Interview

„Ich genieße die Zeit zu Hause mit der Familie“

Engelbert Wrobel Foto: Brian Wittmann
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Engelbert Wrobel

Interview mit dem Burscheider Jazzmusiker Engelbert Wrobel

Das Gespräch führte Stephan Eppinger

Wie erleben Sie die Situation im Moment als Musiker?

Engelbert Wrobel: Der Lockdown hat alle Auftritte erwischt. Ich hatte noch Hoffnung auf ein Festival in der Schweiz Ende Juli, aber auch das ist nun abgesagt worden. Ich bin inzwischen 61 und lange im Geschäft, sodass ich mir keine finanziellen Sorgen machen muss. Das ist bei jüngeren Kollegen, die noch mittendrin sind, anders. Es ist natürlich nicht schön, dass ich nicht spielen kann, aber ich nutze die Zeit zur Hausrenovierung und für die Gartenarbeit. So komme ich zu vielen Dingen, die regulär so nicht möglich gewesen wären.

Gibt es aktuell auch musikalische Projekte?

Wrobel: Ich habe ein Stipendium vom Land bekommen, mit dem ich mich weiterbilden kann. So nehme ich Unterricht in den Fächern Arrangement und Jazzharmonielehre. Ich habe Klassik studiert, und da gab es im Theoriebereich beim Jazz noch Lücken, die ich jetzt schließen kann. Ich habe zwar auch vorher eigene Arrangements gemacht, das hat aber immer viel Zeit in Anspruch genommen. Das wird jetzt mit der neuen theoretischen Basis deutlich schneller gehen.

Wie läuft der Unterricht ab?

Wrobel: Bei Dan Barrett aus Kalifornien, der bei Benny Goodman die erste Posaune gespielt hat, läuft der Unterricht digital. Bei Rolf Marx gab es Treffen vor Ort, bei denen wir mit Klarinette und Gitarre gearbeitet haben. Wir haben aber wegen Corona auch Pausen einlegen müssen. Je länger die Pandemie dauert, umso größer wird mein Respekt davor. Insbesondere die Langzeitfolgen machen mit Sorgen. Aber ich bin inzwischen das erste Mal mit Astrazeneca geimpft und habe so schon einen gewissen Schutz vor dem Virus.

Was bekommen Sie von den internationalen Kollegen mit?

Wrobel: Aus den USA erfahre ich, dass man dort beim Impfen wesentlich weiter ist. Eine US-Kollegin, die Anfang 30 ist, hat schon längst ihre zweite Impfung bekommen.

Wie ist der Ausblick für dieses und das kommende Jahr?

Wrobel: Wir haben jetzt für 2022 eine Tour geplant, bei der wir verschobene Termine nachholen können. Es wird auch ein Konzert in Burscheid geben, da müssen wir noch nach dem Ort suchen, denn das Haus der Kunst wird renoviert. Eventuell spielen wir im Megafon. Der Saal ist dort allerdings kleiner, so dass wir möglicherweise zwei Konzerte spielen. Einen weiteren Termin wird es in Remscheid geben.

Was bedeuten für Sie die Heimspiele in Burscheid?

Wrobel: Das sind immer tolle Konzerte mit Burscheider Fans, die teilweise schon seit Jahren regelmäßig kommen. Und ich bringe immer besondere Kollegen mit, die sonst nicht in der Stadt auftreten würden.

Wird es im laufenden Jahr noch Auftritte geben?

Wrobel: Das ist aktuell nur schwer zu sagen, weil man nicht weiß, ob es funktioniert. Es gibt staatliche Fonds für Kommunen, damit diese ein Kulturprogramm anbieten können. In diesem Rahmen sind im September Corona-konforme Konzerte in Burscheid und Bergisch-Gladbach unter freiem Himmel geplant. Auch die im vergangenen Dezember ausgefallenen Weihnachtskonzerte stehen noch an, aber auch hier ist noch nicht sicher, ob diese stattfinden können.

Nutzen Sie auch digitale Angebote?

