Aus ihrem Hobby wurde schnell Kunst von Format

Edith Doussier gehörte zu den Gründern der Aktion „Kunst im Schaufenster“.Foto:Petra Doussier
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Edith Doussier gehörte zu den Gründern der Aktion „Kunst im Schaufenster“.Foto:Petra Doussier

Edith Doussier starb im Alter von 93 Jahren – ihre Kurse an der VHS waren stets ausgebucht

Von Ursula Hellmann

Bottrop am 5. Oktober 1926 - und die zweijährige Tochter des Ehepaars Brumetz staunte ihre neugeborene Schwester Edith an. Fast erwachsen, machte sich der politische Umbruch auch für die Situation der kleinen Familie bemerkbar. Den Abschluss ihrer Mittleren Reife konnte Edith noch im Elternhaus feiern, dann akzeptierte sie aber das Angebot eines Bekannten ihrer Eltern, die weitere Ausbildung in Dessau (Sachsen-Anhalt) fortzusetzen.

Dort wurde ihr die großzügige Möglichkeit geboten, ihre Schulzeit mit dem Abitur abzuschließen. Edith absolvierte in diesen Jahren nicht nur ihr schulisches Pensum – sie war zeitgleich in dem gediegenen Hotel ihres Gönners als verantwortliche Hausdame eingesetzt. Auch diese berufliche Aufbauzeit fand leider ihr Ende, als die mitteldeutschen Gebiete von russischen Einheiten überrollt wurden. Edith war dankbar für die rechtzeitige Planung ihrer Gastfamilie und floh Richtung Westdeutschland.

Ihr Weg ins Bergische Land und ihre endgültige Heimat in Burscheid war in diesen Jahren noch nicht abzusehen. Mehrere Arbeitsstellen im kaufmännischen Bereich, meist als Buchhalterin, führten sie bis Karlsruhe. Dort begegnete Edith einem jungen Studenten, der kurz vor seiner Promovierung stand. Karriere und eigene Pläne traten nun erst einmal in den Hintergrund. Das junge Ehepaar Doussier kehrte dorthin zurück, wo beider Wiege gestanden hatte. Zu den energievollen Eheleuten kam ein Töchterchen hinzu, und wieder wurde ein Umzug fällig. In Leverkusen fand der Vater eine gut dotierte Anstellung und im aufstrebenden Burscheid einen angenehmen Platz für den Bau eines Einfamilienhauses Im Eichenplätzchen. Edith Doussier setzte in diesen Jahren ihre Energie, ihre organisatorische Gabe und ihre Geduld für Familie und Hausbau ein.

Erst als Tochter Petra 1982 ihren eigenen beruflichen Weg beschritt, fand Edith Zeit, ihrem Lieblingshobby etwas mehr Zeit zu widmen. Was bisher nur ab und zu nebenbei entstand, bekam mehr und mehr künstlerisches Format. In Volkshochschulkursen unter dem Künstler Günter Lilge aus Wermelskirchen bekamen Leinwand und Farben für Edith Doussier eine immer stärkere Bedeutung. Austausch und gemeinsames Arbeiten mit Künstlerkollegen brachten neue Ideen und Anregungen. Edith Doussier lernte die zuerst noch lockere Schlehbuscher Gruppe „Spektrum“ kennen und wurde 1987 eines deren Gründungsmitglieder. „Spektrum“ und eine Reihe Burscheider Hobby-Künstler bestückten dann im Haus der Kunst Ausstellungen im bunten Bild aller künstlerischen Genres. Auch Edith Doussier begrüßte es, als von der damaligen Vorsitzenden des Kultur-Ausschusses, Sigrid Linden, angeregt wurde, Burscheider Einzelhandelsunternehmen mit ins „kulturelle“ Boot zu holen. So entstand 1991 die Aktion „Kunst im Schaufenster“.

Edith Doussier blieb bis zuletzt voller Ideen für neue Werke.

Günter Lilge übergab die Leitung seiner VHS-Kurse 1991 an Edith Doussier. Ihre Semester waren stets ausgebucht. Als Kursleiterin erweiterte sie auch persönlich stets ihr künstlerisches Spektrum. Ob Aquarell, Acryl, impressionistisch oder abstrakt – außer Farben nutzte sie viele Materialien, um ihren Gemälden Struktur zu verleihen. Tochter Petra begleitete ihre Mutter nach deren körperlicher Einschränkung durch einen Schlaganfall drei Jahre intensiv. Edith Doussier – 30 Jahre aktive Mitgestalterin auch der kulturellen Szene in Burscheid, blieb sie bis in ihre letzte Lebensphase voller neuer Ideen für weitere Bildwerke.

Nun ging Edith Doussier im hohen Alter von 93 Jahren in die andere Welt. Sie starb kurz vor der Eröffnung der diesjährigen „Kunst im Schaufenster“-Aktion und hatte ihre Bilder noch selbst ausgewählt. Sollten alle ihre Werke einmal ihre Liebhaber gefunden haben – eines wird Tochter Petra niemals aus den Händen geben: Ein 60 mal 50 Zentimeter großes, stilisiertes, farbintensives Christusbild am Kreuz mit beeindruckender Aussage.

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