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Marc Baack: „Ich möchte, dass die Stadt Schritt hält“

Ein Burscheider für Burscheid: Der Hilgener Marc Baack ist Volljurist – und innerhalb der Stadtverwaltung die Leiter hochgeklettert. Der Rat wählte ihn nun zum Beigeordneten.
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Ein Burscheider für Burscheid: Der Hilgener Marc Baack ist Volljurist – und innerhalb der Stadtverwaltung die Leiter hochgeklettert. Der Rat wählte ihn nun zum Beigeordneten.

Marc Baack ist der neue Beigeordnete in Burscheid. In der Verwaltung ist er ein alter Hase.

Von Nadja Lehmann

Herr Baack, wie kann man die Position eines Beigeordneten beschreiben? Welche Stellung nehmen Sie nun innerhalb der Stadtverwaltung ein?

Marc Baack: Die Position des Beigeordneten ist meiner bisherigen Funktion als Dezernent nicht unähnlich, gerade weil der Rat mich zusätzlich bereits 2020 zum 2. allgemeinen Vertreter des Bürgermeisters und im April 2022 zum 1. allgemeinen Vertreter bestellt hat. Maßgeblicher Unterschied ist meine Stellung gegenüber dem Bürgermeister, dem ich zugeordnet bin. In erster Linie bin ich dem Stadtrat verpflichtet und kann meine eigene Meinung offener vertreten. Daher bin ich unabhängiger und weniger weisungsgebunden. Nun muss man auch so ehrlich sein und sagen, dass Bürgermeister Dirk Runge ohnehin ein Teamspieler ist, der auf die Meinung seiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter großen Wert legt und sie in seine Entscheidungen einbezieht. Ich gehe davon aus, dass sich unsere Zusammenarbeit genauso vertrauensvoll wie bisher fortsetzen wird.

Womit haben Sie in der Bewerbung überzeugt? Was war Ihnen dabei wichtig?

Baack: Ich denke, dass für die Mitglieder des Rates meine fachliche Qualifikation und die von mir in der Vergangenheit geleistete Arbeit maßgeblich bei der Wahlentscheidung waren. Mir war wichtig – und dies habe ich bei meinem Vorstellungsgespräch auch herausgestellt –, dass ich bei meiner Arbeit immer alle Fraktionen transparent und gleichermaßen informieren und einbinden werde.


Was kommt an neuen Aufgaben auf Sie zu?

Baack: Fachlich bleiben meine Aufgaben identisch. Dennoch kommt mit der neuen Position als Beigeordneter jetzt eine wesentlich größere Verantwortung auf mich zu. Als Dezernent arbeitet man mehr verwaltungsintern. Als Beigeordneter werde ich viel mehr mit den politischen Gremien und der Öffentlichkeit kommunizieren und die Gründe für die Entscheidungen im eigenen Fachbereich darlegen müssen.

Wofür sind Sie nun alles zuständig?

Baack: Der Fachbereich bleibt unverändert. Auch als Beigeordneter werde ich für die Bereiche Stadtentwicklung, Umwelt, Liegenschaften, Tief- und Hochbau zuständig sein. Die Aufgaben des Beigeordneten kommen grundsätzlich „on top“ hinzu, doch es wird sicherlich an anderer Stelle Entlastungen geben. In jedem Bereich sind kompetente und motivierte Kolleginnen und Kollegen an meiner Seite, die wahrscheinlich die ein oder andere zusätzliche Einzelaufgabe von mir übernehmen müssen.

Was reizt Sie an der Position?

Baack:Auch wenn es nicht neu ist, finde ich den Bereich Stadtentwicklung, Umwelt sowie die Bereiche Hoch- und Tiefbau spannend. Reizvoll sind jetzt die neue Eigenständigkeit und auch die damit verbundene Eigenverantwortung.


Warum war die Stelle so lange unbesetzt?

Baack: Die Stelle des Beigeordneten bei der Stadt Burscheid war seit dem Amtsantritt von Bürgermeister Stefan Caplan im Jahr 2009 unbesetzt. Über eine Wiederbesetzung beschließt allein der Stadtrat. Abhängig ist dies davon, wie man die Stadtverwaltung organisieren möchte.


Die Fraktionen haben die Wiederbesetzung beantragt, weil sie fürchteten, dass nach Stefan Caplans Tod und Weggang oder Ruhestand mehrerer Mitarbeiter Know-how verloren geht. Hatten Sie überlegt, etwas Neues zu machen? Herr Caplans Tod war ja eine Zäsur.

Baack: Konkrete Überlegungen, etwas Neues zu machen, gab es bei mir nicht. Schließlich fühlt man sich mit seiner Arbeit doch verbundener, wenn man sie für seine Heimatstadt ausübt. Außerdem wurde mir in den vergangenen Jahren in mehreren Stufen der Aufstieg zum Fachbereichsleiter/Dezernenten ermöglicht. Natürlich will ich nicht ausschließen, dass es Situationen oder Angebote hätte geben können, die mich dazu bewegt hätten, etwas Neues zu wagen. Das wurde für mich jedoch nicht konkret.

