Abschied

Karl Zimmermann geht in den Ruhestand

Waldsterben in den Achzigern, Befall durch Borkenkäfer, Schäden durch die trockenen Sommer: Revierleiter Karl Zimmermann hat viel erlebt.
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Waldsterben in den Achzigern, Befall durch Borkenkäfer, Schäden durch die trockenen Sommer: Revierleiter Karl Zimmermann hat viel erlebt.
  • VonNadja Lehmann
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Der 65-Jährige hat sich 40 Jahre lang um Wald und Holz gekümmert, zuletzt übernahm er zusätzlich das Burscheider Revier.

Burscheid. Sein Revier in Burscheid hat er schon vor längerem abgegeben, nun aber, mit Jahresbeginn ist Förster Karl Zimmermann in den Ruhestand gegangen. Burscheid bleibt er verbunden, hier ist er privat zuhause. „Ach, es geht mir ganz gut. Es hat mich ja nicht überrascht“, sagt er auf die für ihn typische gelassene Weise. 40 Jahre hat er sich um den Wald gekümmert, zuletzt waren es rund 1600 Hektar in Leverkusen, Leichlingen, Langenfeld und Monheim, die er für den Landesbetrieb Wald und Holz NRW betreute. Dann kam mit 500 Hektar noch Burscheid dazu, dort übernahm Zimmermann die Geschäfte eines langfristig erkrankten Kollegen.

Angefangen aber hat alles in Witzhelden. Dort ist der heute 65-Jährige aufgewachsen, in der Landwirtschaft. „Wir hatten selbst etwas Wald“, erzählt er. Ganz selbstverständlich also, dass er von klein auf half, wenn der Opa in Richtung Sengbachtalsperre zog, um im Wald zu arbeiten. Fast wie von selbst stand der Berufswunsch fest, zumal nach einer Betriebsbesichtigung zu Schülerzeiten bei Goetze. Da sei er nach Hause gekommen und habe gesagt: „Vater, Büro und Fabrik sind nichts für mich“, erinnert sich Zimmermann lächelnd.

Raus in die Natur sollte es gehen. Und von der bekam er jede Menge, als er im Praktikum erste praktische Erfahrungen sammelte: „Das war in Paderborn. Da stand das Forsthaus mitten im Wald. Und sonst gar nichts“, sagt Zimmermann. Ein Jahr hat er dort gearbeitet, bereits als fester Bestandteil der Ausbildung. „Dem Praktikum vorausgegangen war ein zweitägiges Auswahlverfahren“, erzählt er. „50 Leute waren eingeladen, 25 wurden genommen.“

Es folgte das Studium in Göttingen. „Danach ist man Anwärter, das ist wie eine Art Referendarszeit“, erzählt Zimmermann. Ihn verschlug es nach Wipperfürth. „Da war ich fünf Jahre lang Mädchen für alles. Ein kleines Revier.“ Dann folgten zunächst Leichlingen und Leverkusen, 2010 dann Langenfeld und Monheim. „Und in Burscheid war ich vertretungsweise damals schon ein paar Mal.“ Arbeitgeber war die frühere Landesforstverwaltung, das heutige Wald und Holz NRW.

Karl Zimmermann hat in seinen 40 Jahren im Job viel erlebt. Schon in den Achtzigern ging es los: „Das Waldsterben“, sagt er. Als man geschockt im Erzgebirge und im Schwarzwald auf kahle graue Bäume blickte. „Da ist mit Filtern aber viel passiert. Auch das bleifrei-Tanken zeigte Wirkung. Die Luft ist viel besser geworden“, sagt Zimmermann. Im jetzt immer deutlicher werdenden Klimawandel sieht er aber eine noch viel größere schlimmere Dimension. Drei Trockenjahre hintereinander hat er mit seinen Wäldern mitgemacht. „Trockenheit gab es schon immer, aber nicht so extrem und in Folge“, sagt er. „Das kann die Natur nicht auffangen.“

