Burscheid

Kleine Einrichtung soll ihre Stärken bewahren

Altes und neues Team: Rainer Siekmann, Silke Gaube, Elke Thelen-Hammerstein, Matthias Pausch und Thomas Michalzik (von links) auf den Stufen des Eingangsbereichs.
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Altes und neues Team: Rainer Siekmann, Silke Gaube, Elke Thelen-Hammerstein, Matthias Pausch und Thomas Michalzik (von links) auf den Stufen des Eingangsbereichs.

Evangelische Jugendhilfe Bergisch Land übernimmt von der Evangelischen Gemeinde das Kinderheim an der Bismarckstraße.

Von Nadja Lehmann

Das Kinderheim in Burscheid an der Bismarckstraße ist ein kleiner Schatz. Etwas Besonderes, das zu bewahren sich lohnt. Darin sind sich diejenigen, die die Geschicke des Hauses schon lange leiten, mit denen einig, die nun neu dazustoßen. Zum 1. August hat die Evangelische Kirchengemeinde die Einrichtung an einen neuen Träger übergeben, nämlich an die Evangelische Jugendhilfe Bergisch Land (EJBL).

„Es war ein notwendiger Schritt“, sagt Pfarrer Matthias Pausch beim Vor-Ort-Termin. „Es ist nicht mehr möglich, das Haus so zu führen wie vor 28 Jahren.“ Pausch verhehlt nicht, dass dieser Schritt trotz aller Notwendigkeit dennoch schmerzt. „Das Kinderheim ist unser Kind. So haben es auch stets die alteingesessenen Burscheider wahrgenommen: als eine Institution.“ Genau das soll sie auch bleiben, die kleine, aber feine Einrichtung: verankert in der Stadt. Mitsamt ihrem Wir-Gefühl, das Kinder und Mitarbeiter dort vorleben.

Allen voran Leiterin Elke Thelen-Hammerstein. „Wir kennen uns seit 28 Jahren“, sagt Matthias Pausch. Erreichbar sein auch nach Feierabend, unprätentiös zupackend: Die 47-Jährige kennt „ihre“ Kinder, ihr Team und ihr Haus. Das soll auch so bleiben, es sind Stärken, auf die sich EJBL-Geschäftsführerin Silke Gaube bewusst stützen will. „Nicht nur das Haus als kleinstes Kinderheim ist etwas Besonderes, das Team ist es auch“, hebt sie hervor. Vier Vollzeit- und zwei Halbtagskräfte sowie zwei Haushaltshilfen bilden das personelle Rückgrat der schönen alten Villa, in der es Platz für neun Kinder und Jugendliche gibt. Ein Ort, in dem die Mitarbeiter fast alle 20 Jahre und länger dabei sind.

„Die Materie ist so komplex geworden.“

Pfarrer Matthias Pausch

Wem aber vertraut man ein kleines, besonderes Haus an? „Die Kirchengemeinde ist auf uns zugekommen“, erzählt Gaube. Man kannte sich: zum einen durch den Kirchenkreis Leverkusen, der einer der vier Träger der EJBL ist, zum anderen durch Regionalkonferenzen. „Die Materie ist so komplex geworden“, sagt Matthias Pausch. „Früher ging es, jetzt nicht mehr.“ Vieles von dem, was heute Standard sei – wie Begleitung und Coaching der Mitarbeiter - könne die Gemeinde nicht leisten.

Genau das aber bringt nun die EJBL ins Spiel: ihre Expertise, ihr Know-how, ihre größere Organisationsstruktur. So wird Rainer Siekmann, EJBL-Fachbereichsleiter, den Prozess des Zusammenwachsens begleiten. Eine weitere Teamleiterin mit einer halben Stelle wird dem Burscheider Team ebenfalls helfen, „in die Strukturen reinzukommen“, wie Gaube sagt. Wie die ungewohnten Teamleiterkonferenzen, die Thelen-Hammmerstein nun besucht. Ein Backup im Hintergrund, das es früher nicht gab.

„Es ist schwierig für solche kleinen Kinderheime geworden“, bedauert Gaube. „Wirtschaftlich sind sie kaum mehr darstellbar.“ Deshalb wagen Kinderheim und EJBL den Balanceakt: die größeren Strukturen in Einklang mit der familiär-intimen Burscheider Einrichtung zu bringen.

Das Haus ist dafür auf Vordermann gebracht worden: Ein zweites Treppenhaus wurde eingezogen, das Souterrain wurde hell und luftig gestaltet, es wurden Wände versetzt, eine neue Küche eingebaut und die Zimmer neu möbliert, es wurde gestrichen und lackiert: Dafür zogen die jungen Bewohner sogar vorübergehend an den Remscheider Hauptsitz der EJBL. „Ein Mädchen fragte irgendwann, wann es denn wieder nach Hause gehe“, erzählt Rainer Siekmann. Ihre Aussage habe ihn bewegt: „Wir sind doch eine Familie.“ Eine Familie, deren Mitglieder dort groß werden, die verschiedene Schulformen besuchen, verschiedene Charaktere haben – so beschreibt es Elke Thelen-Hammerstein.

Ein Zuhause ist die Villa auch für Thomas Michalzik: Der stellvertretende Vorsitzende des Presbyteriums ist einst im gleichen Gebäude in den Kindergarten gegangen. „Damals haben wir oft mit den Heimkindern gefrühstückt“, erinnert er sich lächelnd.

Hintergrund

Immobilie: Die Evangelische Kirchengemeinde Burscheid ist künftig für die Evangelische Jugendhilfe Bergisch Land der Vermieter. „Wir hätten ohnehin renovieren müssen“, sagen Pfarrer Matthias Pausch und der stellvertretende Presbyteriumsvorsitzende Thomas Michalzik. „Vielleicht hätten wir es zeitlich entzerrter gemacht, jetzt wurde wirklich richtig saniert.“ Dafür zogen die Kinder übergangsweise in den Waldhof in Remscheid. Dort hat die EBJL ihren Hauptsitz. Seit 1. August ist sie der neue Träger des Kinderheims in Burscheid und hat die Räumlichkeiten von der Evangelischen Kirchengemeinde Burscheid gemietet.

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