Corona-Krise

Jede Stadt muss sich erst um sich selbst kümmern

Die Burg in Bourscheid kann derzeit touristisch nicht besucht werden. Vor ein paar Jahren besuchten einige Burscheider die Partnerstadt. Archivfoto: Ralph Liebig
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Die Burg in Bourscheid kann derzeit touristisch nicht besucht werden. Vor ein paar Jahren besuchten einige Burscheider die Partnerstadt.

Auch die Partnerstädte Bourscheid und Egg haben mit der Corona-Krise zu kämpfen.

Von Katharina Birkenbeul

Am 5. Oktober 1968, also bereits vor über 50 Jahren, wurde die Städtepartnerschaft zwischen Burscheid und Egg im Bregenzerwald in Österreich geschlossen. Seit dem 19. Juni 2004 besteht auch die zweite Partnerschaft mit der gleichnamigen Kommune Bourscheid in Luxemburg. Aber wie geht es den Städten in der Corona-Krise?

„Es gibt schon eklatante Unterschiede in der Vorgehensweise mit dem Coronavirus in den anderen beiden Ländern, in denen unsere Partnerstädte zuhause sind“, erklärt Bürgermeister Stefan Caplan. In Österreich und damit auch in Egg seien die Inzidenzwerte extrem hoch. Nach Weihnachten ging das Land bereits in den dritten Lockdown seit Beginn der Krise. „Wir haben auch über die Situation in Altenheimen geredet. In Egg gab es keine Fälle; dagegen steht unser Kreis, in dem es sehr viele Fälle in Altenheimen gibt“, benennt Caplan einen markanten Unterschied. Zudem würden in Österreich zum zweiten Mal Massentests angeboten, damit auch für die rund 3 600 Einwohner der Partnerstadt Egg.

„Dass die Geschäfte dort offen haben, macht den Bourscheidern Sorgen.“
Bürgermeister Stefan Caplan

Im 1 700 Einwohner kleinen Bourscheid laufe es wieder ganz anders ab. Die Organisation rund um das Coronavirus sei dem Land überlassen. Die Kommunen selbst hätten keine formalen Aufgaben bei der Bekämpfung und Eindämmung des Virus. Die Stadtverwaltung wisse nicht einmal, welcher der Bourscheider Bürger sich in Quarantäne befände. Die Infektionszahlen seien ähnlich hoch wie in Burscheid. Aber: „Dass die Geschäfte dort offen haben, macht den Bourscheidern Sorgen“, sagt Caplan. Denn diese hätten eine Sogwirkung auf Menschen aus Deutschland in den Grenzgebieten. Anders sei auch die Organisation der Impfzentren. „Luxemburg hat damit begonnen, Impfzentren aufzubauen, so wie wir. Aber anstatt ein Impfzentrum pro kreisfreier Stadt oder Kreisstadt, gibt es in ganz Luxemburg nur drei Impfzentren“, erklärt Caplan das System.

Im zweiten Lockdown habe Caplan seine Hilfe beiden Partnerstädten angeboten, da die Kommune gut ausgestattet ist: Schutzkleidung, Masken, Schnelltests und Desinfektionsmittel sind in ausreichender Menge vorhanden. „Wir sind da mittlerweile supergut ausgestattet , die anderen kamen aber auch an alles dran“, zieht Caplan das Fazit aus den gemeinsamen Überlegungen der drei Städte, wie man sich gegenseitig helfen könnte. Auch Burscheid habe materielle Hilfe der Partnerstädte abgelehnt. „Der einzige Engpass, den wir zurzeit haben, ist beim Personal; dabei kann uns keiner unterstützen.“

Verändert habe sich die Städtepartnerschaft durch die Corona-Krise jedoch nicht. Der Kontakt zu Bourscheid ist enger, aber sowohl mit dessen Bürgermeisterin Annie Nickels-Theis als auch mit Eggs Bürgermeister Paul Sutterlüty versteht sich Stefan Caplan sehr gut. Der Bürgermeister tauscht sich regelmäßig mit Bourscheid und Egg aus. Dann jedoch meistens auf persönlicher Ebene. „Ich habe schon ein schlechtes Gewissen, wenn ich die Bürgermeister anrufe, weil sie sich dann eine halbe Stunde nicht um ihre Stadt kümmern können“, betont Caplan und fügt hinzu, dass besonders in der Krise den Stadtoberhäuptern eine Riesenlast aufgebürdet werde. Und diese zu stemmen, habe vor dem Austausch untereinander Priorität.

Von der Partnerschaft wünscht sich Stefan Caplan nichts für die Zukunft, denn an oberster Stelle stehe auch hier, dass sowohl Bourscheid als auch Egg die Corona-Krise meistern. Stattdessen wünscht er ihnen Gesundheit und freut sich dann darauf, durch Treffen vor Ort – wie normalerweise beim Stadtfest in Mai oder zur Einweihung städtischer Einrichtungen – den Austausch zu stärken. Denn eine Städtepartnerschaft lebe vom direkten Austausch – nicht über das Telefon – und das gehe nun mal aus bekannten Gründen derzeit nicht.

Beziehung zu Egg

Die partnerliche Beziehung zum österreichischen Egg ist nicht mehr so eng wie in früheren Jahren. Auf Städteebene passiere nicht viel. Das liege hauptsächlich daran, dass die Akteure, die die Freundschaft durch Vereinsarbeit am Leben hielten, nicht mehr da sind, sagt Caplan. Gebe es Interessierte, könne das aber wieder aufgenommen werden. Zudem habe Egg sich touristisch nicht weiterentwickelt, mittlerweile werde jedoch wieder stärker in Richtung Tourismus gegangen. Auch dann könnte sich wieder ein stärkerer Kontakt entwickeln, erklärt Stefan Caplan. Persönlich sei das Verhältnis zwischen den Bürgermeistern aber sehr gut.

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