Liebevoller Markt

Kein Platz mehr für „A Tännschen please!“

Glühwein trinken, bei den Ausstellern vorbeigucken, sich am Feuer wärmen: Die Besucher zog es dieses Mal verstärkt nach Engelrath. Archivfoto: Doro Siewert
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Glühwein trinken, bei den Ausstellern vorbeigucken, sich am Feuer wärmen: Die Besucher zog es dieses Mal verstärkt nach Engelrath. Archivfoto: Doro Siewert

Bis März muss der kleine Weihnachtsmarkt die Fläche in Engelrath räumen.

Von Nadja Lehmann

Normalerweise ist Christian Hoffmann Optimist. Ist einer, der anpackt, sich nicht ins Bockshorn jagen lässt und der jeglichem Druck gelassen Paroli bietet. Doch derzeit ist er eher geknickt: Denn die Fläche in Engelrath an der B 51, die er mit seinem kleinen, aber feinen Markt „Ä Tännschen please!“ bespielt, steht ihm künftig nicht mehr zur Verfügung.

Christian Hoffmann hofft, mit „Ä Tännschen please!“ weitermachen zu können.

„Wir sind Anfang dieser Woche vom Eigentümer der Fläche, der Baumschule Mütherich aus Kreuzhäuschen, telefonisch in Kenntnis gesetzt worden, dass wir das Gelände bis März räumen müssen“, berichtet Hoffmann. Gründe seien nicht genannt worden, lediglich, dass auf dem Gelände wohl der Bau einer größeren Halle angedacht sei, habe er erfahren, so Hoffmann. „Auf meine Frage, ob man wie in Kreuzhäuschen einen eigenen Markt veranstalten will, habe ich keine eindeutige Antwort bekommen.“

Es sei just die Situation, vor der er „immer schon Angst“ gehabt habe, gibt Hoffmann freimütig zu. Obwohl die Zusagen andere gewesen seien. „Denn wir haben uns ja abhängig gemacht.“ Ursprünglich stand man schließlich ganz auf eigenen Füßen: Da war der Hoffmannsche Markt quasi Familienangelegenheit und auf dem eigenen Zuhause in Odenthal angesiedelt. Dort leiten Hoffmann und Ehefrau Sujatha mit der grafischen Manufaktur Stil-Form-Art und Papeterie Hakuna ihre eigenen Unternehmen. Und der Grundgedanke, aus dem Ä Tännschen please! heraus entstand, hieß schlichtweg: Was schenken wir denn unseren Firmenkunden zu Weihnachten? Zuerst dachten Hoffmanns an Weihnachtsbäume. Doch schnell war klar: Ein Baum braucht Ambiente.

„Angefangen haben wir mit Kochtopf und Glühwein. Die ersten Tassen haben wir von Hand gespült“, erinnert sich Christian Hoffmann. 2014 war das. Als einer, der nicht aus der Gastronomie komme, habe er da Lehrgeld gezahlt: „Wir sind an Grenzen gestoßen. Das war ein harter Weg“, sagt er offen.

Aber genau daraus entwickelte sich seine Herangehensweise: weitermachen, Erfahrungen sammeln, dazulernen. „Man organisiert sich über die Jahre“, sagt Hoffmann. „Man verbessert das, was noch nicht passt.“

Der liebevolle Markt fiel 2016 der Baumschule auf

Und damit fiel er auch der Baumschule Mütherich auf. „Der Eigentümer kam 2016 auf uns zu, erzählte, dass sein Sohn bei uns auf dem Markt gewesen und begeistert gewesen sei, wie liebevoll wir das machen“, sagt Christian Hoffmann. Der Vorschlag der Baumschule: Man könnte doch in Engelrath gemeinsame Sache machen – der kleine familiäre Markt, kombiniert mit dem Weihnachtsbaumverkauf der Baumschule, die in Engelrath Schonungen besitzt, plus der Hofladen Birken. „Wir haben dann bei uns unsere Zelte abgebaut und in Engelrath ganz neu angefangen“, blickt Christian Hoffmann zurück. Zum Neuanfang gehörten auch die Hütten, die in Engelrath ganzjährig auf dem Platz stehen. „Wir sind ja nur ein kleines Team. Wir können die Hütten nicht zu Saisonbeginn immer wieder aufbauen“, erklärt Hoffmann. Gerade hatte er ihnen noch neue Dächer verpasst.

„In diesem Jahr haben wir gemerkt, dass wir angekommen sind, dass wir angenommen werden, die Leute zu uns kommen, auch wenn das Wetter nicht optimal ist“, sagt Hoffmann. Erstmals seien alle Lose aus der Tombola für den Kinderschutzbund über den Tresen gegangen, der Christkindbriefkasten sei so voll wie nie gewesen: „Das ist dann auch ein gutes Gefühl den Ausstellern gegenüber. Ich trage schließlich die Verantwortung“, sagt Hoffmann. Und auch Neuzugang Rotary-Club, der für die Orchesterschule Burscheid sammelt, signalisierte bereits, 2022 wieder mit von der Partie zu sein. Und weil´s so gut lief, stellte Hoffmann sogar einen Zusatztermin ein. Unter dem Motto „Einer geht noch!“ ist nun außerplanmäßig noch am kommenden Wochenende geöffnet.

„Uns war nicht bewusst, wie treffend diese Überschrift tatsächlich ist“, sagt Hoffmann. Denn nun steht wieder alles auf Anfang. „Ich werde dann sofort die Kabel reinholen“, sagt Hoffmann. Denn bis März müssen die Hütten fort sein. Und sie könnten auch der Knackpunkt sein, weshalb die Suche nach einer Alternative schwierig werden könnte. „Die Hütten müssten das ganze Jahr über stehen bleiben können“, sagt Hoffmann, dem eine Fläche vorschwebt, „wo nichts ist und wir niemanden stören.“ Nicht mit Besuchern, nicht mit Autos. Über 800 Quadratmeter wäre er glücklich, würde gern im Einzugsbereich des heimatlichen Blecher im Süden Burscheids bleiben. Strom und Wasser müssten sein.

Und dann kommt doch wieder der Optimist in ihm zum Vorschein. „Ich bin sicher, wir finden eine Lösung.“

Wer einen Tipp hat, helfen möchte, kann Kontakt aufnehmen: info@weihnachtsmarkt-burscheid.de

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