Bei der Infrastruktur hinkt die Stadt hinterher

Neue Unternehmen sollen unter anderem im Gewerbegebiet Straßerhof angesiedelt werden, das von der Firma Dohrmann aus Remscheid erschlossen wird. Archivfoto: Doro Siewert
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Neue Unternehmen sollen unter anderem im Gewerbegebiet Straßerhof angesiedelt werden, das von der Firma Dohrmann aus Remscheid erschlossen wird. Archivfoto: Doro Siewert

Wahlprüfsteine: Wie kann Burscheid für weitere Unternehmen attraktiv werden und sich zukunftsfest aufstellen?

Von Nadja Lehmann und Leon Hohmann

Für den 13. September sind die Burscheider aufgerufen, bei der Kommunalwahl Bürgermeister, Stadtrat, Landrat und Kreistag zu wählen. Der BV hat dazu Wahlprüfsteine formuliert: Fragen, die den demokratischen Parteien zugegangen sind. Heute geht es um die Wirtschaft.

Frage: Burscheid hat starke Unternehmen vor Ort. Corona hat viele von ihnen jedoch gebeutelt. Wie kann man für weitere Unternehmen attraktiv werden und sich zukunftsfest aufstellen?

CDU: Die Attraktivität als Wirtschafts- und Gewerbestandortes zu steigern, ist ein Schwerpunkt der CDU. Hierzu gehört sowohl die maßvolle Entwicklung weiterer Gewerbegebiete wie in Straßerhof, um die Grundlage für einen gesunden Branchenmix zu schaffen, was wiederum Arbeitsplätze sichert und generiert. Auch der Ausbau von Infrastruktur ist bedeutsam, wie das Thema Breitbandversorgung zeigt. Weite Teile von Burscheid waren internetmäßig unterversorgt, ein Problem sowohl für Gewerbetreibende wie für Privathaushalte. Uns ist es gelungen, eine nahezu flächendeckende Versorgung sicherzustellen. Es gilt, diese fortzuentwickeln, damit eine Vernetzung der industriellen Infrastruktur möglich ist. Büroarbeitsplätze und Coworking-Spaces für Freiberufler oder Start-ups sollen geschaffen werden. Außerdem kommen wir den Unternehmen bei Herabsetzungs- oder Stundungsanträgen der Gewerbesteuer weit entgegen. Auch halten wir an der niedrigsten Grundsteuer B im Kreis fest.

SPD: Warum entscheiden sich Unternehmen, einen vorhandenen Standort zu wechseln? Die vorhandene Fläche reicht nicht mehr aus. Die Verkehrsanbindung wird besser. Fachkräfte sind vor Ort vorhanden. Der Gewerbesteuersatz ist günstiger. Ihre Kundenstandorte liegen näher. Unsere Gewerbeflächen sind überschaubar. Unser Gewerbesteuersatz ist nicht der Beste. Unsere Verkehrsanbindung wäre gut, wenn die bekannte „Brücke“ fertiggestellt ist. Wir denken, dass es uns gelingen muss, kleine und mittlere Unternehmen, die bereits in der Region ansässig sind, zu bewegen, nach Burscheid zu kommen. Durch den Zuzug vieler junger Familien wächst das Potenzial an Arbeitnehmern. Je weniger Transferzeiten, je besser, ist heute ein wichtiger Grund für Arbeitnehmer und -geber. Wir sollten unser Augenmerk auch auf den Tourismus lenken und versuchen, in dieser Branche zu punkten. Wir leben in einer ländlichen Region, die eine Menge zu bieten hat. Das Radwegenetz bietet mittlerweile viele Möglichkeiten. Hier sollten wir uns interkommunaler aufstellen.

Bündnis für Burscheid: Entscheidungen in Folge einer Pandemie werden nicht in Burscheid getroffen. Dennoch: Burscheids wirtschaftsstrukturelles Problem wird dann noch größer und trifft die Stadt umso härter. Wir sind zu sehr von der Automobilindustrie abhängig, die sich immer größeren Herausforderungen gegenübersieht. Wir hoffen in Zukunft auf einen stärkeren Branchen-Mix durch das Gewerbegebiet Straßerhof, dessen Ausweisung wir unterstützt haben. Um als Wirtschaftsstandort attraktiv zu sein, kommt es auf eine gute Infrastruktur an. Und die kann Burscheid außerhalb seiner Grenzen kaum beeinflussen, Stichwort Rheinbrücke. Was wir aber beeinflussen können, ist die städtischen Abgabenpolitik. Das heißt: keine höheren Grund- und Gewerbesteuern. Wichtiger als die Gewerbesteuer ist für Unternehmen eine niedrige Grundsteuer. Die spielt für Betriebe mit großen Grundstücken eine größere Rolle.

Bündnis 90/Die Grünen: Burscheid bietet für Unternehmen eine gute Infrastruktur. Der Netzausbau hat sich zu einem entscheidenden Wirtschaftsfaktor entwickelt, der mehr beworben werden muss. Eine gute Infrastruktur ist vorhanden. Die Stadt empfängt Gründer mit offenen Armen; es gilt, weiterhin eine gute Anlaufstelle zu sein und Neuem alle Chancen zu bieten.

UWG: Aus der heutigen Sicht war es ein Fehler, im Gewerbegebiet Kuckenberg/Massiefen einen Großkonzern mit einem riesigen Flächenverbrauch anzusiedeln. Handwerksbetriebe und kleinere Dienstleister hätten mehr Arbeitsplätze geschaffen, einschließlich Gewerbesteuer.

FDP: Die Verbesserung der Attraktivität der Stadt im Bereich Kindertagesbetreuung, Schule und Freizeit bedeutet zugleich eine Verbesserung der Konkurrenzsituation der Unternehmen in Bezug auf Mitarbeitergewinnung. Darüber hinaus sind die Verkehrsinfrastruktur sowie die Vernetzung der Verkehrsmittel (Rad, Pkw, ÖPNV) zu verbessern. Dies kann ebenso ein Standortvorteil sein, wie die Erhaltung der Gewerbesteuersätze auf einem günstigen Niveau im Vergleich zu anderen Gemeinden.

Anmerkungen

Angefragt wurden die Parteien, die im Rat sitzen. Auch die Linke wurde angefragt. Sie hat nicht geantwortet. Zur besseren Lesbarkeit des Textes wurde die männliche Form für alle Personenbezeichnungen gewählt.

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