Sie sind Volljurist, haben auch bei der Abwasserberatung gearbeitet: Wie sind Sie zur Stadtverwaltung gekommen? Ich habe gehört, Sie wollten auch gern mal Lehrer werden…

Baack: Der Berufswunsch Lehrer ist schon lange her. Grund war eher, dass mir meine Zeit in der Oberstufe so gut gefallen hat und ich mir somit auch mein Berufsleben in einer Schule vorstellen konnte. Letztlich entschied ich mich aber für das Jura-Studium, was ich bis heute nicht bereut habe. Mein Interessenschwerpunkt lag dabei immer schon im Verwaltungsrecht. Ich fand frühzeitig den Aufbau und die Organisation des Gemeinschaftslebens interessant. Schon als Schüler war ich politisch aktiv. Ich konnte mir daher schon immer gut vorstellen, in einer Stadtverwaltung zu arbeiten. Ich war darauf aber nicht festgelegt, sondern war nach meinem Studium und Referendariat auch für andere Wege offen.

Wo müssen Sie sich jetzt einarbeiten? Wer wird dabei Ihre wichtigste Unterstützung sein? Eventuell der Bürgermeister?

Baack:Fachlich muss ich mich nicht allzu sehr einarbeiten, weil ich die Burscheider Themen ja sehr gut kenne. Allerdings muss ich in die neue Rolle des Beigeordneten und der damit verbundenen höheren Eigenständigkeit und Öffentlichkeitswirksamkeit hineinwachsen. Verständlicherweise ist dies in einem vertrauensvollen Umfeld wesentlich leichter. Ich habe schon bei meiner bisherigen Arbeit immer große Unterstützung, insbesondere von Bürgermeister Dirk Runge, erfahren.

Sie stammen aus Hilgen, arbeiten in Ihrer Heimatstadt: Vor- oder Nachteil?

Baack:Ein Vorteil ist schon mal der kurze Arbeitsweg, was bei der heutigen Verkehrssituation ja nicht unwesentlich ist (lacht). Aber im Ernst: Es gibt Vor- und Nachteile. Ein wesentlicher Vorteil ist, dass man die Stadt mit ihren Menschen, den Chancen und Problemen besser kennt. Zum Nachteil kann es werden, wenn damit die Erwartungshaltung verbunden wird, dass dies allein ausreicht, um dann alle Probleme leichter zu lösen. Aber gerade in meinem Bereich müssen alle Maßnahmen mit anderen Behörden abgestimmt werden, die sehr genau auf die Einhaltung von gesetzlichen Vorgaben achten. Nicht zuletzt bleiben auch die finanziellen Beschränkungen.

Was wollen Sie für Burscheid erreichen?

Baack:Ich möchte selbstverständlich, dass die Stadt mit den zukünftigen Herausforderungen Schritt hält. Hier nenne ich nur mal die Themengebiete Digitalisierung, Mobilitäts- und Klimawende und die Energiekrise. Daneben möchte ich erreichen, dass die vorhandene Infrastruktur, wie Straßen, städtische Gebäude und Abwasserkanäle, erhalten bleibt. Hier werden in der Zukunft enorme Investitionen fällig werden. Erschwerend kommt hinzu, dass in Anbetracht der gegenwärtigen Krisen zu erwarten ist, dass der finanzielle Spielraum enger wird. Hier gilt es eine passende Balance zu finden. Denn eine solide Haushaltsführung ist für die Zukunftsfähigkeit der Stadt genauso wichtig wie die Investitionen in die Infrastruktur.


Bürgermeister sein – wäre das etwas für die Zukunft?

Baack: Grundsätzlich habe ich mir keine bestimmten Ämter und Positionen als Ziele meiner beruflichen Laufbahn festgesetzt. Ich versuche eher, meine aktuellen Aufgaben zu erfüllen und dann zu schauen, welche Gelegenheiten sich mir bieten. Auf jeden Fall freue ich mich jetzt erstmal über das Vertrauen, dass mir alle sechs Ratsfraktionen mit meiner einstimmigen Wahl zum Beigeordneten entgegenbringen. Was die Zukunft bringt, wird sich zeigen.

Zur Person

Marc Baack wohnt in Burscheid-Hilgen und ist bereits seit dem 15. Februar 2010 Mitarbeiter der Stadtverwaltung Burscheid, zuletzt in leitender Position als Fachbereichsleiter für die Bereiche Stadtentwicklung, Umwelt und Liegenschaften und TWB sowie allgemeiner Vertreter des Bürgermeisters. Der 45-Jährige hat Jura an der Uni Köln studiert und ist Volljurist. An der Fernuni Hagen hat der neue Beigeordnete noch das Studium der Betriebswirtschaft draufgesattelt.

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