Gärtnerei

Höpken: „Wir trotzen bisher den Krisen“

Reiner Höpken vor seinem Verkaufsstand am Remscheider Schützenplatz.
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Reiner Höpken vor seinem Verkaufsstand am Remscheider Schützenplatz.

Gärtnereibetreiber freut sich über gute Umsätze auch in Remscheid – Für den Fall, dass es kein Gas mehr gibt, ist er gewappnet.

Von Anja Carolina Siebel

Burscheid. Die Kundin, der er inmitten von Erika, Astern und anderen Herbstpflanzen vom „Stiefmütterchen-Äquator“ erzählt, kann sich das Lachen nicht verkneifen. Gärtnereibetreiber Reiner Höpken zieht es zur Frühjahrs- und Herbstzeit immer mal wieder weg aus Burscheid. Zu dieser Zeit stehen der Unternehmer und sein Team mit einem beachtlich großen Verkaufsstand auf dem Schützenplatz in Remscheid. Und was hat es nun mit dem Stiefmütterchen-Äquator auf sich? Auch Reiner Höpken lacht. „Das ist ganz komisch“, sagt er. „Nördlich von Burscheid, also zum Beispiel in Wermelskirchen oder Remscheid, werden Stiefmütterchen und Hornveilchen im Frühjahr gepflanzt. Südlich, also in Leverkusen oder Köln, pflanzen die Leute sie im Herbst. Das war früher noch extremer; heute vermischt es sich schon etwas.“

In Burscheid verläuft der „Stiefmütterchen-Äquator“

Mit dem Geschäft auf dem Schützenplatz ist Höpken zufrieden. „Wir sind ja seit den 50er Jahren in Remscheid. Früher auf dem Wochenmarkt. Später dann, als das Allee-Center gebaut wurde, sind wir mit den Ständen vorübergehend zum Schützenplatz gezogen. Für uns und unsere Kunden war das so ideal, dass wir irgendwann geblieben sind.“ Denn: „Die Kunden schätzen es, dass sie bequem hier parken und ihre Pflanzware dann direkt ins Auto packen können. Und nicht, wie in der Innenstadt, erst zum Parkhaus oder einem Parkplatz weiter weg laufen müssen.“ Also war und blieb der Standort am Schützenplatz für Höpken ein Verkaufsort neben seinem Gartencenter in Grünscheid.

Während Unternehmer insbesondere nach den Corona-Lockdowns mangelnde Umsätze verzeichnen, kann sich Reiner Höpken nicht beschweren. „Pflanzen werden bisher immer gekauft. Wir hatten ja während der Lockdowns auch das Glück, dass Gärtnereien und Blumengeschäfte in Nordrhein-Westfalen öffnen durften. Da kamen die Leute zu uns, weil sie einfach mal was erleben wollten“, erzählt er lachend.

„Unserem Geschäft hat das natürlich gut getan.“ als Vorsitzender des Bundesverbandes der Einzelhandelsgärtner weiß er, dass es nicht überall so unbeschwert vonstatten ging: „In Bayern mussten die Kollegen während der Lockdowns schließen. Aber insgesamt sind wir in der Branche alle recht gut durch die Corona-Pandemie gekommen.“ Wie es sich jetzt mit den steigenden Energiepreisen durch den Krieg in der Ukraine verhalten wird, kann auch Höpken nicht absehen: „Da wissen wir natürlich nicht, was auf uns zukommt. Die Kollegen, die ihre Gewächshäuser ausschließlich mit Gas heizen, werden massive Schwierigkeiten bekommen, wenn der Gashahn tatsächlich eines Tages abgedreht werden sollte.“ Denn: Gewächshäuser brauchen konstant eine gewisse Wärme, damit die Pflanzen gedeihen können.

In den Niederlanden hätten wegen der unabsehbar hohen Energiekosten ein Großteil der Orchideenbetriebe geschlossen. „Das“, sagt Reiner Höpken, „werden wir hier auch merken. Viele kaufen ja gerne Orchideen, auch bei Discountern. Die werden jetzt eher Mangelware.“

Er selbst ist gewappnet – auch für diese Krise: „Wir haben die Möglichkeit, neben Gas mit Holz, Kohle oder Öl zu heizen. Das ist eine enorme Erleichterung. Die hohen Preise treffen uns aber trotzdem.“ In seinem Gartencenter verkauft er derzeit viel Erika, aber auch Pflanzen zur Grabgestaltung. „Wir gestalten selbst ja keine Gräber, aber tragen natürlich dazu bei, dass die Leute für die Feiertage die Gräber ihrer Angehörigen herrichten können“, sagt der Unternehmer. „Hier, in eher evangelisch geprägten Gegenden, werden die Gräber ja zu Totensonntag schick gemacht. Aber die Grabkultur hat sich auch verändert. Viele entscheiden sich für anonyme Bestattungen oder Urnengräber, die nicht großartig gepflegt werden müssen. Andere geben das Grab in Pflege, weil sie zum Beispiel weiter weg wohnen.“

Für Hobbygärtner hat er noch einen Tipp: „Auch winterharte Pflanzen haben es schwer, wenn sie in Töpfen stehen, in denen der Frost sich breit machen kann. Deshalb immer auch auf das Gefäß achten. Zur Not berät der Händler.“ Und das macht er stets mit Leidenschaft.

Historie

Friedrich Höpken gründete den gleichnamigen Gärtnereibetrieb im Jahr 1934. Damals startete er mit zehn Frühbeetfenstern und zog auf rund 1000 Quadratmetern im Freiland Schnitt- und Sommerblumen. In den Anfangsjahren baute Friedrich Höpken hauptsächlich Gemüse an. Seit Jahrzehnten steht ein Team des Burscheider Unternehmens regelmäßig auf dem Schützenplatz in Remscheid.

Mehr unter www.wordpress.gaertnerei-hoepken.de

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