Kunst

Intuitives Malen ist Entspannung vom Alltag

Stefanie Klein bietet in ihrem Atelier an der Höhe Straße 42 intuitives Malen an. Foto: Susanne Koch
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Stefanie Klein bietet in ihrem Atelier an der Höhe Straße 42 intuitives Malen an.

Lehrerin Stefanie Stein bietet seit zwei Jahren an der Höhestraße Kurse an.

Von Susanne Koch

Burscheid. Das Bild ist großformatig: Der schneebedeckte Osorno ragt darin vor einer großen Wasserfläche mit anschließendem Wald empor. „Ich habe das Bild nach einem Foto gemalt, das ich 1996 bei einer Chile-Reise gemacht hatte“, sagt Stefanie Stein. Ein bisschen japanisch angehaucht sieht das Gemälde aus. „Die Bäume sind in Wirklichkeit auch nicht lilafarben.“ Nicht immer malt sie nach Fotos. „Ich nehme mir auch schon mal einen Skizzenblock mit bei einem Spaziergang in die Natur.“ Oder sie malt das, was ihr in den Sinn kommt, im Atelier.

Stefanie Stein hat im November 2019 an der Höhestraße in Burscheid Räume gemietet. „Hier biete ich seitdem intuitives Malen an“, sagt sie. „Wöchentlich nur einen Kurs zur Entspannung zu meinem beruflichen Alltag an der Hilda-Heinemann-Schule in Remscheid.“ An der Förderschule arbeit sie seit 1997. „Ich gebe dort an der Förderschule für geistige Entwicklung alle Fächer, studiert habe ich aber Kunst und Deutsch.“

Den Kurs, der immer mittwochabends stattfindet, besuchen derzeit vier Personen. „Der letzte Teilnehmer ist erst seit kurzem dabei“, sagt sie. Das reiche jetzt aber auch, sonst wäre die Kapazität der Räume überlastet. Stefanie Stein hat sich angewöhnt, mit ihren Teilnehmern zusammen zu malen. „Sonst würde ich hier nur herumstehen und das würde mich langweilen und wäre auch für den Kurs nicht gut.“ So entstehen bei ihr auch immer wieder intuitive Bilder.

Malen ist eine Grundfähigkeit, die jeder Mensch beherrscht, genau wie das Singen.

Stefanie Stein

Und darum geht es in dem Kurs, um intuitives Malen. „Ich bin davon überzeugt, dass jeder Mensch malen kann“, sagt sie. „Auch wenn er nicht unbedingt ein Picasso oder Frida Kahlo ist. Malen ist eine Grundfähigkeit, die jeder Mensch beherrscht, genau wie das Singen.“ Jeder Mensch habe ein Gespür für Farben, die er liebt, und jeder Mensch könne sich mit Farben ausdrücken, ganz intuitiv. Beim intuitiven Malen gehe es nicht um das Werk an sich. „Es geht um den Prozess, um das was beim Entstehen passiert.“ Wenn die Kursteilnehmer zu unsicher sind und nicht wissen, was und wie sie etwas machen sollen, dann gibt sie ihren Schülern einen Auftrag. „Beispielsweise sollen sie dann erst einmal den Hintergrund auftragen“, sagt sie. „Und dann kommen weitere Schritte hinzu.“

Das Arbeitsmaterial stellt sie im Atelier. „Wir malen mit Acrylfarben“, sagt sie. „Acrylfarbe trocknet schnell und lässt sich dadurch schnell weiter ver- und bearbeiten. „Denn wir malen oft viele Schichten übereinander.“ Und auf Acrylfarbe könne man anschließend noch mit Pastellfarbe weitermalen, es lässt sich Sand einarbeiten oder Pulver darüber sprühen. Acrylfarbe sei daher ideal für das, was beim intuitiven Malen verlangt werde. Wenn sie ihre Teilnehmer beim Malen beobachte, erkennt sie genau, wann diese im Flow sind. „Dann haben sie alles um sich herum vergessen und geben sich nur noch dem Malprozess hin“, sagt Stefanie Stein. „Dann sind sie angekommen.“

Im Atelier stehen und hängen nicht nur die Bilder der Kunstlehrerin. Sie bewahrt dort auch immer die aktuellen ihrer Teilnehmerinnen und Teilnehmer auf. „Ich finde es wichtig, dass wir uns auch darüber austauschen“, sagt die 53-Jährige. „Denn auch das Reden hilft, die Bilder, das, was in einem selbst beim Malen passiert ist, zu verstehen.“ Stefanie Stein freut sich über die Entwicklung ihrer Schülerinnen und Schüler. „Eine meiner Kursteilnehmerinnen hat jetzt ihr Haus mit ihren Werken geschmückt“, sagt Stefanie Stein. „Und das finde ich einen sehr schönen Entwicklungsschritt. Sie zeigt ihre Bilder jetzt gerne her und präsentiert sie in ihren vier Wänden der Öffentlichkeit.“

Stefanie Stein selbst hatte in der Vergangenheit ein paar kleinere Ausstellungen organisiert. „Nicht in einer Galerie“, erzählt sie. „Sondern in privatem Rahmen, in kleinerem Kreis.“ Auch an den Wänden in der Höhestraße hängen Bilder von ihr und in dem kleinen lichtdurchflutetem Zimmer, wo sie sich mit ihren Teilnehmerinnen und Teilnehmern zum Teetrinken und Miteinandersprechen zurückzieht.

Kontakt: Tel. (01 78) 1 34 81 92

Intuitives Malen

Beim intuitiven Malen geht es zunächst erstmal um den Entstehungsprozess, nicht um das Werk am Ende. Wobei das auch nicht ganz richtig ist. Ein Bild kann viel erzählen. Wer intuitiv malt, weiß zu Beginn nicht, wie das Bild am Ende aussehen wird – es muss auch nicht besonders schön sein oder irgendwelchen ästhetischen Ansprüchen genügen. Während des Malens wächst ein Bild, welches aus den Gefühlen, spontanen Impulsen und Entscheidungen des Künstlers entsteht. Zum Schluss spiegelt es die momentane Seelenlage oder Haltung zu einem Thema wieder. So gesehen ist das Bild, das sichtbare Ergebnis des Schaffens, doch nicht unbedeutend. Das fertige Werk kann aber einfach nur die Freude am Malen ausdrücken.

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