Hier wird Bürgern ganz einfach geholfen

Nicole Wittmann (l.) von der Katholischen Jugendagentur LRO und Stephanie Ludewig vom Jobcenter helfen im Burscheider Büdchen allen Besuchern weiter, die Fragen oder Probleme haben. Foto: Sabine Sistig
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Nicole Wittmann (l.) von der Katholischen Jugendagentur LRO und Stephanie Ludewig vom Jobcenter helfen im Burscheider Büdchen allen Besuchern weiter, die Fragen oder Probleme haben.

Jobcenter und Katholische Jugendagentur LRO arbeiten gemeinsam im Burscheider Büdchen

Von Markus Schumacher

Zwei Mitarbeitende des Jobcenters sind dienstags von 10 bis 12 Uhr vor Ort im Burscheider Büdchen. Sie helfen Bürgern dabei, Briefe vom Jobcenter richtig zu verstehen, beantworten Fragen und stellen mit ihnen gemeinsam Anträge für Leistungen. „Sie können auf die Programme des Jobcenters zugreifen und fast genauso arbeiten, wie in ihren normalen Büros“, schreibt Sabine Sistig, Pressereferentin der Katholischen Jugendagentur.

„Sehr gut war dieses Angebot in der Corona-Zeit“, erzählt Stephanie Ludewig vom Jobcenter Burscheid. „Wir waren während der Pandemie überwiegend digital und telefonisch zu erreichen. Persönliche Gespräche vor Ort waren nur eingeschränkt möglich. Das ist für manche unserer Kunden eine Hürde gewesen. Wir wollen es ihnen aber leicht machen. Im Burscheider Büdchen konnten wir durch das Kiosk-Fenster mit den Leistungsberechtigten sprechen.“

Vielen Menschen falle der Weg ins Jobcenter schwer. Deshalb müsse das Jobcenter Rhein-Berg da, wo die Menschen leben, präsenter sein. Ein niederschwelliges Angebot sei nicht nur in der pandemischen Situation wichtig, sondern es habe sich gezeigt, dass es grundsätzlich für die Zusammenarbeit mit den Leistungsberechtigten und auch anderen Bürgern sehr vorteilhaft sei.

„Es liegt einfach nahe, dass wir uns mit dem Burscheider Büdchen zusammentun. Ich arbeite sowieso seit zwei Jahren mit Nicole und Sascha zusammen“, erklärt Stephanie Ludewig. Sich in einem hübschen Wohnzimmer zusammensetzen und mal durchsprechen, was zu tun ist – dafür stehe das Burscheider Büdchen. „Wir sind die erste Anlaufstelle für einfach alles“, sagt Sascha von Schwedler von der Katholischen Jugendagentur Leverkusen, Rhein-Berg, Oberberg.

„Hier braucht sich keiner zu schämen.“

Nicole Wittmann, Katholische Jugendagentur

„Neulich kam eine Nachbarin direkt vom Zahnarztstuhl hierher, der Mund war noch betäubt. Sie war so glücklich, dass sie jetzt alle Zähne in Ordnung hat. Die Rechnung vom Zahnarzt hat ihr jedoch Sorgen bereitet“, beschreibt Nicole Wittmann einen Fall. Die Mitarbeiter des Büdchens schauten nach: Laufen bei der Dame noch andere Abzahlungen? Kann man ein zinsloses Darlehen vereinbaren? Oder sie rufen mit der Frau beim Zahnarzt an und verabreden eine Ratenzahlung.

„Wenn einmal das Vertrauen da ist, zeigen sich oft noch andere Dinge, die geregelt werden müssen“, hat Sascha von Schwedler schon häufig erlebt. Dann werden noch Briefe ausgepackt, die schwer auf dem Magen liegen. Oder private Probleme erzählt.

„Hier braucht sich keiner zu schämen“, sagt Nicole Wittmann. Sie erlebt oft die Erleichterung bei den Menschen, wenn Sie sich endlich anvertrauen: „Die Leute fühlen sich mit ihren Problemen oft allein.“ Wenn Nicole Wittmann dann sagt, „Nein, Sie sind nicht alleine, wir sind jetzt schon zwei“, fließen auch mal Tränen. Dann setzen die Mitarbeiter vom Büdchen Hebel in Bewegung. Sie ebnen die Wege zu den nächsten Beratungsstellen. Sie melden den Besucher dort an, zeigen, wie es weitergeht, so dass der Besucher weiß, „man kennt mich da schon. Ich gehe nicht von null aus dahin“. „Dahin“, das ist oft Schuldnerberatung, Familienberatung oder eben Jobcenter.

Stephanie Ludewig hat dort schon häufig Menschen weiterbetreut, die vom Büdchen kamen. Auch sie kümmert sich und hat ein offenes Ohr für Liebeskummer. „Ich weiß, dass das Jobcenter als ‘Amt’ manchmal einschüchternd wirkt. Auch wir hier sind Menschen, die gerne weiterhelfen wollen. Auch ich bin am Abend froh, wenn ich weiß, dass ich für einen Besucher wirklich etwas vorangebracht habe.“

Und weiter: „Jetzt, wo wir regelmäßig im Büdchen sind, geht das alles natürlich noch viel einfacher. Die Menschen müssen nirgendwo anders mehr hingehen, sondern es geht direkt an dem Ort für sie weiter, den sie schon kennen.“

Stephanie Ludewig sieht einen weiteren Vorteil: „Wir, die wir uns im Büdchen vernetzen, können noch mehr voneinander lernen. Man kann sich ganz schnell mal was fragen. Das kommt alles dem Besucher zugute.“ Daher hat die Zusammenarbeit zwischen dem Jobcenter und der Katholischen Jugendagentur LRO im Burscheider Büdchen Modellcharakter. Das Erfolgsmodell wird an anderen Standorten des Jobcenters fortgeführt, so Sascha von Schwedler.

Jobcenter

Das Jobcenter Rhein-Berg ist eine gemeinsame Einrichtung der Bundesagentur für Arbeit Bergisch Gladbach und dem Rheinisch-Bergischen Kreis. Es leistet existenzsichernde Hilfen und Hilfe zur Selbsthilfe, ermöglicht individuelle Weiterbildungen und soziale Teilhabe für alle Leistungsberechtigten nach dem Sozialgesetzbuch II. Es beschäftigt etwa 300 Mitarbeitende.

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