Bundesfreiwilligendienst

Junge und alte Bufdis sind begehrt

Bürgermeister Stefan Caplan und Yulia Farbischewski, Leiterin der Burscheider Stadtbücherei mit ihrem Bufdi Ortrud Schmid (M.). Foto: Doro Siewert
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Bürgermeister Stefan Caplan und Yulia Farbischewski, Leiterin der Burscheider Stadtbücherei mit ihrem Bufdi Ortrud Schmid (M.).

Altenzentrum, Bücherei oder Handwerk – Ein Bundesfreiwilligendienst ist in vielen Bereichen möglich.

Von Stephan Eppinger

Burscheid. Der Bundesfreiwilligendienst ist gerade für viele Einrichtungen, Organisationen und Vereine ein wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit geworden. Das trifft auf Altenzentren und Pflegedienste genauso zu wie auf städtische Institutionen oder große Sportvereine. Auch in Burscheid sind Bufdis, wie die Ehrenamtler im Bundesfreiwilligendienst gerne genannt werden, im Einsatz. Wir stellen heute zwei von ihnen vor.

„Der Bundesfreiwilligendienst ist ein wichtiges Angebot für unser Haus und für unsere Senioren. Den jungen Menschen bietet diese Arbeit eine wichtige Orientierung in ihrem Leben. Nachdem der Zivildienst abgeschafft worden war, sind wir sehr dankbar, die Unterstützung dieser Frauen und Männer bei unserer täglichen Arbeit zu bekommen“, sagt die Leiterin des Evangelischen Altenzentrums in Burscheid, Birgit Hoferichter.

Auch ältere Menschen können sich als Bufdi engagieren

Derzeit sind vier junge Menschen dort im Einsatz, die ihren Bundesfreiwilligendienst beziehungsweise ihr Freiwilliges Soziales Jahr absolvieren. Zum Einsatz kommen sie in der Betreuung und Pflege genauso wie in der Haustechnik. „Wichtig ist die begleitende Qualifizierung durch das Diakonische Werk. Jedem Bufdi werden vier Seminare angeboten, die derzeit pandemiebedingt nur online durchgeführt werden können. Trotzdem wird hier der Austausch mit anderen jungen Menschen möglich gemacht und neues Wissen vermittelt.“

Gefragt sind die Bufdis immer im Altenzentrum. „Wir hätten Platz für bis zu acht Freiwillige, das können auch ältere Menschen sein, die sich ehrenamtlich engagieren wollen“, sagt Hoferichter. Bewerben kann man sich direkt vor Ort, wo ein Bewerbungsgespräch folgt. Danach können die Bewerber zunächst hospitieren und werden, wenn alles passt, als Bufdis, die in der Regel zwischen 18 und 25 Jahre alt sind, vor Ort eingesetzt.

Einer davon ist Florian Elkemann-Reusch. Der 19-Jährige arbeitet seit neun Monaten in der Haustechnik. „Wegen Corona war es nach dem Schulabschluss zunächst nicht möglich, direkt eine Ausbildung zu beginnen. Mit dem Bundesfreiwilligendienst wollte ich die Lücke im Lebenslauf sinnvoll schließen. Die Haustechnik hat gut gepasst, da ich handwerklich interessiert bin. Aufmerksam geworden bin ich auf die Stelle im Altenzentrum über ein Plakat. Ich habe mich beworben und einen Probearbeitstag absolviert. Das ging alles sehr schnell und unkompliziert.“

Noch zwei Monate ist der Wermelskirchener in Burscheid im Einsatz. Zu seinen Aufgaben zählen zum Beispiel den Müll und die Wäsche von den Stationen zu holen, Wasser aufzufüllen, Streich- und Lackierarbeiten im Haus zu erledigen, Möbel von einem Zimmer zum anderen zu transportieren oder im Garten die Wege zu fegen und den Rasen zu mähen. „Es gibt immer wieder Gespräche mit älteren Menschen, die auf einen zukommen. So lernt man Leute mit ganz anderen Erfahrungen und anderen Denkweisen kennen. Das ist ein guter Austausch.“

„Für mich ist der Bundesfreiwilligendienst eine gute Möglichkeit, mich sanft aus dem Berufsleben zu verabschieden.“

Ortrud Schmid, Bufdi in der Burscheider Stadtbücherei

Besonders gefällt dem Bufdi die Arbeit draußen im Garten, auch weil dort meist keine Maskenpflicht gilt. „Wenn man Sachen auf den Stationen abholt, kennt man die Kollegen und kann sich auch mit ihnen austauschen.“ Insgesamt hat der Bufdi 39 Wochenstunden, die er im Altenzentrum ableistet. „Bei der Arbeit lernt man den besseren Umgang mit anderen Menschen und es werden auch handwerkliche Kniffe vermittelt, die man später mal gebrauchen kann“, sagt Elkemann-Reusch, der nach der Zeit im Altenzentrum eine Lehre als Elektrotechniker beginnen möchte.

