortimenter, Drogeriemarkt, Wohnungen und öffentlicher Piazza mit Gastronomie bauen wird, habe man bereits beschlossen, dass es dort Dachbegrünung geben soll.

Marc Baack weist auf Interessenskonflikt hin

Baack weist aber auch auf einen Interessenskonflikt hin. Denn Stadt und Politiker wollen keine Bauten auf grüner Wiese, sondern präferieren eine Verdichtung der Innenstadt. „Grün in der Innenstadt ist wünschenswert, aber die Verdichtung führt zu massiverer Bebauung. Da müssen wir Kompromisse finden.“ Als Beispiel nennt er den Bebauungsplan für Herbergsplatz/Im Winkel: „Den ziehen wir gerade auf links, weil wir ihn stark verändern müssen.“ Was die Stellplätze an den Stadthäusern Montanusstraße betreffe, handle es sich schlicht um einen Bedarf, der gedeckt werden müsse.

Vom Klimacheck in seiner bisherigen Form zeigt sich Baack nur bedingt überzeugt, „nicht durchschlagend“ nennt er den Effekt und betont: „Der Klimagedanke muss frühzeitig im Bauleitplan berücksichtigt werden. Er muss sich durch das ganze Verfahren ziehen.“ Zunächst werden die beiden Ämter 61 und 65 (Stadtplanung und Gebäudemanagement) weiterhin an der Arbeit mit dem ifeu-Tool festhalten, mit dem sie politische Entscheidungen auf klimatische Auswirkungen bewerten.

Gleichwohl zeigte sich in der Testphase, dass das Tool nicht der Weisheit letzter Schluss ist. Sprich: Die Ämter wollen auf sich zugeschnittene facheigene Lösungen entwickeln. „Ich habe Sorge, dass wir einen Papiertiger schaffen“, sagt Falk Wollschlaeger (CDU). Bernhard Cremer (BfB) greift das von Lindenau als problematisch, weil wenig grüne Neubaugebiet Benninghausen auf: „Da haben wir als Ausgleichsmaßnahme Wald gepflanzt, und zwar in nicht unerheblichen Maße. Für den Außenbereich geht das in Ordnung.“ Ebenfalls nicht unzufrieden zeigt sich Klaus Becker. „Wir lernen ja immer noch dazu“, sagt der SPD-Chef. „Aber wir bewegen uns mittlerweile doch deutlich in Richtung Klimaresilienz, haben uns da gewandelt.“

Einstimmig gaben die Politiker grünes Licht für den bisherigen Klimacheck und seine Weiterentwicklung.

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