Er bedauere es nicht, diesbezüglich keine Entscheidungen mehr treffen zu müssen, bekennt er offen: „Denn ich weiß kein Patentrezept. So unsicher war ich noch nie.“ Die Fichte verabschiede sich, sei ohnehin nicht der Baum seiner Wahl gewesen. Auch die Buche, typische Hauptbaumart für die Region, schwächle. Vor empfohlenen Alternativen wie der Esskastanie warnten gerade die erfahrenen Pfälzer: Sie sei dort von einem Krebs befallen. „Ich weiß, dass die Ökologen mit ausländischen Baumarten nicht glücklich sind“, sagt Zimmermann. Denen könne er nur entgegnen, dass er dann das Wetter von vor 30 Jahren zurückbräuchte. Und die angeblich so anspruchslose Birke sei im Bergischen in ihrem südlichsten Verbreitungsgebiet, sie sei ein Baum des Nordens und der Taiga: „Ich habe im Revier viele tote Birken entdeckt – in allen Altersklassen.“ Sie sei also auch nicht des „Rätsels Lösung“.

„Mehr mischen“, sagt Zimmermann. Das aber sei Aufgabe der nächsten Förstergeneration. „Unsere Entscheidungen sind langfristig. Ob sie richtig sind und waren, sieht man erst Jahrzehnte später.“ So habe man in der Nachkriegszeit rasch aufgeforstet, man brauchte schnell wachsende Bäume. Er selbst habe lange die schlecht beleumdete Pappel in Eschen umgewandelt: „Heute leidet die Esche unter einem Pilz, und die stehengebliebenen Pappeln am Rhein erfreuen sich bester Gesundheit“, blickt Zimmermann auf sein Revier.

Bei Putin will Zimmermann nicht um Holz bitten

Ein sich selbst überlassener Wald nach dem Vorbild von Deutschlands bekanntestem Förster und Autor Peter Wohlleben oder ein stark genutzter? Sowohl als auch. „Ich möchte der nächsten Generation breite Möglichkeiten hinterlassen“, sagt Zimmermann. Die Holznutzung zum einen („Wir alle wollen nicht in den Möbeln unserer Großeltern wohnen“), die Nutzung des Waldes als Naherholungsgebiet zum anderen sowie die Bewahrung als Ort der ökologischen Vielfalt. „Diese riesigen Monokulturen haben wir hier ohnehin nicht“, sagt Zimmermann. Wo es sich anbot, habe er gerne auf Naturverjüngung gesetzt, Flächen sich selbst überlassen und tote Bäume stehen lassen. „Aber natürlich mussten wir auch aufs Geld gucken. Zweidrittel in NRW ist Privatwald, der bewirtschaftet wird.“ Das müsse auch sein, sagt Zimmermann, der sich auf Importe nicht verlassen will: „Ich möchte nicht bei Putin anfragen, ob ich Holz aus der Taiga bekomme.“ Wichtig aber sei, Holz als nachwachsenden Rohstoff zu begreifen, nachzupflanzen und aufzuforsten.

Er selbst wird, gibt er zu, nach wie vor mit aufmerksamen Blick durch seinen Wald gehen. Aber auch einfach die Schönheit genießen. „Typisch fürs Bergische ist seine Kleinteiligkeit. Und die Unterschiedlichkeit der Böden. Im Eifgental steht man fast auf dem Stein, in Richtung Norden ist tiefer Lehm. Dazwischen ist die B 51 wie ein Einschnitt.“

Hintergrund

Das Forstrevier Burscheid/Altenberg gehört zu den kleinsten im Bergischen. Bündelte sich zuletzt die Betreuung allein bei Karl Zimmermann, so gibt es nun eine Aufsplitterung und mehrere Ansprechpartner: Phil Hartmann kommt von Wald und Holz NRW, Louis Altinkamis vom Holzkontor Lindlar, Leonore Gärtner kümmert sich um die Bereiche, die zum Staatswald gehören.

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