Bildung

Interreligiöser Unterricht verbindet

(v.l.n.r.): Rahel Knebel, Esra Özden , Präses Dr. Thorsten Latzel, Frank Schnitzler, Sascha Flüchter, Dezernent, und Angelika Büscher, Schulleiterin.
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(v.l.n.r.): Rahel Knebel, Esra Özden , Präses Dr. Thorsten Latzel, Frank Schnitzler, Sascha Flüchter, Dezernent, und Angelika Büscher, Schulleiterin.
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Dr. Thorsten Latzel, Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, besucht die Johannes-Löh-Gesamtschule.

Von Susanne Koch

Das Thema Bildung steht das nächste Mal im Mittelpunkt der Landessynode, die vom 15. bis 20. Januar stattfindet. Zur Vorbereitung zieht Präses Dr. Thorsten Latzel derzeit von Institution zu Institution. Gestern besuchte er die Johannes-Löh-Gesamtschule in Burscheid. Die Schule ist in evangelischer Trägerschaft und wurde 2014 gegründet.

Von Anfang an wurde neben evangelischen und katholischen auch muslimischer Religionsunterricht gegeben. „Und vor allem haben wir ein interreligiöses Konzept an der Schule entwickelt“, sagt Schulleiterin Angelika Büscher. „Wir haben die Überschneidungen der verschiedenen Religionen identifiziert“, sagt sie. „Und dann in das Konzept Jahrgangsstufe für Jahrgangsstufe eingearbeitet.“ So könnten die Schülerinnen und Schüler auch durch das Fremde noch viel von der eigenen Religion und Weltanschauung lernen.
Dr. Thorsten Latzel ist angenehm überrascht, wie liebevoll er in der Schule empfangen wurde. „Man merkt deutlich, dass Religion das gesamte Miteinander in der Schulgemeinschaft prägt. Und wie Religionsvermittlung Begegnungen schaffen kann.“ Viele Vorurteile und Vorbehalte könnten so abgebaut werden. Berührungsängste würden kleiner. „Hier lernen die Schülerinnen und Schüler durch die authentische Begegnung sowohl die Gemeinsamkeiten, aber auch die Unterschiede kennen.“

Die Schülerinnen und Schüler des sechsten Schuljahres bereiten sich gerade auf die Jesus-Rallye vor, die sie in den kommenden Wochen durchführen. „Sie besuchen die evangelischen, katholischen, freikirchlichen und muslimische Gemeinden in Burscheid. „Übrigens: So erfahren sie auch viel über Jesus“, sagt die muslimische Religionslehrerin Esra Özden. „Denn was viele nicht wissen, Jesus spielt auch im Islam eine bedeutende Rolle. Er ist ein Prophet im Islam. Jesus wird im Koran aber nicht in einer Krippe geboren, sondern unter einer Dattelpalme.“

Im fünften Schuljahr stehe das Thema Schöpfung auf dem Stundenplan. In den siebten Klassen befassen sich die Schülerinnen und Schüler mit dem Thema Fasten in den Religionen. In den neunten Klassen gebe es auch Exkursionen zu hinduistischen und indischen Tempeln sowie zu einer Synagoge. Und in den zehnten Klassen befassen sich die Jugendlichen mit dem Thema Sterben und Tod in den unterschiedlichsten Religionen.

Die Schülerinnen und Schüler bekämen so über die vielen Schuljahre eine immer größere Sicht auf die eigene Herkunft und die ihnen fremden Religionen. „Das ist wichtig in einer multireligiösen Gesellschaft, wie wir sie heute sind“, sagt Schulleiterin Angelika Büscher. „Wir leisten oft auch Aufklärungsarbeit“, sagt Esra Özden.

Der Wert ist für Schülerinnen, Schüler und ihre Eltern hoch

Schülerinnen und Schüler, aber auch die Eltern schätzten diese Arbeit hoch ein. „Sie fühlen sich von uns Wert geschätzt“, sagt Angelika Büscher. „Und wenn sie tatsächlich einmal nicht glauben, was sie von ihren Kindern berichtet bekommen, klären wir das in einem Gespräch in der Schule auf.“

Amir Djeladini, der zweite islamische Religionslehrer an der Schule, sei sehr geachtet. „Er hat vorher als Imam gearbeitet“, sagt Esra Özden. „Auf seine Worte wird sehr viel gegeben.“ Sie habe die Segnung der abgehenden Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen als sehr berührend erlebt. „Die Pfarrerin Annerose Frickenschmidt habe den Segen für die christlichen Jugendlichen gesprochen und Imam Amir Djeladini für die muslimischen.“

„Das Burscheider Modell könnte ein Vorbild für andere Schulen in Nordrhein-Westfalen werden“, sagt Präses Dr. Thorsten Latzel. „Wir brauchen Religion. Und deshalb müssen wir uns in dieser Gesellschaft auch mit dem Fremden auseinandersetzen, um uns verstehen zu lernen und voneinander am Ende zu profitieren.“

Hintergrund

Die Johannes-Löh-Gesamtschule ist in evangelischer Trägerschaft. Sie wurde 2014 gegründet. Die Schule besuchen derzeit 840 Schülerinnen und Schüler. Sie sind so bunt gemischt wie die Bevölkerung. Von Anfang an wurde an der Schule neben katholischen und evangelischen auch islamischer Religionsunterricht gegeben. Und wichtig ist der Schule besonders interreligiöser Unterricht sowie die Vereinbarung Schule gegen Rassismus – Schule für Courage.

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