Haus der Kunst ist traditionsreicher Treffpunkt für Burscheider

Martin Fleschenberg (r.), Leiter der Stiftung, und Rolf Engelhardt. Foto: Anja Wollschlaeger
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Martin Fleschenberg (r.), Leiter der Stiftung, und Rolf Engelhardt. Foto: Anja Wollschlaeger

Kulturzentrum wurde 1978 eröffnet – Nach mehr als vier Jahrzehnten steht es nun vor einem Umbau

Von Anja Wollschlaeger

Jubiläen, Auszeichnungen, Versammlungen, Theaterauftritte, Konzerte. Wenn in Burcheid etwas zu feiern ist, entscheiden sich Vereine und die Verwaltung oft für das Haus der Kunst als Veranstaltungsort. Es geht zurück auf eine Stiftung des Burscheider Mäzens Paul Luchtenberg und ein Vermächtnis seiner Frau Else.

Sie hatte in ihrem Testament am 4. Februar 1968 bestimmt, dass einige ihrer Vermögensanteile die Musicalischen Academie von 1812 zu Burscheid „als Grundstock zum Bau eines Musikheimes in Burscheid“ erben sollte.

Anke Wischer, heute Vorsitzende der Academie, ordnet diese historische Erbschaft ein: „Für die Academie war es das Beste, was ihr überhaupt passieren konnte.“ Das älteste Laienorchester Deutschlands hatte bis dahin keinen Ort, an dem Instrumente gelagert werden konnten, keinen festen Anlaufpunkt.

„Mit 20 Geigen ist sie auch schon fast über die Bühne hinausgewachsen.“

Marie-Luise Mettlach, Historikerin und Autorin

Doch bei der Erbschaft allein blieb es nicht. Paul Luchtenberg, der seine Frau überlebte, richtete eine Stiftung ein, die den Bau des Hauses in Angriff nehmen sollte. Der Stiftung ließ die Academie dann auch ihr Erbe zufließen.

Die Grundsteinlegung erlebte der frühere Kultusminister Professor Paul Luchtenberg nicht mehr. An seiner Stelle verlas die Ärztin Margarete Lemaitre die Urkunde, die in den Grundstein eingemauert wurde. Der Bergische Volksbote zeigte am 27. Juni 1977 ein Foto, das sie mit Herbert Luchtenberg zeigt. Beide waren seinerzeit Vorstandsmitglieder der Stiftung. Dr. Lemaitre starb 2012 im Alter von 86 Jahren.

Heute leitet der Kaufmann Martin Fleschenberg die Stiftung. Einer, der zwar nicht vom ersten Tag an das Schicksal des Haus der Kunst begleitet hat, aber immerhin seit Ende der 1970er Jahre dabei ist, ist Rolf Engelhardt. „Ich war zwar nicht dabei, als über den Bau entschieden wurde, aber ich durfte mit über die Bestuhlung entscheiden“, erinnert sich der 90-Jährige. Eine Entscheidung, die er bis heute nicht bereut – die Stühle sind noch immer dieselben, wie bei der Eröffnung im Oktober 1978.

Weniger gut hat etwa das Dach des Hauses die vergangenen vier Jahrzehnte überstanden. Am Oberlicht zeigt sich deutlich ein Wasserschaden.

Wie sich wohl die Musiker gefühlt haben, als sie zum ersten Mal in diesem „Musikheim“ spielen durften, versucht Anke Wischer nachzuvollziehen: „Es muss wie ein Geschenk des Himmels gewesen sein.“ Die Musikwelt in Burscheid hat sich seither verändert, sagt Rolf Engelhardt. Viele Chöre bestehen inzwischen nicht mehr. Unverändert ist, dass der Orchesterverein Hilgen keinen Platz auf der Bühne im Haus der Kunst hat.

Käthe Bode schrieb 1978 im Bergischen Volksboten: „Dass die Bühne für den Orchesterverein zu klein ist, stand von Anfang an fest. W. Grotepass, Vorsitzender des Luchtenberg-Stiftungsvorstandes, meinte auch in seiner Ansprache, dass der OVH wohl über die Bühne hinausgewachsen sei.“ Inzwischen, das sagt Historikerin Marie-Luise Mettlach, werde es auch für die Academie oft eng: „Mit 20 Geigen ist sie auch schon fast über die Bühne hinausgewachsen.“

Was in der „Guten Stube Burscheids“, wie Bürgermeister Stefan Caplan das Haus der Kunst nennt, alles stattgefunden hat, das würde wohl Bände füllen. Mettlach erinnert sich an Ausstellungen von Künstlern wie Lieselotte Leyer, Wolfgang Binding, Erwin Eich und Carl Lauterbach.

Nicht zu vergessen, die kulturellen Veranstaltungen vom – außer im Corona-Jahr – jährlichen Heimatabend der Kaltenherberger Heimatfreunde bis zum Stadtjubiläum 1981 und der Sportlerehrung, haben sich Burscheider im Haus der Kunst immer wieder getroffen.

Doch es gibt auch den Alltag im Haus der Kunst. Dann sitzt die Musikschule mit ihrer Verwaltung wie eh und je im Souterrain bei den Probenräumen, tagt der Rat im Saal oder treffen sich kleinere Vereine im Pastor-Löh-Zimmer.

Alle Nutzer müssen Gebühren zahlen

Für den ehrenamtlichen Stiftungsvorstand gibt es dann Alltägliches zu regeln, wie etwa kopfschüttelnd zur Kenntnis zu nehmen, dass die Bronze-Büste von Jacob Salentin von Zuccalmaglio vor der Türe gestohlen worden ist und Vandalen in der Woche vor Weihnachten durch ein Feuer eine Scheibe zum Bersten gebracht haben.

Den Umbau, so sagt Martin Fleschenberg, wird der Stiftungsvorstand wohl nicht selbst in die Hand nehmen. Bald soll die Stadt Burscheid Eigentümerin des Gebäudes werden. Aufgabe der Stiftung ist es dann, den Verkaufserlös gewinnbringend anzulegen. Das Vermögen darf nicht aufgebraucht werden, so Fleschenberg.

Engelhardt schildert auch, was vor Jahren zu einem Umbruch in den Nutzungsgewohnheiten geführt hat: „Wie alle Stiftungen, hat auch die Paul-Luchtenberg-Stiftung das Problem, dass das Kapital kaum noch Gewinne abwirft.“ So müssen alle Nutzer, mit Ausnahme der Academie, Nutzungsgebühren zahlen – Grund ist das Vermächtnis von Else Luchtenberg.

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