Lebensmittel kommen von der Tafel

Interkulturelle Kochgruppe trifft sich im Burscheider Tri-Café

Beim Gemüseschnippeln – Feldsalat, Paprika, Chicorée (v. l.): Hannelore Schmiss, Fatima Al Abdullah und Ansaf Aljafaan. Foto: Doro Siewert
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Beim Gemüseschnippeln – Feldsalat, Paprika, Chicorée (v. l.): Hannelore Schmiss, Fatima Al Abdullah und Ansaf Aljafaan.

Ein neues Zuhause hat ab September die bisher in Hilgen beheimatete Interkulturelle Kochgruppe. Sie trifft sich statt zuvor im Evangelischen Gemeindezentrum Dünweg nun im Burscheider Tri-Café.

Von Claudia Radzwill

In der integrativen und interkulturellen Begegnungsstätte in der Villa an der Bürgermeister-Schmidt-Straße 25 wird wöchentlich der Kochlöffel geschwungen. Die Interkulturelle Kochgruppe wurde vor vier Jahren gegründet. „Wir wollten ein multi-kulturelles niederschwelliges Angebot schaffen“, sagt Hannelore Schmiss, die mit ihrem Mann Peter und Brigitte Berger die Kochgruppe betreut. „Beim Kochen kommen alle ganz ungezwungen ins Gespräch und die Neubürger haben eine gute Gelegenheit, über eine gemeinsame Aktivität ein wenig Deutsch zu lernen.“

„Momentan sind wir weniger, da einige eine Arbeit gefunden haben, andere am Montagmorgen einen Sprachkurs besuchen.“

Hannelore Schmiss, Prädikantin

Derzeit machen drei Frauen, die aus Syrien kommen, bei der Kochgruppe mit. In der Vergangenheit fanden hier schon Menschen aus Afghanistan, aus dem Irak, aus Äthiopien und dem Iran und Myanmar zusammen. „Momentan sind wir weniger, da einige eine Arbeit gefunden haben, andere am Montagmorgen einen Sprachkurs besuchen“, sagt Prädikantin Hannelore Schmiss. Jeden Freitagabend wird bei der Burscheider Tafel an der Montanusstraße all das abgeholt, was dort übriggeblieben ist, erzählt sie. Daraus zaubert die Kochgruppe am Montag dann ein leckeres Essen. „Wir treffen uns immer um 10 Uhr, dann sichten wir alle zusammen, was wir haben und entwickeln ein Gericht.“

So gab es kürzlich „Arme Ritter“ – und Bratäpfel. Etwas, was die Syrerinnen bis dato nicht kannten. Doch wer hier mitmacht, zeigt sich offen für Neues. „Viele Gemüsesorten kennen die Neubürger gar nicht“, sagt Hannelore Schmiss. „Vielfach bleiben daher bei der Tafel auch diese Lebensmittel übrig.“ Wie Rosenkohl, Rhabarber oder Kürbisse.  „Spargel ist auch gänzlich unbekannt,“ sagt die Initiatorin. Dann heißt es: Der Gruppe erst einmal zeigen, wie Spargel geschält wird – und was daraus gemacht werden kann. Auf dem Speiseplan stand anschließend Spargelsuppe und Spargelkuchen. Das schmeckte allen, erzählt Hannelore Schmiss. Und: „Wenn Neubürger hier etwas Neues kennenlernen, und sie wissen, was sie daraus kochen können, dann nehmen sie das Gemüse wiederum bei der Tafel mit“, weiß Hannelore Schmiss aus Rückmeldungen vom Tafel-Team.

Jeder und jede bringt beim Kochen aber auch eigene Ideen mit ein – und so kommen auch mal außergewöhnliche Mahlzeiten auf den Tisch. Verfeinert mit orientalischen Gewürzen, zum Beispiel. „Bisher war immer alles essbar und auch lecker“, versichert Hannelore Schmiss.

In der Kochgruppe herrscht Gleichberechtigung. Frauen und Männer – auch die gab hier schon – schnibbeln, kochen zusammen, waschen ab und sitzen gemeinsam am Tisch. „Es gibt Kulturen, die ein anderes Rollenverständnis haben. Aber wer in Deutschland leben möchte, der muss sich integrieren können“, sagt Hannelore Schmiss.

Gegenseitiger Respekt sei in der Gruppe wichtig, auch Toleranz gegenüber anderen Religionen. Allerdings: „Schweinefleisch und Alkohol gibt es bei uns nicht. Hier nehmen wir Rücksicht. Das fällt uns nicht schwer und ist auch gesund.“ Einziger Wermutstropfen: Derzeit hat auch die Burscheider Tafel nicht mehr so viele Lebensmittel übrig – alles wird teurer und die Coronakrise mit ihren sozialen Folgen wirkt sich aus. Jeder, der bei der Kochgruppe mitmacht, zahlt einen kleinen Obolus von einem Euro fürs Essen. „Für das Geld kaufen wir dann einige Lebensmittel oder Gewürze fürs nächste Essen dazu.“ Die Kochgruppe ist ein offener Kreis.

Prädikantin Hannelore Schmiss betont: „Jede Nationalität ist jederzeit herzlich willkommen. Wer Lust hat, kann sich melden. Unsere einzige Voraussetzung ist: die Bereitschaft, sich auf eine multi-kulturelle Gemeinschaft einzulassen.“ Sie ist mit ihrem Mann seit 2015 in der Flüchtlingshilfe vor Ort tätig und hat zuvor selber drei Jahre in Jordanien gelebt.

Angebot

Montags zwischen 10 und 13 Uhr wird im Tri-Café an der Villa Bürgermeister-Schmidt-Straße 25 gekocht. Wer mitmachen will, kann sich bei Hannelore Schmiss melden, unter Tel. (0 21 74) 6 44 76.

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