Wochenendseminar

„Ich trage Kundalini-Yoga mit Begeisterung weiter“

Im Rahmen eines VHS-Kurses unterrichtet Denise Lieth Kundalini-Yoga in Burscheid.Foto: VHS Bergisch Land/Lieth
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Im Rahmen eines VHS-Kurses unterrichtet Denise Lieth Kundalini-Yoga in Burscheid.

Denise Lieth unterrichtet in Burscheid einen Volkshochschulkurs – in Weltersbach läuft ab morgen ein Wochenendseminar.

Von Nadja Lehmann 

Im Rahmen des Volkshochschulprogramms bieten Sie jetzt im zweiten Halbjahr in Burscheid einen Kurs Kundalini-Yoga an. Was ist Kundalini-Yoga denn überhaupt?

Denise Lieth: Kundalini-Yoga ist eng verwandt mit Hatha-Yoga, das die meisten kennen. Auch wir nutzen bestimmte Asanas, aber wir führen sie meist dynamischer aus als im Hatha-Yoga und bleiben nicht so lange in einer Position. Jeder kann die Übungen aber so ausführen, wie es für ihn richtig ist: ruhiger oder dynamischer. Ich unterrichte nach Yogi Bhajan, der Kundalini-Yoga in den Westen brachte.

Ist Kundalini esoterischer oder spiritueller als Hatha-Yoga?

Lieth: Esoterisch überhaupt nicht, spiritueller ja. Kundalini vereint Körper, Geist und Seele. Kundalini kommt aus dem Sanskrit und bedeutet Energie – gemeint ist die spirituelle Energie. Mit sehr einfachen Worten beschrieben: Die Kundalini-Energie ruht im Wurzel-Chakra und steigt die Wirbelsäule entlang nach oben zum Kopf, zum Kronen-Chakra. Dieses Bild symbolisiert die Verbindung zwischen Bodenständigkeit und Spiritualität. Das Kundalini hat alles: körperliche Übungen, Atemübungen., Meditation. Zu einer Übungseinheit gehört es, dies alles miteinander zu verbinden. Außerdem gehören die Mantren dazu: Sie werden gedacht, gesprochen und gechantet. Und sie bewirken etwas.

Und was genau?

Lieth: Mal ein einfaches Beispiel: Als Anfänger setzt man sich hin und versucht, zu meditieren. Und dann fängt der Geist an, zu arbeiten. Ich muss noch aufräumen - ich brauche noch Kaffee - morgen darf ich dies und das nicht vergessen usw. Der Geist ist wie ein Affe – immer in Bewegung. So nennt man ihn auch: Affengeist. Man beginnt erneut, atmet tief ein, gewinnt Ruhe und Abstand, konzentriert sich aufs Jetzt. Und nach drei Sekunden fängt alles wieder von vorne an – der Affengeist ist wieder aktiv. Da ist es hilfreich, sich mit einem Atemmuster oder einem Mantra zu verbinden. Wie mit Sa-Ta-Na-Ma. Das ist ein ganz einfaches Mantra, das sich gut für Anfänger eignet. Als Fortgeschrittener kann man kompliziertere Mantras nutzen. Natürlich haben die einzelnen Mantras auch eine Bedeutung, was für die Meditation nicht unbedingt wichtig ist. Kundalini-Yoga ist das Yoga der Erfahrung – auf körperlicher und geistiger Ebene. Alle Übungen kann man auf der Matte, auf einem Stuhl oder auch im Wald praktizieren. Gerade die Atemübungen eignen sich auf spielerische Art für das Draußen.

Was muss man mitbringen, wenn man den VHS-Kurs besuchen will?

Lieth: Eigentlich gar nichts, außer einer Matte und einem Meditationskissen und dem Wunsch, es ausprobieren zu wollen. Kundalini-Yoga eignet sich für jede Altersstufe. Und keiner muss Scheu haben, dass er zu unbeweglich sein könnte - das ist nicht das Ziel von Kundalini-Yoga. In dem Fall macht man sich manches einfach leichter, indem man sich beispielsweise auf einen Kasten setzt. So kann man in viele Übungen leichter hinein finden und auch ganz entspannt meditieren. Mir ist es lieb, wenn Kursteilnehmer mir vorab von möglichen Einschränkungen berichten. Dann gucken wir, wie wir es passend machen können. Ich habe eine zusätzliche Ausbildung zum Seniorenyoga gemacht. Seniorenyoga bedeutet übrigens lediglich nur, dass man spät damit angefangen hat.

