Jesiden begrüßen das neue Jahr

Eierkitschen zum Neujahrsfest: Madina Kasso (l.) und Nerges Mito feierten in der jesidischen Gemeinschaft mit vertrauten Bräuchen. Foto: Demski
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Eierkitschen zum Neujahrsfest: Madina Kasso (l.) und Nerges Mito feierten in der jesidischen Gemeinschaft mit vertrauten Bräuchen.

Mit Tänzen, Gemeinschaft und einem großen Büffet feierten Geflüchtete

Von Theresa Demski

Die Tische sind voll beladen mit kulinarischen Köstlichkeiten. Gerichte, die an die Heimat erinnern, türmen sich auf den Tellern. Und wer am Stephanus-Gemeindezentrum in Neuenhaus vorbeikommt, wird zum Mitfeiern eingeladen.

„Es ist ein besonderer Festtag für uns“, erklärt Madina Kasso und deutet auf die jesidische Gemeinschaft, die sich am Mittwochmittag im Gemeindezentrum zum Feiern getroffen hat. Eigentlich am zweiten Mittwoch im April – dieses Jahr eine Woche später – feiern die Jesiden das neue Jahr. „Nach unserem Kalender hat der Jahreswechsel in der vergangenen Nacht stattgefunden“, sagt Madina Kasso.

„Inzwischen sind wir eine Familie.“

Madina Kasso, Flüchtling

Viele Familien haben zum Jahreswechsel zuhause Kerzen angezündet, die heimischen Wohnungen wurden geschmückt. Und der Mittwoch steht nun im Zeichen der Gemeinschaft – auch fern der Heimat.

Vor acht Jahren flüchtete Madina Kasso mit ihrer Familie aus dem Nord-Irak – weil sie als jesidische Minderheit unterdrückt und verfolgt wurden. Ähnliche Schicksale haben Jesiden in Syrien und der Türkei erlebt. Seit 2016 lebt Madina Kasso mit ihrer Familie nun in Wermelskirchen. Und im „Café International“ der Initiative „Willkommen in Wermelskirchen“ traf sie auf andere Jesiden. „Inzwischen sind wir eine Familie“, sagt sie in beinahe fließendem Deutsch und lacht. „Wir feiern gemeinsam, und wir trauern gemeinsam.“

Zum Neujahrsfest wird nun gefeiert: Am „Roten Mittwoch“ erinnern die Jesiden an jenen Tag, an dem ihrem Glauben nach die Schöpfung der Erde vollendet wurde: Die Sonnenstrahlen erreichten zum ersten Mal die Erde, so dass sich das Firmament rot färbte. Also haben Mohnblumen an diesem Tag Hochkonjunktur. „Und wir schlagen Eier gegeneinander“, erzählt Nerges Mito „Derjenige, dessen Ei heile bleibt, hat gewonnen.“

Zum Fest im Gemeindehaus sind auch einheimische Gäste gekommen – und Familien und Freunde, die in der Region über Wermelskirchen hinaus ein Zuhause gefunden haben. „Viele sind in den Osterferien“, sagt Madina Kasso. Aber die Gastfreundschaft in der großen Gruppe fällt ausgesprochen herzlich aus. Erwachsene und Kinder feiern mit. Nach dem gemeinsamen Essen treffen sich die Familien im großen Garten zu gemeinsamen Tänzen.

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