Interview

„Ich lieb mein Burscheid – das ist kein Gelaber“

Ralph Liebig ist überzeugter Burscheider und will Bürgermeister seiner Heimatstadt werden.
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Ralph Liebig ist überzeugter Burscheider und will Bürgermeister seiner Heimatstadt werden.
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Ralph Liebig geht für die SPD ins Rennen ums Bürgermeisteramt

Von Nadja Lehmann

Herr Liebig, Sie sind Burscheider, Sie machen Musik, Sie sind quasi im Orchesterverein Hilgen groß geworden. . .

Ralph Liebig: Ja, ich habe es vom Wohnen her nie woanders hin geschafft (lacht). Berufsbedingt – ich bin Vertriebsleiter für Werkzeuge bei einem Farbenhersteller – bin ich von der Eifel bis zur Nordsee unterwegs, und umso lieber komme ich immer wieder nach Hause. Ich habe im OVH Klarinette gespielt, bis irgendwann meine Haare zu lang für Soli wurden (lacht). Ich bin Jahrgang ´66, ich habe die Friedensbewegung miterlebt, da gehörte das dazu. Ich mache immer noch Musik, Bass und Gesang in der Band „Stiller Hans“. Deutsche Achtziger und Brockdorf-Songs – ich bin Überzeugungstäter, heute noch. Ich habe mich auch lange als Presbyter und Kirchbaumeister engagiert, ich bin überzeugter evangelischer Christ. Das hat mich geprägt. Die Burscheider kennen mich also aus vielen Zusammenhängen, aber nicht unbedingt als Politiker. Obwohl schon mein Großvater im Stadtrat saß – ein Ur-CDUler.

Daher auch Ihr Slogan „Mein Burscheid lieb ich“...

Liebig: Ja, aus tiefer Überzeugung, aber auch mit einem Augenzwinkern. Ich falle in Rilke hinein und liebe Heinz Erhardt; ich treibe gern meinen Schalk mit dem deutschen Wort, habe aber auch Respekt davor. Meine Lieblingsfigur ist der Eulenspiegel, der anderen den Spiegel vorhält, so dass man sich selbst bewerten kann. „Mein Burscheid lieb ich“, das ist so und kein Gelaber. Auch mein privates Glück habe ich hier gefunden, in der Evangelischen Jugend. Ich war 14 und sie 16. Meine Frau und meine Tochter sind mein wichtigstes Team und meine ehrlichsten Kritiker.

Was wollen Sie für Burscheid erreichen?

Liebig: Wir als SPD wollen eine modernere Streitkultur. Die Kommunalpolitiker haben hier einstimmig und zielorientiert gearbeitet. Das war in der Zeit der Schulden auch ganz richtig. Jetzt ist diese Zeit aber bald vorbei, wir haben uns erfolgreich aus den Schulden herausgearbeitet. Wir wollen keine Revolution, aber wir wollen wieder mehr Diskussion. Wir wollen durch Argumente überzeugen. Zur Zeit findet ja alles unter den Fraktionsvorsitzenden statt, die dann einstimmig abstimmen. In Burscheid schrecken die Kommunalpolitiker ja geradezu auf, wenn es mal Gegenstimmen gibt – wie jüngst von der SPD beim Thema Kämersheide. Aber es darf zwei Meinungen geben. Mir ist es wichtig, dass man miteinander spricht. Genauso wie in einer langen Ehe. Es ist das Schlimmste, wenn man aufhört, zu reden. Mein Großvater und ich waren verschiedener Meinung. Aber er hat zugehört, wir haben diskutiert. Sein Rat: Wäge genau ab, bleib in der Mitte, werde nicht radikal.

Sie haben Ihre Kandidatur sehr früh bekannt gegeben. Warum?

