Arbeiten

Die Innenstadt putzt sich weiter heraus

Der Innenstadtpark West, auch „Alter Friedhof“ genannt, gehört (noch) nicht zu Burscheids schönsten Ecken. Archivfotos: Nadja Lehmann
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Der Innenstadtpark West, auch „Alter Friedhof“ genannt, gehört (noch) nicht zu Burscheids schönsten Ecken.
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Baubetriebshof hat auf dem Alten Friedhof mit vorbereitenden Arbeiten begonnen.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Lauschig wirkt sie nicht, auch nicht unbedingt einladend: Wer die Grünfläche entlang der viel befahrenen Friedrich-Goetze-Straße nicht kennt, wird eher achtlos an ihr vorbeigehen und sie nicht als Park wahrnehmen. Dabei firmiert sie genau als ein solcher und trägt den Namen „Innenstadtpark West“. Oder auch „Alter Friedhof“ – denn 1847 kaufte die Stadt zwischen Bürgermeister-Schmidt-Straße und der Friedrich-Goetze-Straße eine Parzelle zur Anlegung eines neuen Friedhofes. „Mit den Beerdigungen wurde 1849 begonnen“, schrieb Marie-Luise Mettlach, Expertin für Burscheids Historie, 2011 in einem Beitrag für den „Bergischen Volksboten“. Bis 1933 wurde der Friedhof belegt. Die Nationalsozialisten nutzten den Alten Friedhof, seit 1876 ein neuer Friedhof an der Altenbergerstraße zur Verfügung stand, für Kriegerehrungen. „Sie stellten dort ein mit großem Pomp eingeweihtes Denkmal von Ernst Kunst auf, das heute spurlos verschwunden ist“, so Mettlach. Die Gräber wurden eingeebnet oder in den Friedhof an der Altenberger Straße überführt.

Der Ein-Mann-Bunker steht unter Denkmalschutz und wird in den neuen Innenstadtpark integriert.

Nun rückt dieser „Alte Friedhof“ in den Mittelpunkt einer Umgestaltung, die bereits angelaufen ist. Die Mitarbeiter des Baubetriebshofs haben Mitte Januar begonnen, Beton- und Wegeplatten zu entfernen. „Außerdem werden die Bänke abmontiert und die Mülleimer entfernt. Also alles das, was zum Mobiliar gehört“, sagt Stadtsprecherin Renate Bergfelder-Weiss. Und ergänzt: „Die schönen, großen, alten Bäume aber bleiben natürlich.“ Derzeit ist der Park wegen dieser Arbeiten mitsamt seinen Zuwegungen gesperrt.

Sie sind nur der Auftakt zu einer großen Innenstadt-Baumaßnahme, die ins IEHK 2025 (Integriertes Entwicklungs- und Handlungskonzept) eingebettet ist. Neben dem Innenstadtpark wird auch der parallel zur Trasse verlaufende Gartenweg umgestaltet und wird der Panorama-Radweg mittels einer Trasse an die Innenstadt angebunden. Später dann schließt sich der Umbau der mittleren Hauptstraße an.

Im vergangenen Jahr wurde an der Trasse bereits der Hang freigeschnitten. Dort soll die Rampe entstehen.

Ursprünglich hatte die Stadtverwaltung am „Alten Friedhof“ mit einem Baubeginn im Frühjahr 2020 gerechnet. 2019 hatte man nämlich den IEHK-Fahrplan geändert, hatte Markt und Kirchenkurve in die Warteschleife geschickt und die Umgestaltung der westlichen Stadtachse vorgezogen. Eine erste Ausschreibung für die Arbeiten im Innenstadtpark verlief indes im Sande. „Wir bekamen kein Angebot“, sagt Renate Bergfelder-Weiss. Es folgte eine erneute und im zweiten Anlauf erfolgreiche Ausschreibung. „Den Zuschlag bekam die Remscheider Firma Dohrmann“, berichtet Bergfelder-Weiss.

Entstehen soll ein Generationenpark

Aus der unscheinbaren Grünfläche soll ein Generationenpark werden, der mit hoher Aufenthaltsqualität punktet – ein Rückzugsraum zum Spielen, Lernen, Austoben. Mit dazu beitragen soll ein insektenfördernder Duft- und Sinnesgarten. Das Wegenetz wird neu angelegt, das vorhandene Boulefeld integriert. Es soll Grünflächen zum Austoben geben. „Die Rasenfläche wird modelliert, um dort Ruhe- und Liegezonen zu schaffen“, sagt Bergfelder-Weiss.

Neben dem Boulefeld wird auch der „Ein-Mann-Bunker“ bleiben, der unter Denkmalschutz steht. „Ein Relikt aus dem Zweiten Weltkrieg“, sagt die Sprecherin der Stadtverwaltung. Früher wären diese Ein-Mann-Bunker über ganz Burscheid verteilt gewesen. Ein beklemmendes Monument aus düsteren Zeiten: Der Unterstand reichte für eine Person und sollte bei Fliegeralarm vor den Bombenangriffen schützen. „Der Ein-Mann-Bunker bekommt im Park einen neuen Standort und eine Hinweistafel zu seiner Geschichte“, sagt Bergfelder-Weiss.

Der Gartenweg ist eine wichtige fußläufige Verbindung zwischen der Straße Auf dem Schulberg mit der Johannes-Löh-Gesamtschule und der Innenstadt. Er bekommt eine neue Asphaltdecke. Auch das gehört zum Paket „Innenstadtpark West“.

Und nicht länger sollen die Fußgänger und Radfahrer auf der Trasse Burscheid nur streifen. Sie sollen in die Innenstadt gelockt werden – mittels einer 2,50 Meter breiten Rampe, die sich von der Trasse zur zentralen Brücke auf der Hauptstraße emporschwingt. Von dort aus geht es dann zügig nach links Richtung Markt und nach rechts Richtung Sparkasse – oder für erschöpfte Biker zu diversen Imbissen, Bäckereien und zum Cafe Arnz. „Der nächste Schritt ist dann die mittlere Hauptstraße“, blickt Bergfelder-Weiss in die Zukunft. Dann soll dort der gegenläufige Radverkehr („Viele machen es jetzt schon“) endgültig legalisiert werden.

Masterplan

Ziel der Baumaßnahmen des IEHK ist nicht nur, die Stadt attraktiver zu machen, sondern ihr auch die entsprechende Frequenz zu vermitteln. Das Krefelder Büro „Kraft.Raum“ beziffert die Kosten für die Umgestaltung des Innenstadtparks mit 430 000 Euro. Gefördert werden 70 Prozent.

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