Sommerkonzert

Kleines Ensemble weiß um seine Stärken

In Sankt Laurentius gab die Musicalische Academie ein hörenswertes Adventskonzert. Die Vorbereitungen für das Pendant im Sommer laufen.
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In Sankt Laurentius gab die Musicalische Academie ein hörenswertes Adventskonzert. Die Vorbereitungen für das Pendant im Sommer laufen.
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Musicalische Academie plant ihr Sommerkonzert im Juni. Geprobt wird künftig im Kulturbadehaus.

Von Nadja Lehmann

Dass sie nichts verlernt haben und der Pandemie keinen Tribut zollen mussten, bewiesen die Mitglieder der Musicalischen Academie bei ihrem Auftritt in der Adventszeit in der Katholischen Kirche Sankt Laurentius. Werke von Tschaikowski, Gustav Holst, Max Reger und Händel sowie mit Solistin Johanna Risse eine Sängerin, deren Sopran strahlend sicher in der Höhe klang, sorgten für ein erfolgreiches Konzert. „Ja, das war schön“, sagt auch Tilmann Werner, der Vorsitzende der Musicalischen Academie, spontan.

Auf seinen Meriten ruht sich das Ensemble indes nicht lange aus. Das nächste Konzert ist bereits avisiert, geplant am 4. Juni. Ein Sommerkonzert, das am Standort der Freikirchlich-Evangelischen Gemeinde an der Weiherstraße stattfinden soll.

„Im Fokus stehen drei Engländer und einer, der lange in England gelebt hat“, sagt Werner ein wenig spitzbübisch. Und bringt es damit auf den Punkt. Denn die Musicalische Academie wird sich Karl Jenkins widmen, Ralph Vaughan Williams, Edward Elgar und Georg Friedrich Händel.

„Mit Karl Jenkins spielen wir ein modernes Stück“, sagt Tilmann Werner. Eines seiner populärsten noch dazu: „Palladio“, benannt nach dem Renaissance-Architekten Andrea Palladio. „Von seinem Baustil und seiner Harmonie hat Jenkins sich inspirieren lassen“, sagt Werner. Der 1944 in Wales geborene Jenkins, der in den Gruppen Soft Machine und Adiemus reüssierte und ihr wichtigster Komponist wurde, hat ein Händchen für Eingängiges: „Palladio“ schrieb er für einen Werbespot des Diamanten-Produzenten De Beers. Die Queen adelte ihn zu „Sir Karl“.

„Es würde uns Auftrieb geben.“

Tilmann Werner über den Namenszusatz „Musikstadt“

„Es ist ein Stück für Streicher, sehr ansprechend“, sagt auch Tilmann Werner. Und durchaus anspruchsvoll. Den Vorschlag dazu machte Nicolai Dembowski, der junge Dirigent des Orchesters. „Er sieht sich federführend bei der Programmgestaltung“, beschreibt Werner das Selbstverständnis des musikalischen Leiters, der 2021 die Nachfolge von Wolfgang Georg antrat. „Es ist eine Gratwanderung“, sagt Werner über die Programmgestaltung. Sie müsse dem Ensemble etwas abverlangen, andererseits dürfe die Latte nicht zu hoch gehängt werden, damit diese nicht gerissen und das Orchester entmutigt werde. „Es ist knifflig, aber bisher haben wir es gut hingekriegt“, findet Werner. Überhaupt habe sich die Zusammenarbeit gut eingespielt.

Ralph Vaughan Williams wird außerdem bei der Musicalischen Academie auf den Pulten stehen, und zwar sein „Lark Ascending“ (Aufsteigende Lerche), ein Stück für Violine solo und kleines Orchester. Möglicherweise engagiere man einen Solisten, möglicherweise übernehme aber auch der Konzertmeister das Solo, kündigt Werner an. Zu hören sein werden außerdem Edward Elgars „Salut d´amour“ (Liebesgruß) und Händels Feuerwerksmusik.

Er müsse mehr organisieren als früher, erzählt Tilmann Werner. Denn das vertraute Haus der Kunst wird bekanntlich umgebaut, steht für Proben und Konzerte nicht mehr zur Verfügung. „Ich muss deshalb über Orte verhandeln, an denen wir auftreten können“, sagt Werner und umreißt diese mit „Schulaulen und Kirchen“. Für die Proben zieht sich das Ensemble ins Kulturbadehaus zurück. „Da passen wir rein“, sagt Werner über das ungefähr 35 Köpfe zählende Orchester. Aber eben nur das. Für Publikum gibt es keinen Platz. Mit der Gemeinde Weiherstraße aber steht man schon in gutem Kontakt. „Ein schöner freundlicher Raum“, urteilt Werner, „mit sehr umgänglichen Hausherren.“ Um die 150 Zuhörer passen hinein. „Mehr kommen zu einem Sommerkonzert meist auch nicht. Bei gutem Wetter ist die Konkurrenz zu groß“, sagt Werner.

Auch die Musicalische Academie setzt auf das „Klein, aber fein“. „Wenn wir in diesem lokalen Rahmen bleiben wollen, sind die 35 eine gute Zahl“, sagt der Vorsitzende. Mit 60, 70 Mitwirkenden müsste man Richtung Bergisch Gladbach oder Leverkusen ausweichen. „Bruckner-Symphonien werden wir nicht aufführen“, sagt Werner mit einem Lachen.

Seines Wertes aber ist das Ensemble bewusst. Und deshalb würde auch Tilmann Werner den zuletzt wieder von der Politik verschobenen Namenszusatz „Musikstadt“ begrüßen. „Wir sind das älteste Laienorchester Deutschlands. Vor dem Rathaus steht eine Musikantengruppe. In Hilgen gibt es ein außerordentlich gutes Sinfonisches Blasorchester“, zählt Werner auf. „Es tut sich musikalisch eine Menge. Uns würde der Name Auftrieb geben – und das Gefühl, dass man auf uns schaut und stolz ist.“

Hintergrund

Historie: Im Jahr 1812 gründete Jacob Salentin von Zuccalmaglio eine Gesellschaft, die „Unterhaltung und Ausbildung in der Tonkunst einzig zum Zweck hat“. Zuccalmaglio war Notar und arbeitete als „maire“ (Bürgermeister) in Schlebusch (heute ein Stadtteil Leverkusens). Er spielte Cello und Geige. Die Mitglieder des Orchesters waren gebildete Bürger, die aus Freude an der Musik musizierten. 1966 gründete die Musicalische Academie eine Streicherschule, aus der 1972 die Musikschule Burscheid hervorging.

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