Bildung

Hilfe für Schüler ist gefragter denn je

Die Lernpraxis Quirl feiert Geburtstag: Antonia Quirl mit ihren Mitarbeitern Jan Berning (l.) und Finn Zenzen.
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Die Lernpraxis Quirl feiert Geburtstag: Antonia Quirl mit ihren Mitarbeitern Jan Berning (l.) und Finn Zenzen.

Lerndidaktikerin Antonia Quirl zieht Bilanz: Corona hat vieles verändert.

Von Anja Wollschlaeger

Seit 2013 ist Antonia Quirl zertifizierte Legasthenie-Trainerin. Die Corona-Krise hat ihrer Lernpraxis ungeahnt viel neuen Zulauf gebracht. Sie hat ihre Lernpraxis vergrößert und feiert das heute intern. Dabei schaut sie auch kritisch auf das Schulsystem. Wöchentlich besuchen bis zu 60 Kinder ihre Lernpraxis. Vormittags übt sie mit EMA-Grundschülern in Hilgen Deutsch als Zweitsprache oder unterstützt an der Johannes-Löh-Schule mit individuellem Lese-Rechtschreibunterricht.

Im Dezember 2019 wurde Antonia Quirl zum ersten Mal im Bergischen Volksboten vorgestellt. Damals hatte sie ihre Lernpraxis in einem urigen Fachwerkhaus in Kaltenherberg eingerichtet und stellte ihr neuestes Kinderbuch „Mr. Hedgehog“ vor. Im April 2020 meldete sie sich erneut beim Bergischen Volksboten. Durch den Lockdown konnte sie die Kinder, die bei ihr auch Training für Deutsch als Zweitsprache erhielten, nicht mehr erreichen und somit auch kein Einkommen mehr erzielen. Damals zeigte sich Corona als echte Katastrophe für die Nachhilfebranche, in der sie tätig ist.

Vor neun Jahren hat sie beim Österreichischen Dachverband ihre Prüfung abgelegt. Das wird nun gefeiert. Sie ist inzwischen Nachbarin des Kinderschutzbundes an der Geilenbacher Straße geworden. Wie sie dorthin kam, war Glück und Zufall, wie sie erzählt. Durch die Nachfrage hatte sie sich personelle Unterstützung geholt, und es wurde schnell zu eng in der alten Lernpraxis. So kam sie über Sozialarbeiter Christian Riehl an Federal Mogul, ihren heutigen Vermieter. Die alte Villa renovierte sie zusammen mit Team und einigen Schülerinnen und Schülern zwischen den Jahren. Sie sagt: „Bei uns ist es richtig familiär. Ich bin so stolz auf die Kinder.“

Nach dem Lockdown ist ihre Unterstützung gefragter denn je. In den Ferien hat sie an der Johannes-Löh-Schule im Programm „Aufholen nach Corona“ Ferienbetreuung angeboten. Dabei ging sie, wie auch in ihrer Lernpraxis, einige ungewöhnliche Wege: „Wir haben in Mathe einfach mal den Schulhof ausgemessen.“ Aus ihrer Sicht verbringen Schüler an Schultagen viel zu viel Zeit im Sitzen. Anders ist das in ihrer Lernpraxis, wo der Garten mit Tischtennisplatte gerne genutzt wird. Doch alles ist nicht nur Spiel. So sagt sie aus ihrer Erfahrung mit rechtschreibschwachen Kindern: „Ich finde Diktate ganz wunderbar.“

Kritisch sieht sie, wie einige Schüler nach den Lockdowns die Orientierung verloren haben: „Bei uns sind einige gelandet, die im Online-Unterricht komplett abgehängt waren. Manche haben nur noch am PC gezockt und jetzt einen Stapel vor sich liegen, der niemals kleiner wird.“ Solche Situationen ärgern sie, denn statt immer hinterher zu hinken, wäre es aus ihrer Sicht besser, wenn Kinder sich ganz in eine Aufgabe vertiefen könnten, auch mal kreativ eine Geschichte schreiben können: „Mir geht es um die Freude an der Selbstverwirklichung, das wäre doch toll, wenn die Schule das im Deutschunterricht vermitteln würde.“

Quirl ist spezialisiert auf das Training mit Menschen, die aufgrund ihrer Wahrnehmung nur schwer lesen und schreiben können, doch durch ihre beiden Mitarbeiter kann sie nun auch Unterstützung bei Mathe- und Englischproblemen anbieten. Sie sagt: „Die beiden sind noch ganz jung und haben einen ganz tollen Zugang zu den Schülerinnen und Schülern.“

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