An der Hilgener Straße summt und quakt es

Wenn man auf der Hilgener Straße entlang geht, wird man durch dieses Schild auf das Insektenhotel der Straßenmeisterei (im Hintergrund zu sehen) hingewiesen. Fotos: Doro Siewert
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Wenn man auf der Hilgener Straße entlang geht, wird man durch dieses Schild auf das Insektenhotel der Straßenmeisterei (im Hintergrund zu sehen) hingewiesen. Fotos: Doro Siewert

Straßenmeisterei freut sich, dass sich Insekten und Schafe dort heimisch fühlen – es gibt weitere Pläne

Von Jennifer Preuß

Auf dem Gelände der Straßenmeisterei an der Hilgener Straße brummt und summt es. Am kleinen Teich ist sogar dann und wann ein Quaken zu hören, ein paar Meter weiter mümmeln die Schafe. Alles das war bis vor wenigen Jahren noch undenkbar. Die 24 Mitarbeiter der Straßenmeisterei nehmen heute vor der eigenen Haustür die Natur in den Blick und versuchen, etwas für den Umwelt- und Klimaschutz zu tun.

Die Idee dazu hatte Sascha Mertens. Der Betriebsdienstleiter setzte sich für ein Insektenhotel im XL-Format ein, in dem auch tatsächlich sehr schnell die ersten Bewohner einzogen. Damit sie auch Nahrung finden, wurden Blühstreifen angelegt, über die sich auch das Bienenvolk des Burscheider Imkervereins freut, das ebenfalls auf das Gelände ziehen durfte.

Statt des Rasenmähers sorgen sechs Schafe für den Rasenschnitt auf der rund 800 Quadratmeter großen Wiese. Am Birnen-, Pflaumen- und Apfelbaum können sich Insekten und Vögel bedienen. Ein zwölf mal sechs Meter großer Teich rundet das Gesamtbild ab.

Damit soll aber noch nicht Schluss sein. Sascha Mertens hat auch 2021 viel vor. Er hat bereits neue Projekte in der Schublade. „Wir planen für nächstes Jahr etwas Neues. Wir müssen aber noch schauen, ob wir das auch umsetzen dürfen“, sagt Sascha Mertens.

„Die Projekte sollen die Außenwirkung haben, dass es uns auch um die Umwelt geht.“

Sascha Mertens, Betriebsdienstleiter

Bei all den Mühen für die Umwelt geht es natürlich auch darum, das Image des eigenen Berufsstandes aufzupolieren. „Bürger hatten sich immer wieder aufgeregt“, sagt Sascha Mertens. Wenn für die Verkehrssicherheit Bäume stark gestutzt oder gefällt werden müssen, ist die Empörung mitunter groß.

Sascha Mertens will zeigen, dass der Straßenmeisterei Artenvielfalt und Klimaschutz ebenfalls am Herzen liegen. „Die Projekte sollen die Außenwirkung haben, dass es uns auch um die Umwelt geht.“

Grundsätzlich kann jeder seinen Beitrag leisten, dass es in der Natur auch weiterhin summt und brummt. Der Naturschutzbund Rhein-Berg gibt Tipps, mit denen fast jeder Garten oder Balkon mit wenig Aufwand insekten- und vogelfreundlich gestaltet werden kann. Über allem steht die Maxime: Weniger ist mehr.

Vielen Insekten und Vögeln wäre schon damit geholfen, wenn weniger künstliche Dünger und Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden. Unordentliche Ecken im Garten sind kein Makel, sondern ein wahres Paradies für kleine Krabbler. Ein englischer Rasen mag seinen Reiz haben, ist für die Tierwelt aber unattraktiv.

Der Naturschutzbund Nabu empfiehlt, den Rasen zum Teil zu einer Wildblumenwiese umzuwandeln. Dabei kommt es gar nicht mal darauf an, dass man für die bunten Blumen möglichst viel Fläche zur Verfügung stellt. Wenn sich hier und da ein paar Blüten gen Himmel strecken, ist schon viel erreicht. Zum Beispiel bietet es sich an, an den Stellen, wo man den Rasen von Moos befreit, Blumensamen zu sähen.

„Die sollten dann nicht vom Discounter stammen, da sich darin häufig nicht heimische Arten befinden, die zwar hübsch bunt aussehen, aber den heimischen Insekten wenig helfen“, teilt der Nabu Rhein-Berg mit. „Besser ist hier regionales Saatgut mit den heimischen Arten.“

Blumenwiesen bringen Farbtupfer in den Garten und haben den Vorteil, weniger Arbeit zu machen als der klassische Rasen. Viele Blumen davon sind zudem mehrjährig. Wer Stauden in den Vorgarten einsetzt, sollte darauf achten, dass es sich nicht um gefüllte Blütenpflanzen handelt. Diese Pflanzen sehen zwar toll aus, bieten den Insekten aber keine Pollen und keinen Nektar.

Was bei den aktuellen Temperaturen und der starken Trockenheit besonders wichtig ist: Auch die Tier- und Insektenwelt freut sich über eine Wasserstelle. Um diese Projekte umzusetzen, braucht es nicht unbedingt ein großes Gelände, wie es die Straßenmeisterei zur Verfügung hat. Auch auf Balkonen und Terrassen lassen sich viele Tipps des Naturschutzbundes umsetzen.

Wildblumen

In Burscheid ist der Naturschutzbund Rhein-Berg ebenfalls sehr engagiert. In der Lindenstadt werden Wildblumenwiesen angelegt. Ebenso kümmern sich die Ehrenamtler um eine Streuobstwiese in Straßerhof. Jedes Jahr aufs Neue werden Krötenschutzzäune in Sieferhof und Blasberg aufgestellt. Eine weitere Aufgabe des Nabu: Neopythenbekämpfung. Unter Neopythen versteht man eingewanderte Pflanzenarten, die allerdings die heimischen verdrängen.

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