Jeder Adventskalender hat seine eigene Geschichte

Ulrike Raupach zeigt ihre Sammlung an Adventskalendern. Foto: Doro Siewert
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Ulrike Raupach zeigt ihre Sammlung an Adventskalendern. Foto: Doro Siewert

Die Burscheiderin Ulrike Raupach erzählt von ihrer Sammelleidenschaft

Von Ursula Hellmann

„Hast du heut schon dein Adventstürchen aufgemacht?“ Marko schaut nicht gerade begeistert. „Wieder nur Bitterschokolade drin.“ Türchen-Kalender mit Zahlen von eins bis 24 im Glitzerbild - und dahinter ein süßes Häppchen? Solche Adventskalender sind für Ulrike Raupach kein begehrtes Sammelobjekt. In ihrem Haus werden seit vielen Jahrzehnten Vorweihnachtskalender aufbewahrt, von denen jeder eine eigene Geschichte hat. In dem breiten Sortiment ihrer Hobbys und Sammlerstücke nehmen die Kunstwerke aus Papier und Symbolik einen weiten Raum ein. Natürlich wissen sie und ihr Ehemann auch genauestens darüber Bescheid, wie und durch wen diese nette Sitte zur „Wartezeit-Überbrückung“ zustande kam. Was sie recherchierten, hielten sie in einer kurzen geschichtlichen Abfolge fest:

1851 erwähnte Elise Averdieck in einem Kinderbuch den Brauch, 24 weihnachtlich-religiöse Bilder an die Wand zu heften. Baumähnliche Holzgestelle wurden mit 24 Briefchen und Sprüchen geschmückt. Im 19. Jahrhundert malte man 24 Kreidestriche an eine Tür und wischte jeden Tag einen davon aus. 1904 wurde der erste Adventskalender gedruckt und von da an immer beliebter. Erst 1946 erhielt ein Stuttgarter Verlag die Druckerlaubnis der Amerikanischen Besatzungsbehörde für einen gemäldeartigen Kalender, in dessen Kulisse einer „kleinen Stadt“ die bekannten 24 Türchen zu öffnen waren.

Einer dieser hübschen Aufstellkalender spielte auch in Ulrike Raupachs Kinderzeit eine Rolle. Sie erzählt: „Als Vierjährige ging ich mit meinen Eltern 1948 in Köln über einen Weihnachtsmarkt. Trotz zerbombter Häuser und provisorischer Verkaufsstände war alles für mich bunt und abenteuerlich. Als Geschenk bekam ich einen Kalender und durfte jeden Tag eins der Fensterchen dieser »kleinen Stadt« aufklappen. Viele Jahre später waren mein Interesse und mein Bestand an solchen fantasievollen Darstellungen weihnachtlicher Szenen zu einer beachtlichen Sammlung angewachsen. Wo es ein Museum gab, das sich darauf spezialisiert hatte, besuchte ich es, wenn immer es mir möglich war. Inzwischen lagen auch einige geschichtliche Aufarbeitungen über das Thema ,Adventskalender‘ vor. So entdeckte ich im Museum Iphofen (Franken) plötzlich ein Buch, in dem mein Lieblingskalender abgebildet war. Die Geschichte darum herum war ebenfalls etwas ganz Besonderes.“

Sogar im Weißen Haus gab es ein Exemplar ihres Lieblingskalenders

Auf diese Weise erfuhr die Burscheiderin, dass diese deutsche Kinderfreude im Gepäck vieler ehemaliger Besatzungssoldaten nach Amerika gelangte. Ein Exemplar davon gab es sogar im Weißen Haus in Washington und machte den Enkeln des damaligen Präsidenten Dwight D. Eisenhower viel Spaß. Drei seiner Enkel sind in dem Buch abgebildet mit eben diesem deutschen Adventskalender.

Zu den Schätzen dieser Art gehört für Ulrike Raupach auch die historische Ausgabe des Kalenders von 1930 im aufwendigen Chromolithographieverfahren aus Leipzig. Geschichtliche Zeugnisse sind auch die Ausgaben von 1914 bis 1918 mit Flagge sowie Weihnachtsbäume mit Hakenkreuzschmuck in den Zweigen. Auch drei typisch gestylte Exemplare mit Wintermotiven und Geschenkbildern aus DDR-Produktion gehen in ihrer Gestalt weit über einen rein nostalgisch-romantischen Aspekt hinaus und zeigen viel vom Zeitgeistwandel der beiden vorigen Jahrhunderte.

Wenn das große Adventskalendersortiment und die Miniaturweihnachtshäuschen mit all ihrem fragilen Aufbau und Inhalt wieder für ein weiteres Jahr in geordneten Behältern verstaut wird, wird Ulrike Raupach den Platz mit ihrem seit zwanzig Jahren gepflegten Hobby als handwerkliche Künstlerin und Herstellerin von Stoff-Patchwork-Decken belegen.

Davon zeugt sogar der geschmackvolle Adventskalender mit den 24 bunten Täschchen, in denen lyrisch-winterliche Gedichte in Röllchen auf Leser warten. Was sich an weiteren Sammelobjekten in ihrem angestammten Elternhaus sonst noch findet, würde weitere längere Erwähnung verdienen. Symbolhaft verkörpert das ein Exponat, das sich in den Jahren mehr als verdoppelt hat: Aus 30 verschiedenen Christbaumständern wurden inzwischen 76 – in jeder Größe und Form.

Nach wenigen Jahren im lauten Berlin zog es das Ehepaar Raupach wieder ins bergische Heimatdorf und 1956 ins großelterliche Anwesen. Ulrike Raupach: „In der friedlich-angenehmen Nachbarschaft fühlen sich alle wohl aufgehoben.“

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