Kultursommer

Junge Sopranistin kennt ihren Mozart bestens

Marianna Herzig (hier vor dem Rheinsberger Schloss, wo sie im Juli sang) tritt nun im Altenberger Dom auf.
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Marianna Herzig (hier vor dem Rheinsberger Schloss, wo sie im Juli sang) tritt nun im Altenberger Dom auf.
  • VonNadja Lehmann
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Kultursommer: Auftaktkonzert am Samstag in Altenberg – Solistin ist Marianna Herzig.

Von Nadja Lehmann

Mozart, was sonst. Im Fall von Marianna Herzig kann man das mit Fug und Recht so sagen: Die junge Sopranistin ist gebürtige Salzburgerin, ist in der Mozartstadt aufgewachsen und hat am dortigen Mozarteum studiert. „Ich bin mit Mozart groß geworden“, sagt sie selbst. Und sie habe seine Werke sehr herbeigewünscht, als sie früher Cello gespielt habe: „Er hat für dieses Instrument kaum etwas geschrieben.“ Das änderte sich, als Herzig sich auf den Gesang konzentrierte und begann, sich die großen Partien zu erarbeiten. „Mozart ist sehr authentisch, und er bietet sehr viel Freiheit. Man kann sich und die eigene Persönlichkeit einbringen“, gerät sie ins Schwärmen. Und freut sich, dass sie am kommenden Samstag beim Altenberger Kultursommer auf der Bühne stehen wird. Im Dom. Natürlich mit Mozart. Mit seiner Motette „Exsultate, Jubilate“.

„Es ist ein so freudiges Werk. Manche Kirchenwerke sind ja sehr ernst und von der Schwere des Lebens durchdrungen.“ Das sei bei „Exsultate, Jubilate“ überhaupt nicht der Fall. „Es ist ein Lobgesang, ein Freudengesang. Und sehr mitreißend. Mozart eben.“

Gesungen hat Marianna Herzig die Motette schon oft. Im Unterricht und für sich. „Öffentlich ist es mit dieser Partie in der Tat aber mein Debüt“, sagt sie mit einem Lächeln. Und auch Altenberg ist Neuland: „In diesem Teil Deutschlands war ich bisher noch nicht so oft.“ Auf den Altenberger Dom freut sie sich sehr: „Es ist etwas ganz anderes, ob man in einer Kirche singt oder einem Konzertsaal. Die Akustik ist ganz anders, man muss mit dem Nachhall klarkommen. Aber man hat unglaubliche Möglichkeiten, mit denen man spielen kann. Dann kann schöne Musik entstehen.“ Und eine Kirche sei einfach ein spiritueller Ort: „Es ist eine besondere Stimmung, die einen ergreift. Unabhängig, ob man gläubig ist oder nicht.“

Premiere in Altenberg, aber jede Menge Bühnenerfahrung: „Ich habe im Landestheater Salzburg zehn Jahre lang bei Sound of Music mitgespielt und in Baden bei Wien im Musical Anatevka mitgewirkt.“ Ihr bislang jüngstes und schönstes Erfolgserlebnis: die erfolgreiche Teilnahme am Gesangswettbewerb der Kammeroper Rheinsberg (Brandenburg) und die anschließende Verpflichtung als Blonde in der diesjährigen Aufführungsserie im Rheinsberger Schlosshof.„Die Entführung aus dem Serail“, Mozart. Einmal mehr. Der Gesangswettbewerb führte die junge Sopranistin mit Dirigent Werner Ehrhardt zusammen, der das Konzert am Samstag leiten wird. Er engagierte sie damals in Rheinsberg umgehend für Altenberg: „Die taugt mir“ waren seine Worte“, erzählt Herzig lachend.

Gesungen habe sie schon als Kind. „Und irgendwann habe ich gemerkt, dass ich mich da noch besser ausdrücken kann als am Cello“, sagt sie. Die Stimme führe zur Seele: „Ich kann mich direkt mitteilen.“ Als Cellistin betrachte sie sich aber immer noch: „Das Instrument hat eine eigene Energie. Es kommt der menschlichen Stimme am nächsten, und beim Singen kommen mir oft der Bogen und die Saiten in den Sinn. Ich merke, wo ich herkomme.“

Beweglich und hoch sei ihre Stimme, so beschreibt die 24-Jährige ihren Koloratur-Sopran selbst. Sich, die Stimme und die eigenen Möglichkeiten präzise einschätzen zu können, sei wichtige Bedingung für den Beruf: „Kein Sänger ist ganz allein; es gibt ein Team aus Lehrern und Coaches. Aber man sollte nicht ans oberste Ende des eigenen Vermögens gehen, sondern Reserven lassen“, sagt sie angesichts Jahre im Voraus planender Opern- und Konzerthäuser. Dann muss das Engagement zu Persönlichkeit und der Entwicklung der Stimme passen.

Vorbilder gibt es natürlich. Marianna Herzig nennt Barbara Bonney, Natalie Dessay und Sabine Devieilhe. Insbesondere die beiden letzteren, zwei Französinnen, haben ähnlich biegsames, bewegliches Stimmmaterial wie die junge Salzburgerin. Gelernt hat sie auch von Countertenor Andreas Scholl, der am Mozarteum unterrichtet: „Ein ganz toller Mensch.“

Lampenfieber gehört dazu. „Es ist der Respekt vor der Situation“, sagt Herzig. Gute Kollegen, mit denen man sich auf der Bühne geborgen fühlen kann, spielen dann eine entscheidende Rolle. „Man gibt sich gegenseitig Energie. Wir sind da, um tolle Musik zu machen.“ Und das Publikum ist wichtig. Kann aus einer Aufführung etwas Besonderes machen. „Ich spüre, ob die Zuschauer einen langen Tag hatten. Oder ob sie mitgehen“, sagt Herzig. Und das sei bei einem Konzertabend, bei dem Kostüm und Schminke entfielen, noch intensiver: „Da steht dann Marianna auf der Bühne, die mit dem Publikum kommuniziert.“ Vielleicht eines Tages im geliebten Theater „La Fenice“ in Venedig. Oder bei den heimatlichen Salzburger Festspielen. „Das“, sagt Marianna Herzig, „ist natürlich ein sehr hoher Traum.“

Das Konzert beginnt am 13. August um 20 Uhr im Altenberger Dom. Am Pult steht Werner Ehrhardt, es spielt das Orchester l´arte del mondo. Auf dem Programm stehen Mozart, Pergolesi und Haydn.

Karten gibt es online: bergisch-live.de

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