Politik

Heidi Neumann kandidiert für den Landtag

Hat in Burscheid viele Projekte am Start und möchte jetzt gern in den Landtag: Heidi Neumann. Archivfoto: Nadja Lehmann
+
Hat in Burscheid viele Projekte am Start und möchte jetzt gern in den Landtag: Heidi Neumann.

Mit 58 Jahren wagt die Grünen-Politikerin noch mal einen neuen Aufbruch.

Von Nadja Lehmann

Burscheid. Ein bisschen anders hat sie es sich vorgestellt, ihren Auftritt vor der Landesdelegiertenkonferenz der Grünen, das gibt Burscheids grüne Ratsfrau Heidi Neumann gerne zu. Schließlich geht es um nichts weniger als ihre Kandidatur für den Landtag. Was könnte bei einer Rede da mehr beflügeln als ein enthusiasmiertes Publikum, als viele Gesichter und viel Applaus. Als eben die Liveatmosphäre?

Doch es wird anders kommen. Die Landesdelegiertenkonferenz der Grünen, ursprünglich in großem Rahmen vom 10. bis 12. Dezember in der Siegerlandhalle in Siegen geplant, wird überwiegend digital stattfinden. Corona geschuldet, natürlich. Und Heidi Neumann wird zwar am Freitag nach Siegen reisen. Aber sie wird wohl nur auf wenig Publikum vor Ort treffen. „Nun stehe ich hier, hab mich so auf diesen Tag gefreut“: So beginnt ihre Rede, an der sie in diesen Tagen noch in Burscheid feilt. „Dabei hätte ich so gern vor vollem Haus gesprochen“, heißt es weiter. Doch Heidi Neumann wäre nicht Heidi Neumann, ließe sie sich davon in Gänze niederdrücken. Dafür ist die gebürtige Norddeutsche zu umtriebig und lebensfroh. Und sie packt gerne an und Gelegenheiten beim Schopf. Wie jetzt ihre Kandidatur.

Aber jetzt reizt mich doch noch mal der Aufbruch zu neuen Ufern.

Heidi Neumann, Grüne

„Ich muss gestehen, das ist zunächst an mir vorbeigelaufen“, sagt sie. Denn natürlich seien die Bündnisgrünen mit dem Thema schon das ganze Jahr zugange. Landtagswahl ist schließlich schon Ende Mai. Deshalb stehen die Kandidaten für Rhein-Berg schon lange fest: Direktkandidat für den Nordkreis wurde Jürgen Langenbucher aus Leichlingen, der bereits 2012 und 2017 für den Landtag kandidierte. Er ist Ratsmitglied in Leichlingen und seit 2020 auch im Kreistag. Für den Südkreis geht Andrea Lamberti aus Rösrath ins Rennen. Ihre Themenschwerpunkte sind Bildung und Öffentlicher Nahverkehr. Sie ist Geschäftsführerin der Grünen im Ortsverband Rösrath.

Doch Heidi Neumann ließ es keine Ruhe. Das wäre doch etwas gewesen: Dieses Gefühl habe sie nicht losgelassen, sagt sie. Dabei leidet sie in Burscheid keineswegs unter Langeweile, im Gegenteil. Sie ist Erzieherin in der Kita Sonnenblume, ist Ratsfrau, im Team-Vorstand des Kinderschutzbunds. Sie arbeitet bei der Initiative „Hilgen lebt“ mit, engagiert sich im Schützenverein und ist Sprecherin der Interessengemeinschaft für Lärmschutz im Bereich der A 1. Und sie ist seit 2020 zweite stellvertretende Bürgermeisterin. Als „Sahnehäubchen“ hatte sie diesen ehrenamtlichen Job bei Amtsantritt bezeichnet.

„Aber jetzt reizt mich doch noch mal der Aufbruch zu neuen Ufern“, bekennt die 58-Jährige. Um Listenplatz 39 und aufwärts will sie sich bewerben. Fünf Minuten Zeit hat sie in Siegen, um von sich und ihren Zielen zu überzeugen.

„Ich habe Angst, dass die Gesellschaft sich spaltet. Viele fühlen sich abgehängt und allein gelassen“, sagt Neumann. Sie beklagt die Schwierigkeit, sich von unten nach oben hochzuarbeiten und wirbt angesichts ihrer eigenen Familiengeschichte um Chancengleichheit. Hier ihre eigene Mutter: Viertes von zwölf Kindern, in der Landwirtschaft groß geworden, kaum Schulbildung. Dort ihre Tochter: Studium der Tiermedizin in Budapest, der Abschluss mit Doktortitel mit 27 zum Greifen nahe. „Kann man heute noch von ganz unten nach oben?“, fragt Heidi Neumann nachdenklich. „Wie geht die Reise unserer Gesellschaft weiter?“

Die Wahl-Hilgenerin guckt aber thematisch noch in ganz andere Richtungen. „Das hängt wohl mit meiner Arbeit als Wander- und Naturführerin zusammen und dass ich im Ammerland selbst in der Landwirtschaft groß geworden bin“, vermutet Neumann selbst und nennt „Wald, Landwirtschaft und nachhaltigen Tourismus“ als weitere Gebiete, für die sie im Landtag ihre Stimme erheben möchte.

Dafür hat sie sich vorbereitet. Ihre Homepage wird gerade überarbeitet, sie hat Workshops besucht und meldet sich in den sozialen Netzwerken zu Wort. „Mein Mann macht schon den ganzen Haushalt“, sagt sie lachend. Am Freitag wird sie nach Siegen reisen und Samstag ihre Rede halten. „Die Welt geht nicht unter, wenn ich keinen vorderen Listenplatz bekomme“, sagt sie. „In Burscheid warten noch viele Projekte auf mich.“ Projekte, die sie, sollte es mit Düsseldorf klappen, nur noch aus der Ferne würde begleiten können.

Hintergrund

Die ordentliche Landesdelegiertenkonferenz der Grünen Nordrhein-Westfalens findet von Freitag, 10. Dezember, 11 Uhr, bis Sonntag, 12. Dezember, 18 Uhr, in der Siegerlandhalle in Siegen statt. Aber nur bedingt live und vor Ort. „Durch den Beschluss des Landtags vom 26. November (Covid-19-Wahlbewerberaufstellungsverordnung) ist es möglich, unsere Landesliste digital zu wählen. Aufgrund der angespannten Pandemielage werden wir von dieser Möglichkeit Gebrauch machen“, schreibt Landesgeschäftsführer Raoul Roßbach.

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Meistgelesen

Für die Wahllokale besteht ein Hygienekonzept
Für die Wahllokale besteht ein Hygienekonzept
Für die Wahllokale besteht ein Hygienekonzept
Was Hunde und Katzen in den Fressnapf kriegen
Was Hunde und Katzen in den Fressnapf kriegen
Was Hunde und Katzen in den Fressnapf kriegen
Musikschule ist in Corona-Zeiten gewachsen
Musikschule ist in Corona-Zeiten gewachsen
Musikschule ist in Corona-Zeiten gewachsen
„Ich habe den Blick eines Verbrauchers“
„Ich habe den Blick eines Verbrauchers“
„Ich habe den Blick eines Verbrauchers“

Kommentare