Tagespflege

Heute wird gleich zweifach gefeiert

Christa Glaubitz darf heute feiern – genauso wie die Tagespflege im Luchtenberg-Richartz-Haus generell.
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Christa Glaubitz darf heute feiern – genauso wie die Tagespflege im Luchtenberg-Richartz-Haus generell.
  • VonNadja Lehmann
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Von Beginn an ist Christa Glaubitz bei der nunmehr 20 Jahre alten Tagespflege im Luchtenberg-Richartz-Haus dabei.

Von Nadja Lehmann

Wenn heute den Tag über im Gartengelände des Luchtenberg-Richartz-Hauses gefeiert, wenn das Zelt aufgebaut und der Grill angeworfen wird, dann feiern gleich zwei ihr Jubiläum: die dortige Tagespflege ebenso wie ihre Leiterin Christa Glaubitz. Eine Frau der ersten Stunde, denn als die Tagespflege vor 20 Jahren gegründet wurde, war Christa Glaubitz bereits dabei. Und konnte aus ihrer Erfahrung schöpfen und diese einbringen, schließlich hatte sie zuvor die Tagespflege des Remscheider Tannenhof geleitet.

„Ein Glücksfall für uns“, sagt Birgit Hoferichter, die das Evangelische Altenzentrum Auf der Schützeneich leitet. Denn auch sie war damals schon in Burscheid mit an Bord, war 1999 ans Haus gekommen, mit der Maßgabe, eine Tagespflege aufzubauen. Glaubitz und sie kannten sich vom Tannenhof, wo auch Hoferichter gearbeitet hatte. Hoferichters Anfrage kam zur rechten Zeit. „Die dortige Tagespflege wurde aufgelöst und Frau Glaubitz stand zur Verfügung.“

Mit zwei Tagesgästen aus der Remscheider Einrichtung, die sie damals mitbrachte, fing Christa Glaubitz vor 20 Jahren an. „Es gab nicht viele Vorreiter“, erinnert sich Birgit Hoferichter. „Und wir mussten ganz schöne Klimmzüge machen“, ergänzt Christa Glaubitz. So hatte damals jemand in der Pflegestufe 1 rund 400 Euro zur Verfügung, die er aufteilen musste: für Hilfestellungen im eigenen Zuhause wie beispielsweise beim Duschen oder eben für Angebote in der Tagespflege. „Die Politik hat rasch gemerkt, dass das nicht funktioniert. Heute gibt es für die Tagespflege ein Extra-Budget. Damit wurde es einfacher, die Plätze zu besetzen“, sagt Glaubitz.

14 Plätze gibt es Auf der Schützeneich, Männer kommen mittlerweile genauso viele wie Frauen, der Jüngste ist 60, die Älteste über 90. Das Einzugsgebiet ist groß, umfasst neben Burscheid auch Odenthal, Leverkusen und Wermelskirchen. Der treueste Gast kommt seit 13 Jahren.

„Einzelne Tage sind noch frei, da haben wir Luft nach oben“, beschreibt Glaubitz. Rund elfeinhalb Plätze seien derzeit belegt, allerdings ziehe das Interesse wieder deutlich an: „Corona hatte Spuren hinterlassen. Viele haben sich zurückgezogen, waren ängstlich.“ Im Haus hat man deshalb auf ein klares Hygienekonzept gesetzt: Die Mitarbeitenden tragen Maske, die Tagesgäste lassen sich testen. „Dann können sie sorglos den Tag miteinander verbringen“, erklärt Christa Glaubitz. Die Gefahr, dass jemand nach einem Negativ-Test innerhalb eines Tages so hochinfektiös werde, dass er andere anstecke, sei gering. „Und bei schönem Wetter sitzen wir auf der Terrasse.“ So wie an diesem Morgen. Eine große Runde sitzt beieinander und studiert gemeinsam – zur Freude der Schreiberin dieser Zeilen – den Bergischen Volksboten. So wie jeden Vormittag. Zeitungslektüre ist Pflicht.

20 Jahre sind eine lange Zeit. Und es hat sich viel verändert. „Früher kamen fast nur Frauen. Die Männer fehlten, da war eine Generation im Krieg ausgelöscht worden“, beschreibt Christa Glaubitz. Und auch wenn viele Frauen als Witwen dann eine Arbeit aufgenommen hatten, lagen die Interessen doch im hausfraulichen Bereich: Es wurde gekocht und gebacken und im Garten ein Hochbeet angelegt, es wurde gestrickt und gehäkelt.

Die Tagespflege ist mit der Zeit gegangen

„Dann kippte das. Es kamen Jüngere. Diejenigen, die voll im Beruf gestanden hatten und sich fürs Kochen weniger begeisterten. Sie wollten Sport machen“, erzählt Glaubitz. Und die Tagespflege ging mit der Zeit, entwickelte Fitnessprogramme wie „Fit für 100“, „Leben im Gleichgewicht“ oder „Kraft- und Balance-Training“. „Wir teilen die Gruppe dann auch, je nach Leistungsvermögen“, sagt Glaubitz. Denn keiner und keine soll sich unter- oder überfordert fühlen, Schlaganfallpatienten sollen ebenso eingebunden werden wie Demenz-Erkrankte.

Ein Konzept, das Christa Glaubitz und ihrem Team entgegenkommt. Selbstständigkeit fördern, Leben zurückgeben nach körperlicher, seelischer und geistiger Einschränkung und Wertschätzung vermitteln: Das sind Vokabeln, die die 63-Jährige in diesem Zusammenhang nennt.

Im Bereich Schlaganfall weiß sie sich besonders unterstützt von Ergotherapeutin Julia Schaaf: „Ihr Herz schlägt für die neurologischen Erkrankungen.“ Ganz nach dem Motto: Die Betroffenen können mehr. 2019 ging man deshalb auf Initiative des Landessportbunds eine Kooperation mit dem Behindertensportverein Burscheid ein, seitdem gibt es immer mittwochs eine Reha-Sportgruppe. Singen, Kegeln oder Mensch-ärger-dich-nicht gehen immer. Für alle.

„Ich wusste schon mit acht, dass ich Krankenschwester werden wollte“, erzählt Christa Glaubitz. Als Neunjährige ging die gebürtige Heidelbergerin zum Deutschen Roten Kreuz und machte ihre Ausbildung beim Remscheider Tannenhof.

Als Vermittlerin zwischen ihren Besuchern und deren Angehörigen begreift sie sich: „Es gilt, Menschen für die nächste Runde fit zu machen und Positionen zu finden, wo es beiden gut geht“, sagt sie. Angehörige pflegten oft über die eigene Belastungsgrenze hinaus, plagten sich mit Selbstvorwürfen, wenn sie Verantwortung abgäben: „Wer kann das besser verstehen als Betroffene?“, dachte sich Glaubitz eines Tages und gründete die Selbsthilfegruppe „Zeit für mich“, die sich ein Mal im Monat trifft. Ein Angebot, das übrigens offen ist für alle Burscheider, die Angehörige pflegen.

47 Dienstjahre in der Pflege: Eine Zahl, die sich sehen lassen kann. Oktober 2023 ist für Christa Glaubitz ihr persönlicher Stichtag. Ruhestand. Dann wird sie reisen, sich um den Enkel kümmern und Teddybären schneidern. „Wenn ich alles schaffen will“, sagt sie lachend, „muss ich 100 werden.“

Hintergrund

Tagesablauf:Gegen 8.45 Uhr treffen die ersten ein, dann geht es nach Corona-Test und Frühstück in die Morgenrunde zu Gespräch und Zeitungslektüre. Viel wird über die Ukraine gesprochen, denn viele haben den Krieg als Kind erlebt: Erinnerungen an Flucht und Bombardierung kommen hoch. Dann gibt es Bewegungsangebote, abgestuft nach Leistungsvermögen: Sturzprävention, Sitztanz, Kraft und Balance sowie Einzelbetreuung.

Nachmittag: Nach Mittagessen und Ruhezeit folgen Kaffeetrinken, Denkspiele, Bingo, bevor es gegen 16 Uhr nach Hause geht. Die Teilnehmer gestalten das Programm mit.

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