Kommunalwahl 2020

Liebig: Wir haben das Visier den anderen Parteien und den Burscheidern gegenüber aufgemacht. Wir haben vor über einem Jahr unser komplettes Team aufgestellt. Die ersten Überlegungen haben wir im Landtagswahlkampf angestellt. Wer macht es? »Der verrückte Liebig geht neuen Weg«: Ich wollte, dass die Leute das wissen. Wir wollten und wollen als SPD erkennbar sein. Wir sind keine Steigbügelhalter, wir sind da. Wir haben keine Groko, wir sind nicht entschlafen. Unsere Botschaft: Ihr habt die Wahl. Diesen langen Weg haben wir gemeinsam zurückgelegt. Dadurch sind wir zusammengewachsen. Auf diese eineinhalb Jahre Erfahrung möchte ich nicht verzichten.

Wie haben Sie Ihren Wahlkampf geführt?

Liebig: Unter anderem ganz innovativ mit unserer Whatsapp-Sprechstunde auf dem roten Sofa. Da haben wir viel Resonanz aus ganz NRW bekommen, weil das sonst niemand macht. Ich möchte mit der Politik näher zu den Menschen. Und ich möchte sie mitnehmen. Übrigens auch die Verwaltung. Ich möchte gute Leute einladen, kreativ zu sein, Anstöße zu geben. Da möchte ich eine Brücke zwischen der freien Wirtschaft und der kommunalen Verwaltung schlagen. Ich möchte mehr Gespräche. Wir wollen wissen, was die Menschen sich wünschen. Wenn man davon nichts weiß, kann man nichts verändern und hat keine Chance, etwas zu korrigieren.

Sie wollen das Wir-Gefühl in Burscheid stärken und die Wahrnehmung der Menschen positiv beeinflussen, haben Sie gesagt...

Liebig: Ich möchte die Innenstadt beleben. Ich möchte dort junge und alte Menschen sehen. Das ist ein Zeichen, dass die Menschen ihre Stadt mögen, sich ihr verbunden fühlen. Wir haben die Innenstadt kaputtgehen lassen, jetzt muss man sie beleben. Als Verwaltung muss man proaktiv unterstützen, also Anstöße geben, Anregungen – und nicht warten, bis beispielsweise der Kulturverein kommt. Das gilt auch für Hilgen. Mit dem Lidl-Projekt haben wir die Chance, die Fehler der 80-er und 90-er zu beheben. Wir haben die Leute durch Einkaufszentren auf der grünen Wiese ja gezwungen, das Auto zu nehmen. Dadurch sind Innenstädte verödet, nicht nur in Burscheid und Hilgen. Ich würde mir an der Kirchenkurve Gastronomie wünschen, kombiniert mit Kulturprogramm. Das kann natürlich nicht die Verwaltung allein leisten. Aber sie kann Kreativität wecken, kann zu Ideen aufrufen. Und wenn der ehemalige Schlecker zu klein für jetzige Drogeriemärkte ist, könnte man überlegen, ob es nicht für einen türkischen Supermarkt passen könnte und die dementsprechenden Leute zusammenbringen. Und ich glaube, Leute mitzunehmen und zu motivieren, ist meine Stärke. Ich bin Teamplayer, ich packe an – und hänge jetzt im Wahlkampf auch selbst Plakate auf und verteile Flyer.

Wie kriegen Sie alles unter einen Hut?

Liebig: Ich habe ein gutes Zeitmanagement und schlafe im Wahlkampf etwas weniger.

Hintergrund

Zur Person: Ralph Liebig ist verheiratet und Vater einer erwachsenen Tochter. Der 54-Jährige ist in Burscheid aufgewachsen und in seiner Heimatstadt verwurzelt. Beruflich war er im Hochbau, der Elektrotechnik und als Kaufmann tätig, inzwischen ist er Vertriebsleiter für den Fachbereich Werkzeuge eines Farbenherstellers. Viele kennen Liebig auch als Musiker: In jungen Jahren war er beim Orchesterverein Hilgen; mit Bass und Gesang ist er in der Band „Stiller Hans“ unterwegs. Liebig ist, wie er selbst sagt, überzeugter evangelischer Christ.

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