Neuer Lebensabschnitt

Klaus Becker verabschiedet sich von der Politik

Legt zu Jahresende sein Ratsmandat nieder und verlässt die Fraktion: SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Becker.
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Legt zu Jahresende sein Ratsmandat nieder und verlässt die Fraktion: SPD-Fraktionsvorsitzender Klaus Becker.
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SPD-Fraktionschef hört zum Jahresende auf: „Alles ist gut“, sagt der bald 67-Jährige.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Meinungsstark, witzig und pointiert: Meldet sich Klaus Becker in Ausschüssen und im Stadtrat zu Wort, wird es selten langweilig. Doch zum Jahresende wird sich Burscheids politische Landschaft verändern: Der SPD-Fraktionschef legt alle Ämter nieder, gibt sein Ratsmandat zurück und verlässt die SPD-Fraktion. Ohne Ärger, ohne Groll. Im Gegenteil. Sondern weil die Zeit reif ist. „Ich möchte einfach Privatmann sein“, bekennt der 67-Jährige. „Ich will mein Zeitmanagement nicht mehr von der Politik abhängig machen.“ Auch die fünf Enkel nennt er in diesem Zusammenhang.

Die SPD-Fraktion habe er schon vor geraumer Weile informiert – mit dem einleitenden Satz „Sag beim Abschied leise Servus“. „Und sie haben dicht gehalten“, freut er sich. Seine Entscheidung habe er in der vergangenen Woche Politik und Verwaltung im nicht-öffentlichen Teil des Stadtrats mitgeteilt. Am Montag machte sie die SPD-Fraktion öffentlich.

Wehmut? Nein. Vielmehr ein neuer Lebensabschnitt, den Becker bewusst gestalten will. „Ich freue mich darauf“, sagt er. „Seine“ SPD-Fraktion sieht er in diesem Erneuerungsprozess gut aufgestellt. „Die kriegen das hin“, sagt er, will über Nachfolger oder Nachfolgerin aber auch keine Aussagen machen. Er ist nun raus. „Das wäre nicht redlich“, findet er. Die SPD Burscheid müsse und werde nun in einem demokratischen Prozess die Weichen für die Zukunft stellen. „Wenn es Beratungsbedarf gibt, bin ich nicht aus der Welt. Aber wir haben viele neue junge Leute, die Aufgaben übernehmen können und wollen.“ Die politische Arbeit werde dezentralisiert: „Vieles, was sich bei mir zentriert hat, geht nun in die Breite, auf mehr Schultern.“

Und auch das Rathaus sieht er bei Bürgermeister Dirk Runge in guten Händen. „Er macht gute Arbeit“, sagt Becker über den Bürgermeister, den die Fraktionen 2021 übergreifend als ihren Kandidaten aufstellten. Gut möglich, dass er auch 2025 erfolgreich antritt, glaubt Becker.

Stolz ist er auch darauf, dass man es fraktionsübergreifend geschafft habe, Burscheid aus der Schuldenfalle rauszuholen und den Haushalt zu konsolidieren: „Ein Meisterstück“ nennt er das, ebenso wie das die Stadt prägende Integrierte Entwicklungs- und Handlungskonzept IEHK unter fachlicher Beratung des Planungsbüros Architektur Stadtplanung Stadtentwicklung Hamerla („ein Glücksgriff“).

Bis zum letzten Moment in der Politik: Nichts für Becker

Der perfekte Zeitpunkt also, um aufzuhören. Anfang Dezember wird Becker 67. „Ich habe es bei den Kollegen beobachtet, die älter wurden und immer noch ein Mandat hatten“, sagt er und nennt als Beispiele UWG-Urgestein Gerd Pieper und den eigenen Schwiegervater: Heinrich Assmann, letzter ehrenamtlicher Bürgermeister von Burscheid und noch bis zum 85. Geburtstag als sachkundiger Bürger aktiv. Für sich persönlich konnte sich Becker das nie vorstellen. „Ich bin noch fit und habe noch andere Interessen“, sagt er. Das Radfahren. Das Reisen. Hündin Paula, die nach Renteneintritt vor drei Jahren bei ihm einzog und ihn auf seinen Touren begleitet.

Das Radfahren ist Becker dabei mehr als Hobby oder bloße sportliche Ertüchtigung. Es ist Lebensnotwendigkeit. Becker macht kein Geheimnis daraus, dass ihm das Radfahren das Leben gerettet hat – 2007, nach schwerer Erkrankung der Bauchspeicheldrüse, als der Arzt ihm noch ein paar Monate gab. Es sei denn, so der Arzt damals, Becker würde kämpfen. Der Ausdauersport wurde zur Überlebensstrategie.

Es mag diesem zweiten Leben geschuldet sein, dass Becker seine Zeit bewusst gestaltet. Und nun meint: Es ist genug. Den Wohnwagen in den Niederlanden hat er viel zu lange nicht mehr gesehen. „Wir haben ja kaum noch normale Sitzungspläne, in denen es mal drei Wochen Pause gibt. Es geht immer weiter. Und als Fraktionschef ist man immer an vorderster Front.“ Und halbherzig weiterzumachen, ist nichts für einen wie Becker. „Wenn ich etwas tue, dann zu 100 Prozent“, sagt er.

Eigentlich wollte er schon früher aufhören, hatte mit Pierre Assmann geduldig einen Nachfolger aufgebaut. Doch dieser zog nach Bergisch Gladbach und war somit für die Burscheider Kommunalpolitik verloren. In den Nachwuchs hat Becker viel Zeit und Energie investiert, hat die Burscheider Jusos aufgebaut. „Auf meine Jugend bin ich stolz“, sagt er. Darauf, dass die SPD jüngste Fraktion im Rat sei.

1986 trat Becker bei der SPD ein: Für ihn, mit sozialdemokratischem Großvater, der sich in der Gewerkschaft engagierte, ein nahe liegender Weg. Zum Vorbild wurde ihm Herbert Wehner. „In seiner Direktheit und manchmal derben Sprache konnte ich mich wiederfinden“, sagt Becker. Und wirkt entspannt und zufrieden mit seiner Entscheidung: „Alles ist gut.“

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