Jeder bekommt seine eigene Tasche

Sie hatten um Weihnachten alles im Griff: das Tafel-Team um Vorsitzende Dagmar Zimmer (Mitte). Archivfoto: nal
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Sie hatten um Weihnachten alles im Griff: das Tafel-Team um Vorsitzende Dagmar Zimmer (Mitte). Archivfoto: nal

Die Burscheider Tafel hat sich für den verlängerten Lockdown etwas einfallen lassen

Von Ursula Hellmann

Seit 2006 ist sie ein unverzichtbarer Teil von Burscheids Sozialeinrichtungen – die Tafel. Eine überschaubare Logistik macht es den Nutzern leicht, diese Hilfe in Anspruch zu nehmen. 14 Jahre funktionierte die Schaltstelle im Versorgungsbereich sozusagen reibungslos. Corona und die Folgen stellten Spender, ehrenamtliche Helfer und Empfänger nun aber vor neue Herausforderungen.

Dazu Dagmar Zimmer als 1. Vorsitzende der Tafel: „In den ersten Wochen des Lockdowns war unsere Abgabestelle notgedrungen geschlossen. Trotz Presseinformationen, Plakataushängen und ausführlicher Flyer stellten sich an den gewohnten Freitagnachmittagen viele Kunden am Haus an.“ Es habe einfühlsamer Gespräche bedurft, um sprachlich unerreichten Abnehmern die veränderte Lage deutlich zu machen. „Wir konnten dann bis in den August den Strom der Bezieher kanalisieren durch zeitliche Absprachen sowie die Hauslieferung an sogenannte Risikogruppen erweitern.“

Zu den etwa zehn Kunden, die bereits seit vielen Jahren auf diese Weise versorgt wurden, kam die mehrfache Anzahl hinzu. „Seit dem verstärkten Lockdown waren wir gehalten, unsere Abgabestelle wieder komplett zu schließen und alle betroffenen 109 Familien ausschließlich im Lieferdienst anzufahren“, erklärt Dagmar Zimmer.

Diese Umstellung bedeutete für die freiwilligen Helfer zusätzliche Mühe. Zwei oder drei Ehrenamtliche sind von Mittwoch bis Freitagvormittag dabei, die vorhandenen Nahrungsmittel in große Tragetaschen zu packen. Inzwischen gibt es für jeden registrierten Haushalt Taschen mit persönlichem Namensaufdruck.

Lieferfahrten sind zeitlich straff organisiert

Was sich die einzelnen Familien normalerweise aus den Vorräten selbst aussuchten, bestand meist aus ihrem gewohnten, ähnlichen Sortiment. Die aufmerksamen Helfer kennen also ihre Kunden schon sehr gut und bestücken die Taschen entsprechend. Natürlich gehören haltbare Lebensmittel wie Konserven, Reis, Nudeln oder H-Milch zum Standard – plus intuitiver Zugaben. Matthias Schneider bringt sich ebenfalls öfter als Lieferhelfer ein. „Die letzte Aktion im alten Jahr für alle Tafelkunden war die Weihnachtspaketausgabe im Gemeindehaus der Freikirchlichen evangelischen Gemeinde. An den Feiertagen und übers Jahresende fanden keine Lieferfahrten statt.“ Am gestrigen Freitag standen nun wieder etwa zehn Fahrer parat. Zeitlich straff organisiert, hole jeder von ihnen im Zehnminutenabstand seine etwa zwölf gepackten Tragetaschen im Tafelgebäude ab, jeweils für einen Burscheider Bezirk, berichtet Schneider.

Manchmal reagiere eine Familie auf das Klingeln nicht, dann versucht Schneider es auf dem Rückweg noch einmal – oder per Handy – und bringt zur Not die Lieferung wieder an Ort und Stelle.

Das Prozedere der Tragetaschen hat sich gut bewährt. Davon erzählt Tafel-Empfänger Reinhard Neumann. „Weil wir ebenfalls zur sogenannten Risikogruppe zählen, profitieren wir bereits seit Monaten von dem Lieferservice. Wenn es zwischen 12.30 und 14.30 Uhr klingelt, nehmen wir die guten Dinge entgegen und geben die leere Tasche der Vorwoche an den Boten zurück. Auch intakte Leerverpackungen, zum Beispiel Eierkartons, fügen wir bei.“

Sie hätten gehört, dass benutzte Taschen erst einmal für eine Woche in einem Lager deponiert werden, damit jegliche Gefahr einer Virusübertragung ausgeschlossen sei. So machen im Grunde immer drei familien-spezielle Taschen ihre Runde. „Die Helfer erledigen für uns auch die organisatorischen Dinge, wie Erhalt-Stempel“, sagt Neumann.

Wie es der Tafel möglich war, die gebremsten Monate zu überbrücken, erklärt Dagmar Zimmer: „Zum Glück konnten wir auf finanzielle Rücklagen zugreifen. Die Bethel-Stiftung hatte daran guten Anteil sowie der Lidl-Förder-Fond. So konnten wir sogar ein Luftreinigungsgerät und CO2-Melder anschaffen. Außerdem waren wir freudig überrascht, wie kulant einige Nahrungsmittelbetriebe ihre Ideen umsetzten und viele Burscheider Bürger spontan spendeten.“ Für die Gaben und die Anteilnahme wolle sie sich bedanken. Zudem profitiere die Tafel von der guten Kommunikation des bundesweiten Tafel-Netzes. „Da kann es sein, dass bei uns plötzlich Tiefkühlware ankommt, die in Aachen überzählig war.“

Dagmar Zimmer sieht die Burscheider Verhältnisse sehr positiv: „Ich weiß lediglich von etwa zehn Familien, die sich neu registrieren ließen.“ Auch in diesen sparsam bewirtschafteten Monaten gab es logischerweise Restbestände, schnell zu verbrauchende Waren. Sie gingen auf bewährtem Weg weiter, in die Nachbarstadt Wermelskirchen zur Organisation „food sharing“. Dort werden sie frei verteilt an alle Bedürftigen – ob Tafelkunden oder nicht.

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