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Jugendliche entdecken sich beim Graffitimalen

Mutig drauf los: Die Jugendlichen bekamen Anleitung durch Graffiti-Künstler Carsten Klett.
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Mutig drauf los: Die Jugendlichen bekamen Anleitung durch Graffiti-Künstler Carsten Klett.
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Workshop der Katholischen Jugendagentur macht nach der Corona-Pause Mut.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Was die Pandemie mit den Kindern gemacht hat, darüber hatte bereits in einem Schul- und Sozialausschuss Christian Riehl vom Jugendbüro der Katholischen Jugendagentur berichtet. „Die Kinder sind aggressiver geworden und stellen das oftmals sogar selbst fest. Sie kommen dann und sagen: ,Ich werd so schnell böse.‘“ Vom Arbeitspensum her „könnten wir noch zwei weitere Leute brauchen“: So lautete Riehls persönliches Fazit. Dass die Pandemie Spuren hinterlassen hat, ist eine Einschätzung, die seine Kollegen teilen. „Am Telefon, über E-Mail oder Zoom ist alles zäher, als wenn man sich persönlich gegenübersitzt“, das hat Sabine Terfloth in den vergangenen 24 Monaten häufig zu spüren bekommen. Sie ist Sozialpädagogin und arbeitet in der Offenen Jugendberufshilfe in Leverkusen. Sie hilft Jugendlichen bei Fragen zum Übergang von der Schule in den Beruf.

Die Katholische Jugendagentur (KJA) Leverkusen, Rhein-Berg, Oberberg engagiert sich in ihren mehr als 50 Einrichtungen und Projekten wie Jugendzentren, Betreuungsangeboten an Grund- und weiterführenden Schulen, Beratungsstellen oder den Angeboten im Bereich der stationären Jugendhilfe. In Burscheid ist der Träger ein wichtiger Ansprechpartner, der für das Kinder- und Jugendzentrum Megafon ebenso zuständig ist wie für das Burscheider Büdchen und das Jugendbüro Auf dem Schulberg.

Schulsozialarbeiter Christian Riehl hatte bereits über seine Corona-Erfahrungen im Ausschuss berichtet.

„Wir kümmern uns ja auch um diejenigen, die nicht so viel von Zuhause unterstützt werden. Bei vielen sehen wir gerade eine sehr antriebsschwache Phase“, beobachtet Sabine Terfloth.

Grund genug, die Jugendlichen im Rahmen des Bundesprogramms „Jugend stärken im Quartier“ und mit den Fördermitteln „Aufholen nach Corona“ einzuladen, um ihnen bei einer gemeinsamen Aktion ihre Stärken und Ressourcen aufzuzeigen.

Gemeinsam mit dem Graffiti-Künstler Carsten Klett haben sich alle Teilnehmer des Graffiti-Workshops, „Corona, du kannst mich mal. . . !“, im Jugendhaus Rheindorf getroffen. In dessen Außengelände durften die Spraydosen zum Einsatz kommen. Die Vorgespräche drehten sich darum: Wie bin ich durch schwierige Situationen gekommen? Was hat mir geholfen? Worauf bin ich stolz? „Dies in Bildmotive umzusetzen, war ein Weg, um für die Jugendlichen erfahrbar zu machen, welche Stärken sie haben“, hebt Sabine Sistig hervor, die sich bei Katholischen Jugendagentur um die Öffentlichkeitsarbeit kümmert. „Für viele von ihnen war die Familie wichtig. Aber auch Haustiere haben ihnen die Einschränkungen durch Corona erträglicher gemacht. Manchmal hat auch Musik geholfen, die sie gehört haben. Viele sind mehr Rad gefahren und haben mehr Sport gemacht als sonst.“

Veränderung war ein großes Thema

„Veränderung war ein großes Thema“, erzählen Terfloth und ihre Kollegin Sonja Skandy, die dieses Projekt geleitet haben. „Einerseits Veränderungen, die sie geschafft haben. Zum Beispiel, dass sie sich körperlich besser gefühlt haben, weil sie sportlicher geworden sind.“ Aber auch Veränderungen, die sie sich wünschen. Manche Jugendliche haben sich Tattoos stechen lassen. „Diese Tattoos stehen häufig für Leitideen, die für sie von Bedeutung sind. Auf der Haut tragen sie sie immer bei sich. So geben sie sich selbst eine Richtung für die Zukunft“, sagt Sistig.

Jugendliche haben große Leinwände besprüht

Die wichtigsten Einsichten zu ihrem Handeln in kritischen Zeiten haben die Jugendlichen mit Spraydosen auf sieben selbst gebaute große Leinwände übertragen. Vier gemeinsame Workshopnachmittage lang haben sie daran gearbeitet. „Es war schön zu sehen, wie die Gruppe zusammenwächst und sich mit Respekt begegnet“, fand Sozialpädagogin Skandy.

Zu bewundern sind diese Kunstwerke noch bis zum nächsten Dienstag im Jugendhaus Rheindorf, in dem auch der Workshop stattfand. Nach den Sommerferien werden die Leinwände in der Jugendkirche Opladen ausgestellt.

Beim Workshop zur Graffiti-Malerei entdeckten die Jugendlichen, was sie können, und schöpften daraus Kraft.

„Wir erfahren so viel über die Jugendlichen, wenn wir etwas zusammen machen“, berichtet Terfloth, die ihre Besucher sonst eher in Beratungsgesprächen kennenlernt. „Es wäre schön, wenn Jugendliche schon sehr früh in die Offene Jugendberufshilfe kommen. Schon dann, wenn es noch gar nicht um eine konkrete Bewerbung geht.“ Denn Erfolgsgeschichten gibt es. „Ich hatte hier noch kürzlich einen syrischen Jungen, dem einfach zu wenig zugetraut wurde. Mit genügend Dranbleiben und ein paar Hilfen, wie er das am besten anpackt, hat er schließlich einen Praktikumsplatz und eine anschließende Ausbildung gefunden“, berichtet Sabine Terfloth.

Auch beim Graffiti-Workshop gibt es Ergebnisse. Sie sind auf den großen, bunt besprühten Leinwänden zu sehen. Die Jugendlichen, die sie gestaltet haben, freuen sich darauf, sie nach der Ausstellung mit nach Hause zu nehmen.

Hintergrund

Die Katholische Jugendagentur Leverkusen, RheinBerg, Oberberg gGmbH (KJA LRO) stärkt junge Menschen im Alter von null bis 30 Jahren. Sie ist ein anerkannter Träger der freien Jugendhilfe, gemeinnützig und an verschiedenen Stellen in Burscheid engagiert. Durch ihre regionale Ausrichtung möchte die KJA LRO verlässliche und nahbare Ansprechpartnerin vor Ort sein, heißt es in eigener Einschätzung. Dazu gibt es rund 400 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

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