Das Haus ist renoviert und die Fotosammlung sortiert

Normalerweise bringt sich Hanni Dreyer in die Katholische Gemeinde St. Laurentius ein. In Corona-Zeiten haben Ehemann Günter und sie mehr Zeit für sich. Archivfoto: Doro Siewert
+
Normalerweise bringt sich Hanni Dreyer in die Katholische Gemeinde St. Laurentius ein. In Corona-Zeiten haben Ehemann Günter und sie mehr Zeit für sich. Archivfoto: Doro Siewert

So halten sich ältere Burscheider im Lockdown bei Laune

Von Ursula Hellmann

Derzeit trägt Corona nun auch eine imposante Krone aus Schnee. Hinter den Fenstern der Häuser in Burscheid sehen manche Gesichter enttäuscht aus: Nun fällt der geplante Spaziergang auch noch weg! Wie verbringen – hauptsächlich Senioren – den Tag? Was erhält ihnen Lebensmut und Hoffnung? Hanni und Günter Dreyer in der Siedlung Dohm kommen da einigermaßen zurecht.

Hanni Dreyer erzählt: „Wir waren tatsächlich endlich in der Lage, unser Haus außen und innen ausbessern zu lassen. Das haben wir wegen unserer Aktivitäten in der katholischen Gemeinde St. Laurentius lange zurückstellen müssen. Außerdem hat sich im Sommer unser Garten gefreut, dass wir ihm ausreichend Beachtung schenken konnten. Diese Dinge haben zwar keine monatelange Zeit gefordert, aber es gibt auch noch anderes zu tun.“ So bleibt bei Dreyers die Krippe aus Tradition bis 2. Februar stehen. „Sie baute mein Vater selbst im Jahr 1938. Alle Einzelteile werden sehr gepflegt und behütet.“ Im Eingangsbereich von St. Laurentius steht die Krippe, um die sich Hanni und Günter Dreyer schon lange kümmern. „Noch ist die Flucht nach Ägypten dargestellt und wird als Letztes von den Personen abgelöst, die an die Darstellung Jesu im Tempel erinnern sollen.“

Hanni Dreyer holt ab und zu auch ihre Näharbeiten wieder hervor oder liest in aller Ruhe, ohne Stress, ein Buch. Vermisst sie ihre karnevalistischen Auftritte im Rahmen der KFD (Katholische Frauen Deutschlands) nicht? Dreyer: „Die närrische Zeit von 2020 war ja bereits vorbei. Wir wussten, dass 2021 nichts möglich sein würde. So haben wir uns das Planen, das Erfinden von Sketchen und vom Herstellen neuer Kostüme diesmal gespart – mal sehen, wie es weitergeht.“ Langeweile kommt im Haus Dreyer jedenfalls nicht auf.

Etwas ruhiger geht es bei Eike Voss in Hölverscheid zu. Der 84-jährige Senior muss zwar seine täglichen Spaziergänge schon seit längerer Zeit auf den Stand seiner Gesundheit beschränken, aber der überraschende Schnee-Einbruch hat selbst diese kurze, angenehme Gewohnheit unterbrochen. Seine intensiven Kontakte zu evangelischen Kirchengemeinden in Wipperfürth und Opladen sind zum Glück nicht grundsätzlich unterbrochen. Auch weiß er sehr gut mit seinem Smartphone umzugehen und hört gerne die digital aufgenommen Gottesdienste auf diese Weise an. Auch telefonisch bleiben die Mitglieder in Verbindung. Eine Freude machen ihm seine beiden Ur-Enkelinnen, wenn sie die Oma im oberen Stock des Hauses besuchen und bei ihm kurz hereinschauen. „Ich hoffe, die großräumige Impfaktion ist im März bis zu mir gedrungen. Dann wird hoffentlich vieles wieder möglich sein, vor dem man jetzt zurückschreckt.“

Marie-Luise Mettlach beobachtet die Lage der Pädagogen

Mit wachen Augen sieht eine weitere Burscheiderin auch die problematischen Auswirkungen der rein auf digitale Verbindung komprimierte Schulsituation. Marie-Luise Mettlach erlebt es im familiären Umfeld: „Lehrerinnen und Lehrer haben keine Chance auf eine stressfreie Auszeit. Ich kenne Pädagogen, die von morgens um 8 Uhr bis abends um 20 Uhr ununterbrochen vor den Bildschirmen sitzen und mit ihren Schülergruppen arbeiten.“ Was Einsame und Ängstliche umtreibt, ist ihr ebenfalls nicht unbekannt. „Besuche finden nicht statt, sogar wenn sie innerhalb der gesetzlichen Vorschriften möglich wären.“

Wie überbrücken Menschen, die sonst überaus aktiv sind, diese Zeit? Barbara Sarx-Jautelat gelingt es mit ihrer schon immer tiefen Naturverbundenheit, im Besonderen mit Blumen jeder Art. Die farbenfrohe Flora zieht die einst Vielbeschäftigte magisch an. So finden heranwachsende Narzissen, Tulpen und Forsythien zuerst einmal angenehme Temperaturen im Wintergarten des Ehepaars – mit Blick auf den akkurat hergerichteten Garten, der auf sie wartet. Strecken in einer geschützten Ecke auch dort schon grüne Spitzen heraus, werden sie entsprechend freudig begrüßt. Blumen gehören für die Gärtnerin als fester Bestandteil zum „Prinzip Hoffnung“.

Die Dämmerstunden finden das Ehepaar dann vor Stapeln von Fotoalben und Dia-Boxen. Manfred Jautelat ärgert sich nicht über diese Gelegenheit. „Wie oft haben wir geplant: Wenn wir einmal Zeit haben, sortieren wir all unsere Schätze durch und bringen sie in eine übersichtliche Ordnung, die auch unseren Enkeln wertvoll sein wird.“

Mit Tausendteile-Puzzles lassen sich indes nur kurze Stunden überbrücken: Viele sehnen das Ende des Lockdowns herbei. . .

Das könnte Sie auch interessieren

Unsere News per Mail

Nach der Registrierung erhalten Sie eine E-Mail mit einem Bestätigungslink. Erst mit Anklicken dieses Links ist die Anmeldung abgeschlossen. Ihre Einwilligung zum Erhalt des Newsletters können Sie jederzeit über einen Link am Ende jeder E-Mail widerrufen.

Die mit Stern (*) markierten Felder sind Pflichtfelder.

Kommentare