Im Wald gelten andere Gesetze als im Garten

Förster Karl Zimmermann betreut für den Landesbetrieb Wald und Holz den Burscheider Wald.Archivfoto: Nadja Lehmann
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Förster Karl Zimmermann betreut für den Landesbetrieb Wald und Holz den Burscheider Wald.Archivfoto: Nadja Lehmann

BV-Leser ist empört über Fällaktion zur Brutzeit zwischen Rosenkranz und Eschhausen

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Der BV-Leser ist entsetzt. In unmittelbarer Nähe werde Wald abgeholzt: „Mitten in der Brutzeit“, schreibt er empört an diese Zeitung. Dort seien seltene Vogelarten daheim, Bunt- und Grünspechte, Kleiber sowie Eichhörnchen: „Es ist so furchtbar, wenn man auf dem Balkon sitzt und schreiende panische Spechte herumfliegen sieht, die Angst um ihre Babys haben“, beschreibt der Leser die Situation im Wald zwischen Rosenkranz und Eschhausen. Und fragt: „Dürfen Privatleute denn alles und müssen sich nicht an Gesetze halten?“

Es ist Privatwald, wie Stadtsprecherin Renate Bergfelder-Weiss bestätigt. „Die Stadt hat dort lediglich ganz kleine Grundstücke.“ Und Karl Zimmermann kennt den Wald: Der Förster betreut für den Landesbetrieb Wald und Holz NRW rund 1600 Hektar Fläche in Leverkusen, Leichlingen, Langenfeld und Monheim. Und Burscheid mit rund 500 Hektar, das er zusätzlich von einem langfristig erkrankten Kollegen übernommen hat.

Er kann die Empörung des BV-Lesers durchaus nachvollziehen. „Es ist schwer zu vermitteln, dass der Gehölzschnitt im eigenen Garten in der Fortpflanzungszeit der heimischen Tierwelt nicht erlaubt ist – und hinterm Zaun und sogar im Landschaftsschutzgebiet aber doch.“ Denn die Gesetzeslage sei eindeutig: Im Wald darf gefällt werden. Auch in der Fortpflanzungszeit. Die strengen Vorschriften, die den Beschnitt von Gebüschen, Hecken und Gehölzen zwischen März und September verbieten, greifen vor allem außerhalb des Waldes. „So ist die Rechtslage, wie sie die Gesetzgebung vorsieht“, sagt Zimmermann. „Wir machen nicht die Gesetze. Wir sind Verwaltung.“ Die Begründung für die Ausnahmestellung des Waldes: Während in den Gärten Gehölze regelmäßig zurückgeschnitten würden, gebe es im Wald langjährige Ruhephasen, in denen kein Baum gefällt werde: Damit komme es seltener zu Störungen der Tiere in der sensiblen Fortpflanzungsphase.

Er hätte, gibt Förster Zimmermann offen zu, den Wald auch lieber im Winter gefällt. „Aber ich habe dafür nicht genug Manpower“, sagt er mit Blick auf die zu betreuenden Flächen und das Team, das sie bewirtschaftet. „Die Kapazitäten sind begrenzt. Wir haben es im Winter nicht geschafft.“ Regeln zum Artenschutz gelten im Wald gleichwohl: „Ich bin vor der Fällung durchgegangen und habe nichts Brütendes gesehen“, sagt Zimmermann. Bis auf eine Eiche, auf der Spechte leben würden: „Damit ist klar: Der Baum bleibt stehen.“

„Es ist schwer zu vermitteln, dass der Gehölzschnitt im eigenen Garten in der Fortpflanzungszeit der Tierwelt nicht erlaubt ist – und hinterm Zaun und im Landschaftsschutzgebiet aber doch.“

Karl Zimmermann, Förster

Der Grund für die Fällung: Einmal mehr der Borkenkäfer, der den durch Trockenheit und Dürre geschwächten Bäumen, vor allem den Fichten, quasi den Rest gibt. „Einige Bäume in dem Waldstück hatten sogar noch grüne Nadeln. Aber es fielen immer mehr ab“, berichtet Zimmermann. „Damit weiß ich, dass oben bereits der Käfer drin ist.“ Das Waldstück sei von Häusern umgeben, es sei deshalb nur schwer möglich, einen Restbestand stehenzulassen, erklärt Zimmermann. Dieser werde instabil: „Und die Gefahr ist groß, dass er irgendwann im Garten liegt.“ Mehr gefällt werde zwischen Rosenkranz und Eschhausen nun nicht mehr, sagt der Förster. „Die Arbeiten sind abgeschlossen.“

Hintergrund

Das Regionalforstamt Bergisches Land ist eines von 16 Forstämtern des Landesbetriebs Wald und Holz NRW. Es ist für eine Gesamtwaldfläche von rund 76 000 Hektar zuständig. Das Gros des Waldes ist mit rund 79 Prozent Privatwald, auf den Landeswald entfallen lediglich 9,3 Prozent. Burscheid zählt gemeinsam mit Odenthal zum Forstbezirk Altenberg. Dieser umfasst Staatswald ebenso wie Privatwald im Besitz der Sayn-Wittgensteins.

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