Kann Yoga auch schädlich sein?

Lieth: Ja, wenn man über die eigenen Grenzen geht. Es ist anstrengend, beispielsweise fünf Minuten in der Kobra zu bleiben. Ich leite lieber die Sphinx an, die deutlich rückenschonender ist. Es gibt zwei Arten von Schmerz: den Wohlfühlschmerz, weil man etwas getan und sich gedehnt hat. Und es gibt den anderen Schmerz, bei dem sofort eine Haltung beendet werden muss.

Was kann man zuhause machen?

Lieth: Für zuhause reicht es schon, wenn man eine Übung wiederholt, die einem in der Stunde besonders gefallen und gutgetan hat. Wenn man sich denkt: Ach, ich habe gerade zehn Minuten Zeit – und dann macht man eine Übung oder eine Atemübung.

Ist Yoga in Corona-Zeiten wichtiger denn je? Viele tun sich ja jetzt sichtlich schwer, wieder in die Stunden und Studios zu kommen...

Lieth: Corona hat viele Menschen isoliert. Und viele sind in ein depressives Verhalten abgerutscht. Da ist Yoga ein wichtiger Bestandteil, um solche Zeiten zu überstehen. Denn es bringt Struktur in den Tag. Viele haben sich darin eingerichtet, online Yoga zu üben. Das war für den Notfall gut, weil es für eine gefühlte Anbindung trotz der Isolation sorgte. Aber viele finden den Weg in die Hallen nicht mehr zurück. Und das ist schade, denn die Energie, die in einer Gruppe entsteht, ist eine ganz andere. Und ein Yogalehrer, der vor dem Rechner sitzt, kann einfach nicht so gut korrigieren. Es ist besser, sich wirklich zu sehen.

Wie sind Sie zum Yoga gekommen?

Lieth: Über die Transzendentale Meditation. Da war ich 18. TM, Hatha-Yoga und Ayurveda begleiten mich also schon sehr lange. Das Kundalini-Yoga habe ich vor ungefähr acht Jahren kennengelernt. Ich fand, dass es eine so tolle Technik ist, die unbedingt weitergetragen werden muss und habe eine dem entsprechende Ausbildung gemacht.

Warum so toll?

Lieth: Weil Kundalini-Yoga alles beinhaltet, von der körperlichen Arbeit bis zur Meditation. Das kann ein Gefühl von Anbindung vermitteln, unserer Anbindung an ein höheres Selbst. Ich trage Kundalini-Yoga mit Begeisterung weiter. Es schadet nicht, nach links und rechts zu gucken. Pilates, Hatha-Yoga – das ist alles gut, man kann alles ausprobieren. Ich rate meinen Teilnehmern aber dazu, sich auf eine Disziplin zu konzentrieren – vorzugsweise Kundalini-Yoga.

Wie bilden Sie sich fort?

Lieth: In diesem Jahr habe ich eine Breath-Walk®-Ausbildung absolviert und habe das auch als Kurs bei der Volkshochschule angeboten. Ich fahre zum Beispiel zum Deutschen Kundalini-Yogafestival nach Oberlethe – das war dieses Jahr online. Haltungsworkshop, MantraChanten, Meditationsworkshops sind weitere Beispiele.

Yoga ist Frauensache. Oder?

Lieth: Männer sind in der Regel eher ungelenkig. Sie setzen sich ungern auf die Matte. Männer sind eher auf Kraft denn auf Beweglichkeit aus. Und mit Kraft verbinden sie Yoga nicht. Gute Sportler machen aber sehr oft Yoga. Weil sie auf den Punkt konzentriert sein und ruhig atmen müssen. Biathleten, Bogenschützen und natürlich auch Fußballer. Im Kundalini-Yoga gibt es aktuell eine neue Bewegung: Es werden männliche Yogalehrer ausgebildet, die gezielt Männer unterrichten.

Kurs und Seminar

VHS-Kurs: immer mittwochs, 19-20.30 Uhr, in der Johannes-Löh-Gesamtschule. Anmeldung:

www.vhs-bergisch-land.de

Wochenendseminar 12. und 13. September: Im Pilgerheim Weltersbach (Leichlingen) , ab morgen, 9 Uhr, bis Sonntag, 14.30 Uhr. Anmeldungen sind noch heute direkt bei Denise Lieth möglich: Tel. 0178/5054986

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