Kunst

Kirchenmusiker schätzt künstlerische Freiheit

Regelmäßiges Üben ist Pflicht: Reiner Vallo an „seiner“ Orgel in St. Laurentius.
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Regelmäßiges Üben ist Pflicht: Reiner Vallo an „seiner“ Orgel in St. Laurentius.
  • VonNadja Lehmann
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Reiner Vallo ist seit 2020 in St. Laurentius: Dort gibt er am Sonntag mit dem Ensemble Osnabrass ein Konzert.

Von Nadja Lehmann

Kirchenmusiker sind dann gefragt, wenn andere frei haben. Sonntags. An Ostern. Weihnachten. „Dazu sind viele nicht bereit“, sagt Reiner Vallo. Er dagegen hat sich seinen Traumberuf erkämpft: „Mein Vater wollte, dass ich etwas Solides lerne“, erinnert er sich. Und deshalb wurde der gebürtige Leverkusener erst einmal Speditionskaufmann, bevor er sich nebenberuflich doch noch der Musik zuwandte und in Köln die entsprechenden Kurse besuchte. „Inzwischen bin ich seit mehr als 20 Jahren in diesem Bereich tätig“, sagt er. Und der Vater habe ihn auf diesem Weg schließlich unterstützt. „Ich habe mit zehn Jahren angefangen, Klavier zu spielen und mit 16 die Orgel“, erzählt Reiner Vallo. „Ich habe einfach schnell gemerkt, dass das meine Sache ist.“

Nach Burscheid ist Vallo 2020 gekommen. Dort liegt in der gemeinsamen Gemeinde mit Wermelskirchen sein Schwerpunkt. Für die größere Nachbarstadt ist sein Kollege Christophe Knabe zuständig. Ein Austausch und ein Miteinander, über das sich Vallo freut und das ihm wichtig ist, genauso wie das ökumenische Gespräch mit Kirchenmusikdirektorin Silke Hamburger von der Evangelischen Kirchengemeinde.

„Es tut gut, über den Tellerrand zu gucken und zu sehen, wie es die anderen machen, daraus zu lernen und zu profitieren“, sagt Vallo. Mit Hamburger trat er beim Beethovenfest zusammen auf: Man spielte vierhändig. Und mit Knabe begleitete er das Priesterjubiläum von Pfarrer Kerkhoff: „Wir haben vierhändig improvisiert und hatten uns davor nur ein Mal kurz getroffen. Das hat einfach gepasst“, ist er noch immer beglückt über das musikalische Gelingen.

Die ersten Berufsjahre hat der 42-Jährige in Overath-Marialinden verbracht, wechselte dann zu Sankt Bonaventura in Lennep, blieb dort 15 Jahre. „Dort war ich zu einem Drittel aber auch Küster“, erzählt er. Als er hörte, dass Wermelskirchen „händeringend“ einen Kirchenmusiker suchte, bewarb er sich. Und weiß die Qualitäten von Sankt Laurentius zu schätzen: „Die Akustik ist sehr gut.“

„Hier singt die Gemeinde mit Inbrunst mit.“

Reiner Vallo über St. Laurentius

Die Orgel ließe sich auch von vorn spielen, erklärt er und deutet in Richtung Altar. „Da ist das Positiv, von dem aus ich sehr gut begleiten kann.“ Überhaupt, die Orgel: 1991 von der Hellenthaler Firma Weimbs gebaut, technisch auf gutem Stand. „Man kann die Registrierungen einspeichern und dadurch in der Begleitung sehr rasch und flexibel reagieren.“ Eigenschaften, die am kommenden Sonntag wichtig werden, wenn Vallo im Rahmen der Reihe „Musikalischer Herbst“ mit dem Bläserensemble Osnabrass musiziert: „Die Bläser will ich ja schließlich nicht übertönen.“ Aber genauso gebe es auch Orgeln, mit denen er weniger anfangen könne: „Jedes Instrument hat seine Eigenheiten. Bei manchen muss man die Tasten quasi schlagen. Daher stammt auch der Begriff Orgelschlag.“

Die Zeiten aber, in denen ein Kirchenmusiker lediglich auf der Orgel präludierte, sind vorbei: Vallo ist regelmäßig im benachbarten katholischen Kindergarten Arche Noah, leitet den Kirchenchor und die Kantorinnen St. Laurentius und stimmt sich eng mit den Seelsorgern ab: Welches Lied passt zu welcher Predigt? Was zu einer Beerdigung? Welches Musikstück unterstreicht die Liturgie und bringt einen Feiertag wie Allerseelen oder Allerheiligen zur Geltung? „Da habe ich eine große Freiheit und kann kreativ sein“, sagt Vallo. Aspekte, die er sehr schätzt.

Und er geht gern mal neue Wege. Wenn beispielsweise der Kirchenchor von einer Trompeterin begleitet wird, die Ausflüge in den jazzigen Bereich wagt. „Dem Kirchenchor hat es gefallen“, sagt er. Man spüre als Musiker irgendwann, was gehe und was nicht. „Nicht alle Chormitglieder sind aus Corona zurückgekehrt“, bedauert er. Das Gros der Sänger sei über 60, vielleicht sei das dann auch dem Älterwerden geschuldet. Etwas jünger seien die Kantorinnen St. Laurentius, deren Aufgeschlossenheit Vallo schätzt. „Wir proben gerade ein finnisches Weihnachtslied“, verrät er. Er möge Exotisches, bekennt der Kirchenmusiker: So kombinierte er in St. Bonaventura seine Orgel mit einem Dudelsack.

Er sei davon überzeugt, dass Musik in der Kirche wichtig sei, sagt Vallo. „Hier singt die Gemeinde auch mit Inbrunst mit.“ Das sei nicht überall die Regel. „Hier spüre ich, dass sich die Menschen freuen, dass es eine Begleitung gibt.“ Um die 120 Menschen besuchten am Wochenende die Heilige Messe, unter der Woche seien es bis zu 25.

Muss ein Kirchenmusiker gläubig sein? „Ich finde schon“, sagt Reiner Vallo. „Sonst könnte man ja auch anderswo Musik machen.“ Er selbst ist ganz selbstverständlich mit dem Glauben aufgewachsen: „Meine Oma hat den Rosenkranz gebetet, und ich war Messdiener.“ Schon als Sechsjähriger sang er im Kinderchor mit. „Der Leiter war ziemlich jung und für mich der Auslöser, dass mich die Musik so begeistert hat. Mir gefiel, was er machte“, erinnert sich Reiner Vallo. Bei Michael Bischof lernte er dann auch Klavier und Gitarre spielen: „Er hat bei mir die Grundlagen gelegt.“ Die Posaune würde er gern noch spielen können, erzählt der 42-Jährige. Ein erster Versuch schlug fehl. „Mir fehlt die Puste.“ Vielleicht wage er es erneut, wenn sein dreieinhalbjähriger Sohn etwas größer sei.

Konzerte

Am kommenden Sonntag, 6. November, begleitet Reiner Vallo das Bläserensemble Osnabrass: Ab 17 Uhr widmen sich die Musiker in Sankt Laurentius unter anderem Händel und Purcell. Eine Woche später, am 13. November, 17 Uhr, steht Pergolesis „Stabat Mater“ auf dem Terminkalender: Unter der Leitung von Vallos Kollegen Christophe Knabe spielt das Rheinische Symphonieorchester und singen Kornelia Rück (Sopran) und Sibylle Hummel (Alt) – in St. Michael in Wermelskirchen. Der Eintritt ist frei, die Kollekte finanziert die Konzerte.

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