Konzert

„Klangwege“ führen durch Musikgeschichte

Silke Hamburger spielte am Klavier und Ekkehard Rüger rezitierte die Texte.
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Silke Hamburger spielte am Klavier und Ekkehard Rüger rezitierte die Texte.

Konzert in der evangelischen Kirche war ein Fest für die Ohren der Besucher.

Von Peter Klohs

Burscheid. Die musikalische Reihe „Klangwege“ wurde von Silke Hamburger 1996 initiiert, in dem Jahr, als sie ihren Dienst als Kantorin an der evangelischen Kirche Burscheid antrat. „Ich hatte die Idee dazu in einer Fahrt mit dem ICE zu meinem Mann“, sagt sie.

Nun könnte man bei „Klangwege“ vermuten, dass es sich um zeitgenössische Musik handelt. Weit gefehlt. „Eigentlich spielen wir innerhalb dieser Reihe alles, einmal quer durch die Musikgeschichte“, erklärt die Kantorin. „Orgelmusik, Chormusik, Operettenklänge.“ Und, wie am Samstagnachmittag: „Musik und Rezitation“, eine Variation der Klangwege, die schon zu lange nicht mehr stattfinden konnte, da immer etwas dazwischengekommen war. Um so mehr freuten sich die Kirchenmusikdirektorin und Ekkehard Rüger, dass es nun wieder möglich war. Unter dem Motto „Die Weite fühlen“ spielte Hamburger ausgesuchte Werke auf dem Flügel. Rüger las aus dem Buch, das dem Abend den Namen gegeben hatte, der schweizerischen Autorin Pia Soler.

Soler ist keine Schriftstellerin. Die 1971 in Vrin geborene Soler ist eine Alphirtin, die unter kargen Verhältnissen lebt. So gibt es auf ihrer Alp keinen Strom und keine Toilette. Sie schildert in ihrem Buch ihr Leben und ihre Gedanken dazu, äußert „Ich liebe die Stille“, nur um keine zehn Zeilen später ein „Das Ticken der Uhr ist sehr laut“ anzufügen. Ekkehard Rüger, seit 2015 als Rezitator für die Klangwege tätig, las akzentuiert und ohne überflüssigen Pathos. „Manchmal ist es gut, auf die Berge zu steigen und in die Ferne zu schauen, die Weite zu fühlen“, schreibt die Hirtin. Über die Menschen denkt sie auch viel nach, Menschen, deren Lebensumstände ihr nicht viel sagen. Aber: „Über Menschen herzuziehen macht müde und krank“, ist sie überzeugt – und hält sich daran.

Ein „typisches Stück“ von Franz Schubert

Silke Hamburger, außerordentlich sensible Musikerin, spielte das sehr sangbare Impromptu in As-Dur (op. 142,2) in einem angenehmen Tempo. Als „typisches“ Stück von Franz Schubert verdeckt das Liedhafte der Komposition aber nicht die innere Dramatik des Komponisten. In seinen Improptus ist wenig davon zu hören, dass er sich - wie in seinen Klaviersonaten – mit Beethoven beschäftigte.

Eine Suite des weithin unbekannten russischen Komponisten Arsenij Gladkowskij schloss sich an, eine Reihe von vier Miniaturen, die als eine Art „Kinderszenen des 20. Jahrhunderts“ angesehen werden könnten, wie die Titel „Hanswurst“ oder „Schornsteigfeger“ nahelegen. Als Zeitgenosse Igor Strawinskys orientierte sich Gladkowskij deutlich an dessen kompositorischen Stil, der eher kühl in den Ohren zurückbleibt. Es ist sehr wenig, beinahe könnte man sagen: nichts, über das Leben des Komponisten bekannt.

Im Gegensatz zu Edward Grieg, dessen Werk sehr bekannt ist. Die Peer-Gynt-Suiten sind ein eindrucksvoller Beleg, dass man Volksmusik sehr wohl mit der klassischen Musik verbinden kann. Hamburger spielte seine einzige Klaviersonate, ein viersätziges Werk in e-Moll. Diesen Opus 7 komponierte Grieg 1865 und widmete ihn dem dänischen Komponisten Niels Gade, obwohl die dramatische Musik eher auf eine Verbindung von Schumann und Beethoven hinzuweisen scheint. Im ersten Satz greift Grieg auf eine Technik Bachs zurück und zitiert mit den Tönen E, H und G, auf denen das erste Thema aufgebaut ist, die Initialen seines Namens (Griegs zweiter Vorname war Hagerup). Mit einem langen und dramatischen Molto allegro endet die Sonate nach zwanzig Minuten. Silke Hamburger spielte völlig unprätentiös, ganz auf die Musik und den Klang konzentriert. Die große Geste ist ihr fremd. Sie ist sehr bei sich und der zu spielenden Musik.

Langanhaltender und verdienter Applaus der gut fünfzig Gäste im Gemeindesaal der evangelischen Kirche belohnte die beiden Künstler am Ende der Veranstaltung.

Termine

Die musikalische Reihe „Klangwege“ mit Silke Hamburger wird am 3. Advent, 11. Dezember, um 16 Uhr mit „Musik im Kerzenschein“ fortgesetzt. Die Chorgemeinschaft und Kantorei Burscheid wird unter Hamburgs Leitung singen. Am 2. Weihnachtstag wird die Kantorin in der evangelischen Kirche um 18 Uhr ein Orgelkonzert spielen. Und am 19. Februar 2023 entführen die Klangwege mit zahlreichen musikalischen Gästen in das Land der Operette.

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