Auch in der Burscheider Stadtbücherei gibt es eine Bufdi. Seit dem 1. März ist dort Ortrud Schmid im Einsatz. „Für uns ist dieses Engagement sehr wichtig. Frau Schmid ist für uns bei der Leseförderung in der Grundschule Dierath im Einsatz. Leseförderung gehört zu unseren Kernaufgaben. Gerade im digitalen Zeitalter nimmt der Strom an Informationen zu. Da bekommt Lesekompetenz eine hohe Bedeutung. Dazu kommt die Situation jetzt in der Corona-Krise. Nicht alle Eltern können ihre Kinder zu Hause optimal unterstützen. Im Homeschooling bekommen die Kinder ihre Aufgaben am PC, die sie lesen und verstehen müssen. Das ist oft eine große Herausforderung“, sagt die Leiterin Yulia Farbischewski.

Mit Schmid ist man im Team der Bücherei sehr glücklich: „Ihre Bewerbung war die erste, die wir bekommen haben. Das hat sofort gepasst. Sie hat sich sehr für unsere Arbeit interessiert und war so offen wie flexibel. Jetzt arbeitet sie vier Tage vor Ort in der Schule und einen Tag bei uns in der Bücherei.“ Und die Arbeit in der Bücherei funktioniert bestens: „Ich wurde vom Team sehr herzlich aufgenommen und die Vielseitigkeit der Medien sowie die Aktualität in der Bücherei begeistert mich“, sagt sie.

Florian Elkemann-Reusch (19) unterstützt als Bufdi in der Haustechnik im Altenzentrum.

Ortrud Schmid lebt seit knapp 20 Jahren in Burscheid und hat zwei Jahrzehnte bei der Telekom im Vertrieb gearbeitet. „Ich lese selbst sehr gerne und arbeite auch gerne mit Menschen zusammen. Das war im Beruf schon so. Außerdem engagiere ich mich seit mehr als zehn Jahren ehrenamtlich. Für mich ist der Bundesfreiwilligendienst, den ich in Teilzeit leiste, eine gute Möglichkeit, mich sanft und langsam aus dem Berufsleben zu verabschieden und so in ein neues Leben zu gleiten. Die Arbeit mit den Kindern macht mir sehr viel Freude“, sagt die 59-Jährige. Die Teilzeit ist für Bufdis ab 27 Jahren möglich.

Die Leseförderung gibt es in der Grundschule für die Klassen 1 bis 4. „Wir haben einen separaten Raum, in dem ich mit den Kindern jeweils 10 bis 15 Minuten in Ruhe lesen kann. Das ist in Zeiten, in denen man sich durch die Maske schlechter verstehen kann, sehr wichtig. Die Bücher dazu suchen sich die Kinder selbst aus, das steigert die Motivation.“

Flexibilität, Neugier, Geduld und Begeisterung sind Voraussetzungen

Gefragt nach den Voraussetzungen für eine erfolgreiche Arbeit als Bufdi, antwortet Schmid: „Man sollte flexibel sein und offen für Neues. Auch eine gewisse Neugier kann nicht schaden. Man geht zur Arbeit und schaut, wohin sie einen führt. Wichtig sind auch Geduld und die Begeisterung für die Arbeit mit Kindern. Man sollte positiv denken und vor allem, das, was an Fähigkeiten da ist, fördern und nicht nur nach dem suchen, wo es noch Probleme gibt. Lob ist für die Kinder sehr wichtig. Man sollte auch kulturell offen sein, viele Kinder haben einen Migrationshintergrund. Die Schüler kommen gerne zu mir und erkennen die Chance, die das gemeinsame Lesen bietet.“

Ihre Wahlheimat Burscheid liebt Schmid: „Das ist ein kleines Städtchen, in dem man schnell mit den Menschen bekannt wird. Hier kann man viel zu Fuß erledigen und hat viel Grün, wo man Radfahren, Wandern und Spazierengehen kann. Aber man lebt auch direkt vor den Toren der Großstadt. Kleine Orte wie Burscheid haben sich auch in schwierigen Zeiten, wie jetzt in der Corona-Krise, in den praktischen Dingen bewährt.“

Bundesfreiwilligendienst

Definition: Im Bundesfreiwilligendienst engagieren sich Menschen für das Allgemeinwohl, insbesondere im sozialen, ökologischen und kulturellen Bereich sowie im Bereich des Sports, der Integration und des Zivil- und Katastrophenschutzes. Bufdi können auch ältere Menschen werden. Den Bundesfreiwilligendienst gibt es seit dem Jahr 2011.

Zahlen: Aktuell gibt es bundesweit mehr als 38 000 Bufdis zwischen 18 und 65 Jahren. 22 600 sind Frauen, 15 500 Männer. In NRW sind 8600 Bufdis im Einsatz. Der Großteil der Bufdis ist jünger als 27 Jahre (29 000).

Burscheid: Die Stadt Burscheid bietet aktuell noch verschiedene Stellen für den Bundesfreiwilligendienst an.

bundesfreiwilligendienst.de

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