Hochwasser

Irlermühle fühlt sich im Stich gelassen

Beim Starkregen wurde die Irlermühle überflutet: Wohnungen standen unter der Wasser, mehrere Autos sind abgesoffen.
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Beim Starkregen wurde die Irlermühle überflutet: Wohnungen standen unter der Wasser, mehrere Autos sind abgesoffen.
  • Markus Schumacher
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Der Starkregen löste eine Überschwemmung der Hofschaft aus - Von der Stadt habe es keine Hilfe gegeben.

Von Markus Schumacher

Burscheid. Über einen Meter hoch stand das Erdgeschoss von Petra Ullrich und Joachim Stock am 14. Juli unter Wasser. Auch andere Häuser in der Irlermühle waren stark betroffen. Schuld war wohl eine am Hang gelegene illegale Müllkippe aus den 1980er Jahren: Dort hatten sich bei dem Starkregen die Wassermassen aus dem Murbach erst gestaut und dann wie nach einem Dammbruch sturzflutartig über die Hofschaft ergossen. Viel Müll wurde dabei mit ins Tal geschwemmt.

Gemeinsam starteten die Anwohner sofort die Aufräumarbeiten. Von der Stadt Burscheid fühlten sie sich aber im Stich gelassen.

Schuld war eine illegale Müllkippe im Wald, vermuten die Anwohner. Der angeschwemmte und angefallene Müll wurde mittlerweile abgeholt.

„Zuerst hatten wir nach einer Bescheinigung für Hochwassergeschädigte gefragt“, berichtet Joachim Stock. Die wenig aufmunternde Antwort lautete: Dafür gebe es keine Rechtsgrundlage. Als eine Nachbarin um Hilfe bei der Müllentsorgung bat, klang die Antwort barsch: Sie möge sich doch um einen Container bei einem gewerblichen Entsorger kümmern. Stock war auch enttäuscht, dass er von Bürgermeister Stefan Caplan nichts gehört und gesehen habe, obwohl er ihn doch persönlich angeschrieben hatte. „Und dann mussten wir noch in der Presse lesen, dass Spenden, die in Burscheid für Flutopfer gesammelt worden waren, an das Rote Kreuz und eine Hilfsorganisation in Leichlingen weitergeleitet wurden“, berichtet Stock.

„Keine Mitbürgerin und kein Mitbürger muss sich von der Verwaltung im Stich gelassen fühlen.“

Renate Bergfelder-Weiss, Stadtsprecherin

„Natürlich kann ich die Situation und den Stress der Anwohner und jedes einzelnen Betroffenen nachvollziehen“, antwortet Stadtsprecherin Renate Bergfelder-Weiss auf Anfrage des Bergischen Volksboten. „Ich kann aber auch versichern, dass die Stadtverwaltung mit Bürgermeister Caplan immer bestrebt ist, ohne alle Einschränkungen zu helfen – gerade auch in solchen Notsituationen.“ Keine Mitbürgerin und kein Mitbürger müsse sich von der Verwaltung im Stich gelassen fühlen. „Nur manchmal geht es aufgrund zu beachtender Zuständigkeiten und gesetzlicher Grundlagen nicht ganz so fix, wie es die Betroffenen meist erwarten“, schränkt sie ein. „Unser ganzes Mitgefühl gilt den vom Hochwasser Geschädigten und ihren Familien und ein großer Dank allen Helferinnen und Helfern.“

Bergfelder-Weiss hat gute Nachrichten für die Irlermühle: „Die Anwohner erhalten zeitnah die beantragte Bescheinigung für Hochwassergeschädigte.“ Die Anfrage der Hofschaft habe nicht sofort beantwortet werden können, weil es dort aufgrund des Starkregens und seinen Folgen keinen Feuerwehreinsatz gegeben hatte. „Es wurde inzwischen aber intern geregelt, auf welcher nachvollziehbaren Grundlage Bescheinigungen für Betroffene ausgegeben werden.“

Vor zwei Tagen ist auch ein großes Fahrzeug von Revea aufgetaucht und hat den angeschwemmten sowie durch das Hochwasser angefallenen Müll abgeholt.

„Unser Antrag auf Soforthilfe wurde schnell bearbeitet“, berichtet Petra Ullrich, die 2000 Euro seien schon da. Nun sei es aber doch trotzdem wichtig zu erfahren, wer die wilde Müllkippe dort angelegt habe. „Da geht es ja auch um Haftbarmachung“, sagt Ullrich. Denn der Schaden sei ja immens. Ein Nachbar bräuchte zum Beispiel eine neue Heizungsanlage, Kosten rund 35 000 Euro. Von ihrer Familie selbst seien zwei Autos und ein Wohnmobil nach der Flut nur noch wirtschaftliche Totalschäden.

„Der Rheinisch-Bergische Kreis ist von der Stadt Burscheid informiert worden; er wird sich der Angelegenheit annehmen und das Thema Müllkippe in Irlermühle weiterverfolgen“, versichert Bergfelder-Weiss. Da es sich um unzulässige Abfalllagerungen auf Privatgrundstücken handele, nehme die untere Umweltschutzbehörde des Kreises solche Beschwerden und Anzeigen entgegen und prüfe den Sachverhalt. Bei unzulässigen Abfalllagerungen könnten diese ordnungsrechtlich geahndet werden. „Der Verursacher dieser wilden Müllkippe wird von der zuständigen Behörde ermittelt“, teilt die Stadtsprecherin mit.

Der Sohn von Ullrich und Stock hat aus Süddeutschland zwei Bautrockner besorgt, die in den vergangenen Tagen mehrere Hundert Liter Wasser aus den Wänden und Böden gezogen haben.

Webinare

Was Betroffene von Hochwasser und Starkregen wissen müssen, erklärt der Bund der Steuerzahler NRW in zwei kostenlosen Webinaren. Sie finden statt am 18. August, 12.30 Uhr, und am 24. August, 9 Uhr. Fragen können an die Referenten gestellt werden. Anmeldung online.

www.steuerzahler.de/nrw/webinare

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