Der Uhu kehrt in den Kreis zurück

Der Uhu ist in den Rheinisch-Bergischen Kreis zurückgekehrt. Archivfoto: Doro Siewert
+
Der Uhu ist in den Rheinisch-Bergischen Kreis zurückgekehrt. Archivfoto: Doro Siewert

Einen Zusammenhang mit der Pandemie sieht Nabu-Geschäftsführer Thomas Wirtz nicht

Von Anja Francesca Richter

Das Glück der einen bedeutet das Leid der anderen, so spielt das Leben mitunter. Heißt für die heimische Fauna konkret: Wer nicht unbedingt muss, sollte dieser Tage besser nicht als Kormoran das Licht der Welt erblicken. Denn in unmittelbarer Nähe zum Nest wartet womöglich schon der Feind - der nichts lieber verspeist als den dunkel gefiederten Wasservogel. Die Rede ist vom Uhu.

„Es ist gar nicht ungewöhnlich, wenn in nordischen Ländern Elche durch ein Dorf laufen.“

Thomas Wirtz, Nabu

Lange schien die größte Eule der Welt nicht mehr besonders angetan vom Alltag im Rheinisch-Bergischen-Kreis, suchte sich anderswo ein nettes Plätzchen zum Fliegen, sich fortpflanzen, Mäuse fangen. „Nun aber beobachten wir seit einiger Zeit mindestens vier Brutpaare“, berichtet Thomas Wirtz. Der 57-Jährige leitet die Geschäftsstelle des Naturschutzbunds (Nabu) im Kreis ehrenamtlich und kennt in der heimischen Flora und Fauna quasi jeden Stein mit Vornamen. Oder, anders ausgedrückt: Würde er mitten in der Nacht mit verbundenen Augen in einem Waldstück ausgesetzt, er würde schnurstracks und ohne Probleme nach Hause finden.

Dass der Uhu, der in der gesamten Bundesrepublik als selten gilt, wieder in die Region zurückkehrte, erklärt sich Wirtz mit den Voraussetzungen, die sich für den Greifvogel anscheinend zum Positiven veränderten. „Womöglich störten ihn früher Kletterer, oder eine andere Eulen-Art verdrängte ihn“, glaubt der Witzheldener, der sich oft mit Landwirten, Förstern und Jägern austauscht.

Die Pandemie spiele für sein Comeback jedenfalls keine Rolle. Zu Beginn des Corona-Ausbruchs vor einem Jahr, das beobachtete auch der 57-Jährige, fanden sich in den sozialen Netzwerken und im Fernsehen auf einmal Videos, die Tiere zeigten, die entspannt durch Straßen streiften. In einem Vorort von London machten es sich Hirsche auf der Wiese einer Wohnsiedlung gemütlich, in Chiles Hauptstadt Santiago wurde ein Puma zum Tourist.

Hat er ähnliche Beobachtungen auch im Bergischen gemacht? Entdeckten auch hier die Tiere wegen der fehlenden Präsenz des Menschen, der sich zwangsläufig drinnen aufhalten sollte, ihre Heimat neu? „Ehrlich gesagt stehe ich diesen Videos skeptisch gegenüber, denn es könnte sich auch um Fakes handeln“, gibt Wirtz zu Bedenken. „Tatsächlich ist es auch gar nicht ungewöhnlich, wenn zum Beispiel in nordischen Ländern Elche durch ein Dorf laufen.“ Die einzigen Entdecker, die sich in Städten herumtreiben, seien alte Bekannte: die Marder. In Sachen Zivilisationsfolger gibt es also keine Überraschung zu vermelden.

Wirtz beobachtet seit einigen Monaten tatsächlich das Gegenteil: dass sich die Tiere weiter in den Wald zurückziehen. „Dadurch, dass in 2020 weniger Urlauber im Ausland waren, sind viele Menschen hier spazieren und wandern gegangen oder auch Rad gefahren“, sagt Wirtz. „Und das auch in eher abgelegenen Gegenden, die sonst selten jemand betritt.“ Selbst mit E-Bikes sei mancher durch tiefen Schlamm gefahren, „was mich doch fassungslos stimmt“. Durch die Unruhe, die so auf einmal im Wald herrschte, hätten sich beispielsweise Wildschweine und Rehe tiefer ins Dickicht begeben, mitunter seien sie sogar von einer Parzelle zur nächsten geflüchtet.

„Die Tiere müssen dabei ihre Energieressourcen nutzen, was sich als problematisch gestaltet, wenn sie im Winter nicht genug zu fressen finden konnten“, betont der Nabu-Geschäftsführer. Am besten sei es, der Mensch bliebe auf den ausgegebenen Wegen. Dort müsse er auch nicht fürchten, häufig auf „Heimlichgänger“, also nachtaktive Tiere wie eben Wildschweine, zu treffen.

Zumal sich auf den leicht zugänglichen Pfaden Spuren vieler Tiere erkennen lassen. Zum Beispiel vom europäischen Biber, ein weiterer Heimkehrer, der sich an den Talsperren und rund um die Wupper ansiedelt. Und in Zeiten des Lockdowns sei es sogar problemlos möglich, die lokale Fauna vom eigenen Garten aus zu beobachten.

Zur Person

Thomas Wirtz, 57, trat mit 17 Jahren dem Naturschutzbund Deutschland (Nabu) bei. Seit mehr als zwei Jahrzehnten ist er Geschäftsführer vom Nabu Rhein-Berg; der Kreisverband wurde 1989 gegründet. Er zählt rund 1100 Mitglieder und setzt sich für den Naturschutz ein.

Das könnte Sie auch interessieren

Meistgelesen

Gastronom blickt optimistisch nach vorn
Gastronom blickt optimistisch nach vorn
Gastronom blickt optimistisch nach vorn
Vortrag zum Studium bei der Polizei
Vortrag zum Studium bei der Polizei
Geplagte Kobolde finden bei der Rasselbande Unterschlupf
Geplagte Kobolde finden bei der Rasselbande Unterschlupf
Geplagte Kobolde finden bei der Rasselbande Unterschlupf
Expertise soll Musikschule auf Kurs bringen
Expertise soll Musikschule auf Kurs bringen
Expertise soll Musikschule auf Kurs bringen

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare