Porträt

Heute ist der PC seine Dunkelkammer

Die Liebe zur Technik ist geblieben: Roland Schwamborn sammelt alte Kameras, mag aber auch das Digitale.
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Die Liebe zur Technik ist geblieben: Roland Schwamborn sammelt alte Kameras, mag aber auch das Digitale.
  • VonNadja Lehmann
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In seinen Jugendjahren war Roland Schwamborn für den Bergischen Volksboten als freier Fotograf unterwegs.

Burscheid. Als rasender Reporter flitzte Roland Schwamborn einst durch die Stadt, die Kamera umgehängt und immer aktuell am Ball. „Hier“, zeigt er auf das Bild einer damals bekannten Schauspielerin, die Burscheid besuchte, und sucht schon das nächste Foto heraus, ein jubelnder Schützenkönig. Auf dem nächsten ist Altbürgermeister Willi Wirths zu sehen, der einen Lehrpfad eröffnet. Und überall war Roland Schwamborn mit dabei, ein junger Kerl damals von ungefähr 17 Jahren, der freier Fotograf beim Bergischen Volksboten war.

Der damalige Bürgermeister Willi Wirths eröffnet den Waldlehrpfad der Kaltenherberger Heimatfreunde

Von dieser großen Leidenschaft erzählt sein Büro in seinem Zuhause an der Hauptstraße noch heute. Liebevoll bewahrt er alte Kameras auf und alte Entwicklungsdosen. Klangvolle Namen sind da zu lesen: Kodak, Agfa und Voigtländer. Einer, der sich der technischen Entwicklung verschließt aber, ist Schwamborn nie gewesen. Im Gegenteil. Auf dem Schreibtisch steht der PC, an dem er fachkundig mit seinen Aufnahmen jongliert. Aber wie es einst analog zuging, das weiß und kennt er noch aus dem Effeff. Wie schnell alles gehen musste.

Durch das Ruckeln im Auto entwickelte sich das Bild

„Ich musste nach einem Termin ja zuerst nach Hause in die Dunkelkammer“, erinnert er sich. „Das kostete wertvolle Zeit.“ Und anfangs, mit 17, habe er ja noch kein Auto gehabt. Doch Schwamborn nutzte technische Neuheiten: „Vom Gesparten habe ich mir eine Tageslichtentwicklungsdose gekauft“, verrät er. Die Entwicklerflüssigkeit befand sich bereits im Inneren; er selbst musste den Film noch einlegen und dann kurbeln. Die Dose wurde quasi zur Dunkelkammer. Als Schwamborn Autofahren durfte, wurde es sogar noch besser: „Ich habe die Dose auf den Sitz gestellt. Durch das Ruckeln wurde das Bild bewegt und entwickelt. Das sparte enorm viel Zeit“, sagt er. Und auch andere Tricks hatte er auf Lager: den Film (damals noch Meterware) mit dem Föhn zu trocknen beispielsweise. Alles, damit das Bild rechtzeitig in den Druck gehen konnte. „Damals wurde ja noch in Burscheid gedruckt, da fuhren Kuriere hin und her“, berichtet er aus der Redaktion von einst. Fünf Mark pro Bild habe es gegeben.

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„Mein größtes Hobby“, sagt Roland Schwamborn, dem das damals willkommenes Zubrot zum Taschengeld war. Bereits als Zwölfjähriger hatte er angefangen und hatte sich zu Weihnachten eine Agfa-Box gewünscht. „Dann wollte ich selbst entwickeln und habe einen Kurs besucht.“ Bei den Kaltenherberger Heimatfreunden war das, in den Sechzigern. Roland Schwamborn lernte dort das Entwickeln und Vergrößern und kaufte sich eine bessere Kamera. Und dann kam schon die Zeitung. die ihn kurzentschlossen anhaute: „Kannst du Fotos machen?“ Der junge Roland konnte – und lichtete die junge Schauspielerin in Pose auf Gut Landscheid ebenso ab wie viele sportliche Ereignisse, insbesondere bei der Burscheider Turngemeinde und dem Burscheider Schützenverein: Vereine, denen er auch als Mitglied verbunden war.

Dass sich die Wege von Roland Schwamborn und des Bergischen Volksboten kreuzten, war auch aus einem anderen Grund ganz folgerichtig: Zeitungsluft und Druckerschwärze hatte Roland Schwamborn nämlich schon früh eingesogen – als Vater Johannes noch als Setzer im Druckhaus Deutz arbeitete. „Ich bin da reingewachsen“, sagt er selbst.

In den Fünfzigern gründete der Vater seine eigene Druckerei, wurde selbstständig, zuerst an der Höhe-, dann an der Hauptstraße. Und der Sohn zog mit, lernte beim Vater, machte eine Ausbildung zum Schriftsetzer und zum Buchdrucker und den Meister. 1980 übernahm er die Druckerei gemeinsam mit Ehefrau Heidi. Seit 2003 ist sie geschlossen.

Seine Freude und Neugier an technischer Neuerung, die Schwamborn so oft im Berufsleben praktizieren musste, ist jedoch ungebrochen. Auch in seinem „größten Hobby“ hat er sich stets weitergebildet. Kurse hat er in den Volkshochschulstandorten Wermelskirchen und Burscheid besucht, in der Fotoschule Köln und bei Leica in Wetzlar. „Ich bin immer mit der Zeit gegangen. Es hat Spaß gemacht, mit der Technik Schritt zu halten“, sagt der 79-Jährige.

Er liebt den Blick durch die Kamera. „Man sieht mit ganz anderen Augen.“ Am liebsten widmet er sich Landschaften, auch Gebäuden und Städten. „Mit Porträts tue ich mich schwer“, sagt er selbstkritisch. Zu Beginn herrschte natürlich das Schwarzweiß vor, die Farbfilmfotografie kam später. „Ich fotografiere in Farbe. Ob ich es dann in Schwarzweiß umwandle, entscheide ich am Bild“, sagt Schwamborn. Denn wenn einst die Entwicklerdose die Dunkelkammer des gebürtigen Burscheiders war, so ist es heute der PC.

Und sein heutiges Hobby entsagt allem Zeitdruck: Roland Schwamborn malt. Am liebsten Burscheider Motive, historische und aktuelle. Mit Moorlauge, die den Bildern Patina verleiht. Und mit seinen auf dem Schreibtisch aufgereihten Pinseln widmet er sich der Kalligraphie. Ganz in Ruhe.

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