Gastbeitrag

Kinder träumen vom Weihnachts-Wunderland

Glitzer, Glanz und Winterzauber: Die Vorweihnachtszeit war auch vor Jahrzehnten in Burscheid etwas Besonderes. Foto: Archiv
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Glitzer, Glanz und Winterzauber: Die Vorweihnachtszeit war auch vor Jahrzehnten in Burscheid etwas Besonderes.

Sabine Wurmbach, aktiv im Geschichtsverein Burscheid, erzählt von den Spielläden in den 50er und 60er Jahren.

Von Sabine Wurmbach

Burscheid. Zur Vorbereitung des Weihnachtsfestes gehörte besonders für Kinder in früheren Zeiten die Vorfreude auf Geschenke, Festzauber und neues Spielzeug. Deshalb war in Burscheid der Schaufensterbummel nicht nur für die Erwachsenen in der Adventszeit ein besonderes Erlebnis. Mädchen und Jungen belagerten schon in den 50er und 60er Jahren die Schaufenster der Spielzeugläden in Burscheid, wenn es galt, Eisenbahn, Puppe und Schaukelpferd nicht nur als Sehnsucht zu bestaunen, sondern gleichzeitig als Posten für den Weihnachtswunschzettel zu prüfen.

„In solchen Stunden steigerte sich die Vorfreude sehr und wurde so zu einem unvergesslichen Erlebnis.“
Zeitzeuge im Jahr 1950

Wie das früher war, erzählt ein Zeitzeuge im Jahr 1950 dem Bergischen Volksboten: „Als »Blagen« drängten wir uns dann wochenlang an den Schaufenstern vorbei und drückten an diesen unsere Nasen platt. Alles schien uns wie ein leuchtendes Märchen voll von bunten Sternen und begehrenswerten glitzernden Dingen. Vor einer Spielwarenschau mit sausender Eisenbahn oder einem großen kopfschüttelnden Nikolaus wurde der Aufenthalt gewöhnlich ausgedehnt, besonders dann, wenn alles hell erleuchtet war. In solchen Stunden steigerte sich die Vorfreude sehr und wurde so zu einem unvergesslichen Erlebnis aus unseren Kindertagen.“

Sabine Wurmbach engagiert sich für die Historie.

Welche Wünsche so manches Kind auf seinen Wunschzettel schrieb und dann dick unterstrich, verrät ein Bericht über das einsetzende Weihnachtsgeschäft im Bergischen Volksboten aus dem Jahr 1968: „Bei den Spielwaren steht in diesem Jahr die Autorennbahn an der Spitze der Nachfrage. Daneben sind natürlich auch die Standard-Geschenke zu Weihnachten gefragt: Eisenbahnen, Fahrräder, Kinderautos, Puppen, Puppenwagen und nicht zuletzt Wintersportartikel aller Art.“ Die Wünsche spiegeln den gesteigerten Wohlstand wider, der zu Ende der 1960er Jahre auch in die Kinderherzen eingezogen war.

An die Geschäfte in Burscheid, die Spielzeug für Kinder anboten, kann sich Stadtsprecherin Renate Bergfelder-Weiss gut erinnern. So erzählt sie von dem Laden von Elfriede Jacobs an der Friedrich-Goetze-Straße: „Ich erinnere mich, wenn wir Kinder in die Stadt gingen, dass wir lange die Herrlichkeiten im Schaufenster von Spielwaren Jacobs anstarrten. Vieles, was wir dort sahen, weckte Begehrlichkeiten: eine neue Puppe, ein Ball oder für die Jungen etwas für die Modelleisenbahn sowie Autos. Auch Glanzbilder - mit und ohne Glitzer - gab es dort. Betrat man dann neugierig das Geschäft, war man zuerst erschlagen von der Menge und Vielfalt des Angebotes. Da gab es bunte Kartons, Dosen, Pakete, die bis unter die Decke reichten. Überall war etwas gelagert, abgestellt oder aufgehängt - es wirkte ungeordnet, doch die Ladeninhaberin fand alles sofort. Ich erinnere mich an Tage, als ich bei Jacobs verstohlen nach meinem innigsten Wunsch Ausschau hielt: einer Schildkröt-Puppe. Hier hatte ich die Gelegenheit, wenigstens einen Blick riskieren zu können. Diese Puppen waren teuer. Deswegen hielt ich es für eher unwahrscheinlich, dass ich sie später unter dem geschmückten Tannenbaum finden würde. Meine Patentante aus Norddeutschland hat meinen Wunsch dann tatsächlich erfüllt - meine Schildkröt-Puppe kam zum Geburtstag im Päckchen nach Burscheid, und meine Freude war riesengroß.“

Mit dem Spielwarengeschäft von Elfriede Jacobs verbindet Brigitte Thielen ebenfalls liebevolle Erinnerungen. Als Mädchen wünschte sie sich in ihrer Kinderzeit einen Puppenwagen aus Korbgeflecht. „Das war damals total modern. Inspiriert hat mich ein solches Modell, das ich im Spielwarenladen gesehen hatte. Ich dachte schon, dass sei ein vermessener Wunsch, aber er wurde schließlich wahr.“

Im weiteren Verlauf der Schaufenstertour vor Weihnachten machten die Kinder auch bei Spielwaren Friedel Schmitz Station. In der Vorweihnachtszeit schauten sie sich lange die Eisenbahn an, die im Schaufenster unermüdlich ihre Runden zog. Im Laden erwarteten einen viele Spiele, Puppen und sogar Ritterburgen. Daneben stapelten sich unzählige bunte Kartons von Eisenbahnzügen, -waggons und Zubehör, die die Kinderherzen sofort höher schlagen ließen, ein Eldorado für Eisenbahnfans. Es schien so, als könnten hier selbst die kühnsten Wünsche erfüllt werden: Vielleicht öffnet der freundliche Herr Schmitz einmal den ein oder anderen Karton. Dann könnte man ja mal kurz auf die Lok schauen, die dann später als dringender Wunsch ganz oben auf dem Wunschzettel ihren Platz finden würde.

Neben Haushaltswaren aller Art hielt Herr Hochkamer in seinem Geschäft auch Spielwaren und entsprechendes Zubehör bereit. Eisenbahnfreunde kamen hier vor allem auf ihre Kosten. Denn vom Bahnhofsgebäude bis zum schicken Einfamilienhaus konnten Bastelfreunde so manches Zubehör für ihre Modelleisenbahn erwerben und dann zusammenbauen. Außerdem konnte man die Modellbahnlandschaft durch unzählige Miniaturbäume und -pflanzen ergänzen. Geschenke für Groß und Klein hielt auch das Kaufhaus vom Gaß bereit. Er bot nicht nur Spielzeug an, aber das große Sortiment hielt Dinge für den Wunschzettel bereit.

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