Wrobel: Das ist nicht unbedingt mein Ding. Ich habe im September 2020 im Kölner Jazzklub King Georg gespielt. Bei dem Konzert waren wenige Fans vor Ort. Es wurde aber im Internet übertragen. Ich habe etwas Sorge, dass sich die Leute es abgewöhnen, rauszugehen. Den meisten treuen Fans fehlt aber nach wie vor das Erlebnis vor Ort – vor allem denen, die uns teilweise bei mehreren Konzerten hinterher reisen. Die warten sehnsüchtig darauf, dass es endlich wieder losgeht.

Wie wichtig sind Musik und Kultur in Krisenzeiten?

Wrobel: Sehr wichtig. Musik unterhält Menschen auf eine sehr schöne Weise. Sie vergessen dabei ihren Alltag. Bei mir gehört Humor zum Programm, und ich setze auf bekannte Stücke und bekannte Musiker, das kommt sehr gut an. Bei solchen Konzerten kommen Menschen mit gleichen Interessen zusammen und erleben einen tollen Abend. Das fehlt jetzt sehr, man kann nur noch Netflix gucken und hoffen, dass es besser wird. Für mich sind gerade meine beiden Enkel ein großer Lichtblick. Sie wohnen bei uns um die Ecke, so dass wir sie häufig sehen können. Das ist eine sehr schöne Beschäftigung.

Wie positioniert sich Jazz in der Gesellschaft?

Wrobel: Jazz ist in seinem Ursprung eine Tanzmusik, die zur Unterhaltung diente und die später die Konzertsäle erobert hat. Heute habe ich beim Jazz manchmal den Eindruck, dass Musiker nur noch für sich und nicht mehr für die Menschen spielen. Jazz wird da schon sehr verkopft und verliert an Akzeptanz.

Sie haben schon in einer Schülerband den Jazz für sich entdeckt. Wie bringt man heute junge Leute zum Jazz?

Wrobel: Mit der Musik war ich als Schüler schon ein wenig ein Exot. Aber meine Clique war bereit, auch zu Konzerten von klassischen Jazzmusikern wie Chris Barber mitzugehen. Das ist eine Art von Jazz, die heute in den Medien gar nicht mehr vertreten ist, weshalb die junge Generation auch keinen Zugang mehr dazu hat. Meine Erfahrung ist aber, wenn trotzdem junge Leute zum Konzert kommen, gefällt ihnen diese Art von Musik, und man kommt mit ihnen darüber ins Gespräch.

Was unterscheidet den Jazz der 20er bis 40er Jahre von der heutigen Musik?

Wrobel: Jazz war damals elegant, gefühlvoll und eine immer positive Musik. Das vermisse ich heute oft. Bei Rappern ist meist sogar genau das Gegenteil der Fall. Mich spricht die alte Musik an, ich bekomme eine Gänsehaut, wenn ich sie höre, und muss weinen, weil sie so schön ist.

Sie sind aus der Eifel ins Bergische Land gekommen. Was mögen Sie dort?

Wrobel: Ich bin in Dormagen geboren und dann in der Eifel aufgewachsen. Ich mag die Landschaft im Bergischen Land, auch weil sie der in der Nordeifel ähnlich ist. Wenn man an der Wupper spazieren geht, ist das einem Spaziergang an der Rur sehr ähnlich. Außerdem kenne ich hier inzwischen viele Leute und fühle mich einfach in der Region zu Hause.

Was macht Ihnen aktuell Sorgen und was Hoffnung?

Wrobel: Sorgen macht mir die Unvorhersehbarkeit der Pandemie und dass der Ton immer rauer wird. Das, was in den sozialen Medien passiert, ist einfach schrecklich. Hoffnung macht mir, dass das Impfen jetzt richtig anläuft und dass man auch hoffen kann, dass das Ganze irgendwann wieder vorbei ist und Auftritte vor Publikum wieder möglich werden. Ich habe aber durchaus gelernt, jetzt auch die Zeit zu Hause mit der Familie zu genießen.

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