Kleines Buch erzählt Geschichten aus Blecher

Ulrike Raupach hat die stille Zeit des Winters genutzt und ein Buch über Blecher geschrieben. Fotos: Anja Wollschlaeger, Doro Siewert (Archiv)
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Ulrike Raupach hat die stille Zeit des Winters genutzt und ein Buch über Blecher geschrieben.

Ulrike Raupach trägt auf 78 Seiten zur Geschichte des Ortes bei – Mit dabei ist übrigens auch „Wallraffs Büdchen“

Von Anja Wollschlaeger

Treffen und Termine sind im vergangenen Winter coronabedingt weitgehend ausgefallen. Ulrike Raupach aus Blecher hat die Situation des Abstandhaltens genutzt und ein kleines Buch mit der Geschichte und mit Geschichten aus Blecher zusammengestellt.

Als Einheimische, 1945 in Blecher geboren, hat sie im vergangenen Winter angefangen, die jüngere Geschichte des Ortes festzuhalten. Den Anlass beschreibt sie so: „Es ist Winter und Corona, da könntest du ja mal anfangen, eine kleine Schrift vorzubereiten.“

Herausgekommen ist ein Buch mit 78 Seiten, die zahlreiche Schwarz-Weiß-Fotos zeigen, im DIN-A-5-Format mit dem Titel „Blecher Geschichte und Geschichten.“ Es ist sehr gefragt im Ort, und inzwischen ist die vierte Auflage auch schon fast wieder ausverkauft.

Vorne ziert das Buch eine alte Ansichtskarte und innen werden Themen behandelt wie das Wachstum des Dorfes, die Schulgeschichte, das Vereinsleben und der Einzelhandel auf dem Berg. Fotos zeigen etwa die Langgasse im Jahr 1959. Wo damals links und rechts nur Weiden und Felder waren, stehen heute hinter Hecken Einfamilienhäuser mit längst hochgewachsenen Bäumen.

Ulrike Raupach ist in Blecher aufgewachsen und verwurzelt

Raupach ist im Ort aufgewachsen und verwurzelt – nur sechs Jahre ihrer Kindheit verbrachte sie in Berlin. In diesem Winter trafen sich in Blecher weder der Turn- noch der Karnevalsverein oder andere Gemeinschaften, und so boten sich für die Hobby-Autorin zahlreiche Gelegenheiten zum Gespräch. Beinah jeder war daheim anzutreffen. Am Telefon oder am offenen Fenster nahm sie Kontakt zu Nachbarn und Bekannten auf, und kaum hatte sich herumgesprochen, dass sie alte Fotos sammelte, kamen immer mehr Menschen auf sie zu. Sie sagt heute: „Wir haben so viel bekommen, wir hätten noch viel mehr Seiten füllen können.“

Ihr Mann Jürgen unterstützte sie beim Layout. Er übernahm auch die Abwicklung mit der Druckerei. Ein Nachbar, pensionierter Studienrat, sprang für das Lektorat ein, Uhrmachermeister Breidbach stellte viele alte Fotos von Gebäuden bereit, und viele andere waren hilfsbereit.

Besonders überrascht war Ulrike Raupach über prominenten Besuch. Das kam so: In den 50er Jahren schätzten Kinder in Blecher und Altenberg eine seichte Stelle an der Dhünn in Altenberg als Badestelle. Die lag genau hinter „Wallraffs Büdchen“. Den einfachen Andenkenladen betrieb eine ältere Dame, die die Kinder als „Frau Wallraff“ kannten. Im Ort war sie bekannt.

„Das Foto vom Büdchen hat mir Günter Wallraff persönlich vorbeigebracht, und wir haben noch ein bisschen erzählt.“

Ulrike Raupach

Zu deutlich größerer Bekanntheit brachte es aber ihr Enkel Günter. Als Journalist schlüpft er immer wieder in andere Rollen und berichtet aus der Sicht eines Insiders. Geschichte schrieb er auch, als 1984 das Bundesverfassungsgericht in einem Grundsatzurteil in seinem Sinne entschied.

Ulrike Raupach ist ein bisschen stolz, dass sie ihn nicht lange um ein Foto von ,Wallraffs Büdchen‘ bitten musste: „Das Foto hat mir Günter Wallraff persönlich vorbeigebracht, und wir haben noch ein bisschen erzählt. Als Kind war er viel hier in Blecher.“

Ein anderes Abenteuer erlebte das Ehepaar Raupach auf der Suche nach der historischen Fahne des Gesangvereins. Sie fand sich schließlich auf einem Dachboden der Gemeinde.

Ob es noch einen zweiten Band gibt? Ulrike Raupach ist sich nicht ganz sicher: „Das war ein schönes Projekt“, sagt sie im Gespräch mit unserer Zeitung. Die ersten drei Auflagen sind bereits vergriffen, aktuell wird bereits die vierte verkauft.

Hintergrund

Buch: Blecher: Geschichte und Geschichten, 78 Seiten, schwarz-weiß, Autorin Ulrike Raupach im Selbstverlag.

Verkauf: bei Schreibwaren Rodenbach, Hauptstraße 49, Odenthal-Blecher.

Preis: 6 Euro, davon gehen 3 Euro als Spende an den ehrenamtlichen Verein Arche für Obdachlose in Köln.

Spendenempfänger: Den Verein haben bekannte Persönlichkeiten, darunter Günter Wallraff, am Rosenmontag 2021 gegründet. Durch Spenden soll sich die Situation für Obdachlose nachhaltig verbessern.

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